Experton-Analyse

Fujitsu BS2000-Anwender müssen Alternativen prüfen

Andreas Zilch ist als Vorstandsmitglied der Experton Group verantwortlich für den Bereich Consulting und Advisory Services. Sein Schwerpunkt liegt auf Anwender- und Anbieterberatung zu den Themen IT-Architektur und -Infrastruktur, Green IT, Cloud Computing, Client of the Future und allgemein in IT-Beschaffungs- und -Verhandlungsstrategien.
Nach dem Ende von Fujitsu-Siemens sollten Anwender von BS2000-Mainframes ihre Plattformstrategie prüfen und über Alternativen nachdenken.

Ende 2008 hat die Experton Group im Rahmen des Research Papers „Quo Vadis FSC“ eine Analyse der einzelnen Unternehmensbereiche vorgelegt und sehr unterschiedliche Bewertungen und Zukunftsszenarien prognostiziert. Der Mainframe Bereich wurde damals relativ positiv bewertet: „FSC managt in diesem Bereich die Produkte und Kundenbeziehungen in den vergangenen Jahren sehr gut, ein Wachstumsbereich ist es allerdings nicht.“

Nun sind zwei Jahre vergangen, das Unternehmen ist komplett auf Fujitsu übergegangen (FTS – Fujitsu Technology Solutions) und die Märkte haben sich deutlich weiterentwickelt. Grund genug für einen Update, da auch die bestehenden BS2000 Anwender kritisch die Zukunft der Plattform hinterfragen.

Laut Experton Group managed FTS die installierte BS2000 Basis solide, unterbeitet teilweise sehr attraktive Angebote und sorgt kontinuierlich für neue Produkte und Updates. Mit einem von FTS angegebenem direkten Umsatzvolumen von 200 Mio. EUR besteht aktuell auch weiterhin eine „kritische Masse“; hinzu kommt noch das in diesem Bereich generierte indirekte Geschäft.

Andererseits hat die Anzahl der Kunden weiterhin kontinuierlich abgenommen – wenn auch die gelieferte Rechenleistung RPF (Relative Performance Factor – Maßeinheit für CPU/Rechenleistung) stetig leicht zunimmt. Wenn man wirtschaftliche Kriterien und Profitabilitätsaspekte zugrunde legt, ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Profitabilität kritisch wird und – mangels Möglichkeiten der Umsatzsteigerung z.B. durch Neugeschäft – durch Kosteneinsparungen reagiert werden muss. Dies betrifft weniger die reinen Hardware Systeme, die durch Fujitsu in Japan entwickelt und gebaut werden und die damit insgesamt eine deutlich höhere Stückzahl aufweisen und die SQ-Systeme, deren Entwicklungskosten mit anderen FTS Systemen geteilt werden können.

Als kritische Komponente muss vielmehr die Software (u.a. BS2000 OSD, Sesam, UDS, Oracle/BS2000, …) eingestuft werden und dabei insbesondere der Teil, der exklusiv für die BS2000 Plattform (weiter)entwickelt wird. Der Vorteil der „eigenen“ Software-Entwicklung liegt in der Nähe zum Kunden und den Kontrollmöglichkeiten, die Entwicklungskosten müssen aber eben auch auf die bestehende Kundenbasis umgelegt werden. Dabei ist der kontinuierliche Support über die nächsten Jahre gesichert, es wird aber FTS sehr schwer fallen, wirklich große Investitionsprojekte (wie z.B. IBM zEnterprise) zu finanzieren.

Ein weiterer sehr kritischer Punkt, der nur teilweise im Einflussbereich von FTS liegt, ist die Verfügbarkeit von Mitarbeitern mit BS2000 Skills. Diese werden durch die Altersstruktur mittlerweile knapp und Nachwuchs ist eher schwer zu beschaffen. FTS hat dies erkannt und mehrere Maßnahmen eingeleitet. Dazu zählen die Zusammenarbeit mit Universitäten (u.a. Stuttgart) und die Gründung eines zentralen BS2000 Kompetenz-Centers mit der aktuellen Neueinstellung von 10 Mitarbeitern zur direkten Unterstützung der Kunden. Dies sind Schritte in die richtige Richtung, damit werden aber bei weitem nicht alle Ressourcen Probleme beim Kunden gelöst.

Im Zusammenhang mit dem vorherrschenden Cloud Services Trend steht das relativ neue Angebot „BS2000-as-a-Service“, welches gerade das Skill-Problem bei den Anwendern partiell lösen könnte. Dazu passt auch, dass FTS den Betrieb der „eigenen“ BS2000 Systeme wieder von SIS übernommen hat und damit sowohl über grosse Systemkapazitäten wie auch über entsprechendes Personal verfügt.
Diese Überlegungen führen zu dem Ergebnis, dass BS2000 Kunden ihre bestehende Plattform Strategie aktiv und kritisch überprüfen und die aktuellen Alternativen im Gesamtkontext bewerten müssen.

Hier stellen sich folgende Alternativen:

  • Weiterbetrieb der BS2000 Plattform in der heutigen Form mit leichten Anpassungen – für einen Zeitrahmen von zunächst 5 Jahren, dann Review der Entscheidung

  • Outsourcing der Plattform inkl. Middleware / BS2000-as-a-Service

  • Outsourcing des gesamten Betriebes inklusive Application Management

  • Migration auf alternative Mainframe Plattform (IBM z)

  • Migration auf Unix Plattform (IBM AIX / HP UX)

  • Migration auf x86 (Linux/Windows)

  • Migration auf eine gemischte Unix/x86 Plattform