Infrastructure as a Service

Fujitsu mutiert zum Cloud-Provider

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit einer Reihe neuer Serviceangebote will Fujitsu Technology Solutions (FTS) das Image der Hardware-Company abstreifen.

Schon seit längerem arbeitet Fujitsu daran, sein umfangreiches Portfolio an Server- und Storage-Produkten für neue Dienstleistungen zu nutzen (siehe auch: Interview mit Fujitsu-CTO Joseph Reger). Zwar meiden die Unternehmensstrategen dabei das arg strapazierte Buzzword Cloud Computing und sprechen stattdessen lieber von Infrastructure-as-a-Service (I-a-a-S). Doch die heute auf der Kundenmesse VISIT09 in München vorgestellten Angebote fallen exakt in die Kategorie von Cloud-Services, wie sie Pioniere wie Amazon schon seit geraumer Zeit offerieren. Kai Flore, CEO und President von FTS, will darunter "die oberste Schicht des Dynamic-Infrastructures-Portfolios von Fujitsu" verstanden wissen.

Das erste konkrete Angebot in diesem Kontext trägt den sperrigen Namen "Infrastructure-as-a-Service for Server". Fujitsu stellt damit Server-Rechenleistung auf Abruf zur Verfügung, die je nach Verbrauch monatlich abgerechnet wird. Schon für weniger als 200 Euro je Server im Monat könnten Unternehmen das Angebot nutzen. Im Gegensatz zu den so genannten Public-Cloud-Services der Internet Service Provider arbeite Fujitsu mit einer sicheren VPN-Verbindung, die Kunden den bestmöglichen Schutz bieten soll. Über ein Web-basierendes Portal offeriert Fujitsu die Services in mehreren Varianten. IT-Verantwortliche können beispielsweise einen virtuellen Server je nach Bedarf mit oder ohne Betriebssystem nutzen. Im Angebot sind auch speziell zugewiesene Server (Dedicated Server), die einzelnen Kunden zur Verfügung stehen.

"Mit I-a-a-S for Server von Fujitsu haben Unternehmen die Wahl, entweder ihre gesamte vorhandene Hardware oder einen Teil über eine einfache, sichere Plug-in-Verbindung zu physikalischen Servern abzulösen", wirbt Flore für das Angebot. Die Rechner befänden sich in eigens zu diesem Zweck erbauten Rechenzentren. Für Kunden bedeute das Konzept einen Paradigmenwechsel, da sie ihre IT-Strategie weitgehend unabhängig von der Hardware planen könnten. Profitieren könnten davon insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die nur wenige oder gar keine eigenen IT-Mitarbeiter beschäftigen. Großunternehmen würden in die Lage versetzt Lastspitzen abzufedern und flexibler zu agieren.

Die neuen Services offeriert Fujitsu ab sofort in Kontinentaleuropa, dem Nahen Osten, Afrika und Indien. Doch die Pläne gehen noch weiter. Anders als bislang kommuniziert will Flore auch in den Markt für Application Services einsteigen. Dazu habe man eine Kooperation mit SAP für den Bereich BI (Business Intelligence) geschlossen. Fujitsu denke in diesem Kontext auch über branchenspezifische Angebote nach.