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Fujitsu öffnet Server-Highend für Intel und Linux

24.01.2003
Fujitsu und Intel wollen gemeinsam Highend-Server entwickeln, die neben Windows auch unter Linux laufen. Für Ende 2005 ist eine 128-Wege-Maschine mit Itanium-Prozessoren angekündigt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Fujitsu hat angekündigt, es werde eine neue Familie von Highend-Servern mit Prozessoren von Intel und Linux als Betriebssystem entwickeln. Bislang waren die in Europa mit Siemens verbündeten Japaner in diesem Bereich traditionell der Sparc-RISC-Architektur von Sun und dessen Betriebssystem Solaris - sieht man von den BS2000-Legacy-Systemen ab - verpflichtet. Fujitsu-Siemens Computers (FSC) wird die Intel-Maschinen in Europa vermarkten, in den USA übernimmt diese Aufgabe Fujitsu Technology Solutions.

Dass Fujitsu sich auf Server versteht, beweist nicht zuletzt der "Primepower 2000", der seit August 2001 das TPC-C-Ranking für nicht-geclusterte Systeme anführt (wenn auch mit einer exotischen hauseigenen Datenbank).

Ende 2004 sollen die ersten Maschinen auf den Markt kommen, zunächst auf Basis der 32-bittigen "Xeon"-Prozessoren ("DP" und "MP"). Für Ende 2005 sind dann große Multiprozessor-Server in 64-Bit-Technik mit kommenden "Itanium"-Prozessoren geplant - hier dürfte es laut "Computerwire" um den derzeit unter dem Codenamen "Montecito" gehandelten Dual-Core-Chip (Computerwoche online berichtete) gehen. Diese Server sollen dann bis zu 128 Prozessoren skalieren und damit aus Sicht der Anbieter "in den Bereich anspruchsvollster Systeme der Mainframe-Klasse vorstoßen". Aufbauen sollen sie auf den aktuellen Intel-basierenden "Primergy"-Server-Angeboten von Fujitsu und FSC.

Neben Windows sollen die neuen Fujtsu-Server auch unter Linux laufen. Der japanische Konzern hat deswegen innerhalb seiner Enterprise Systems Group einen neuen Bereich für Linux-Systeme etabliert, in dem 300 Experten unter anderem an Techniken wie Grid-Computing, autonome Systeme und optische Verbindungtechniken forschen. Fujitsu und Intel wollen nach eigenen Angaben sowohl untereinander als auch mit der Linux-Community kooperieren, um die Zuverlässigkeit, Funktionalität und Leistung des quelloffenen Unix-Derivats zu verbessern.

In puncto Betriebssystem-Unterstützung bleiben vorerst aber viele Fragen offen. Was Linux angeht, steht zu erwarten, dass die für große Server nötigen Anpassungen des Betriebssystem proprietär bleiben und nicht an die Open-Source-Gemeinde zurückgegeben werden - so wie es SGI bei seinen kürzlich vorgestellten Altix-Servern (Computerwoche online berichtete) bereits vorgemacht hat. Zwar läuft Red Hat Linux "out of the box" auf diesen Maschinen, wer sie aber voll ausreizen will, der muss vom Server-Hersteller weiterentwickelte Betriebssystem-Komponenten kaufen. Eine endgültige Entscheidung über den Umgang mit der Intellectual Property ist nach Aussagen von Richard Dracott, Group Director Enterprise Computing bei Intel, bislang noch nicht gefallen; ein SGI-ähnliches Modell sei aber wahrscheinlich.

Was Microsoft angeht, so dürfte Datacenter Server 2003 wohl das Betriebssystem der Wahl zumindest für die Ende kommenden Jahres erscheinenden Maschinen sein - diese skalieren vermutlich nicht höher als 32 Wege, und auf gleich dimensionierten Servern von Unisys läuft Windows ja bereits. Microsoft dürfte aber noch einigen Entwicklungsaufwand betreiben müssen, wenn sein Betriebssystem in noch höhere Dimensionen vorstoßen soll. Was der Redmonder Konzern aber sicher liebend gern tun wird, denn die Eroberung der Data-Center steht schließlich seit Jahren ganz oben auf seiner Wunschliste. (tc)