IDC-Japan-Analyse

Fukushima-Schock schiebt Cloud Computing an

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
IDC hat die Folgen von Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Japan untersucht: Lieferengpässe haben Firmen zugesetzt. Cloud Computing profitiert kurzzeitig.
Kleine und mittlere Firmen litten besonders unter der Katastrophe. Das zeigt die IDC-Grafik deutlich.
Kleine und mittlere Firmen litten besonders unter der Katastrophe. Das zeigt die IDC-Grafik deutlich.
Foto: IDC

Zum Glück sind Naturkatastrophen wie Tsunamis oder jüngst Hurrikan „Irene“ in hiesigen Gefilden so bald wohl nicht zu erwarten. CIOs, die alle denkbaren Szenarien für die IT durchspielen, dürften sich dennoch manchmal fragen, wie sich solche Ereignisse im Fall des Falles denn auswirken würden. Die Analysten von IDC haben darauf eine Antwort. Denn sie haben die Folgen der Fukushima-Katastrophe in Japan in diesem Frühjahr für den dortigen IT-Markt berechnet – und stellen durchaus signifikante Auswirkungen fest.

Im Fokus der Untersuchung des IDC-Analysten Hitoshi Ichimura stehen kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern. Dieses IT-Anwender-Segment schrumpft nach Einschätzung Ichimuras wegen des Erdbebens in der Tohoku-Region im März und des dadurch heraufbeschworenen Tsunamis um 8,6 Prozent auf ein Volumen von insgesamt 30 Milliarden Euro.

Stromausfälle und unterbrochene Lieferketten

IDC hat die Folgen von Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Japan ausführlich untersucht.
IDC hat die Folgen von Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Japan ausführlich untersucht.
Foto: lassedesignen, Fotolia.de

Die beiden Naturkatastrophen, denen bekanntlich noch der atomare GAU in Fukushima folgte, führten laut IDC zu erheblichen Schäden an Gebäuden und Einrichtungen sowie einem Ressourcen-Mangel. Verzögerungen beim Wiederaufbau sowie Stromausfälle hatten einen negativen Einfluss auf die Lieferketten. Hinzu kam eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kunden.

Kleine und mittlere Firmen seien davon besonders betroffen gewesen, so Ichimura. Das habe zu einer drastischen Senkung des IT-Budgets in vielen Unternehmen geführt. Allerdings erwartet IDC, dass sich bereits im kommenden Jahr wieder ein spürbarer Aufschwung einstellt. Denn 2012 werde die Supply Chain wieder problemlos funktionieren; zudem geht mit der Wiederaufbautätigkeit voraussichtlich ein Konjunkturhoch einher.

Von den Turbulenzen nach Erdbeben und Wirbelsturm waren insbesondere die Fertigungsbranche mit einem Minus von 11,4 Prozent und Finanzdienstleister mit einem Umsatzverlust von 10,7 Prozent massiv beeinträchtigt. Nach IDC-Prognose ist dies auch der einzige Sektor, der sich 2012 noch nicht berappeln wird.

Data-Center-Leistung stark gefragt

Weniger hart hat es laut IDC die IT-Dienstleister mit einem Minus von lediglich 5,9 Prozent getroffen. Zum einen hätten sich die Verbraucher nicht in ihrem Internetkonsum einschränken lassen, so IDC. Zum anderen sei der Bedarf nach Rechenzentren gestiegen.

Auf die Cloud-Computing-Nachfrage wirkt sich die Katastrophe nach Einschätzung der Analysten zumindest kurzfristig positiv aus. Denn die kleinen und mittelgroßen Firmen hätten für den Augenblick dringend Probleme wie Disaster Recovery, Business Continuity und Energieverbrauch zu lösen. Sobald die Stromversorgung wieder verlässlich laufe wie ehedem, könnte sich dieser kleine Boom auch schnell wieder erledigt haben, mutmaßt IDC. Die Studie „Japan Small and Medium Business Markets 2011-2015 Forecast and 2010 Review“ ist bei IDC erhältlich.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CIO. (mhr)