"Geschäft zieht an"

Fujitsu beendet Stellenabbau in Deutschland

02.11.2009
Das ehemalige deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers hat die Wirtschaftskrise bislang ohne weitere Einschnitte gemeistert.

"Der Stellenabbau ist durch", sagte Speichersparten-Chef Helmut Beck der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf einer Branchenmesse in Frankfurt. "Wir haben uns von 700 Mitarbeitern in Deutschland trennen müssen. Es deutet sich derzeit nicht an, dass es mehr werden." In einzelnen Bereichen seien sogar neue Mitarbeiter eingestellt worden. "Das Geschäft zieht wieder an."

Ein "Null-Watt-PC" von Fujitsu
Ein "Null-Watt-PC" von Fujitsu

Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu hatte Anfang des Jahres seinen deutschen Partner Siemens ausbezahlt und führt das Gemeinschaftsunternehmen seitdem solo fort. Aus Fujitsu Siemens Computers (FSC) wurde Fujitsu Technologie Solutions (FTS). Die Deutschen sind seitdem konzernweit für das Geschäft mit leistungsstarken Firmenrechnern und Speichersystemen zuständig. Im Zuge des Umbaus fielen aber auch 1000 der ehedem 10.500 Arbeitsplätze weg, der Großteil davon in Deutschland.

"Geburtsfehler behoben"

Die deutsche Fujitsu profitiert laut Beck stark von der engeren Anbindung an die japanische Mutter: "Die zwei Geburtsfehler von Fujitsu Siemens sind nun behoben: Dass wir nicht global aufgestellt waren und dass wir zu wenig Services angeboten haben." Zu Siemens-Zeiten war das Unternehmen die Nummer eins unter den Computerherstellern in Europa. Auch auf vielen privaten Schreibtischen standen die Geräte "made in Augsburg". Doch die asiatischen Konkurrenten sorgten mit Dumpingpreisen für herbe Einbrüche. "Wir bauen auch weiterhin PCs, haben uns aber aus dem Billigsegment zurückgezogen." Genaue Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen schon seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Heute sucht Fujitsu seine Kundschaft vor allem unter Firmen und bietet denen neben Hardware in immer stärkerem Maße auch Dienstleistungen an. "Wir betreiben zum Beispiel die Datenspeicher von SAP", sagte Beck. Die Hochleistungs-Rechner stehen dabei weiterhin beim Kunden. Dieser schafft sie auch an oder beauftragt eine Leasinggesellschaft damit. Beck verriet aber, dass Kunden künftig ihre Daten auch komplett von Fujitsu verwalten lassen können: "Wir bauen zurzeit ein Rechenzentrum in Augsburg auf."

Asien sorgt für Lichtblick

In Augsburg liegt das Hauptwerk von Fujitsu in Deutschland, weitere große Standorte befinden sich im westfälischen Paderborn und im thüringischen Sömmerda. Daneben fertigt das Unternehmen in Asien. Dort ruhen auch die Hoffnungen auf eine Erholung des Geschäfts mit Speichersystemen. "In Asien geht es wieder nach oben", führte Beck aus. "Osteuropa hat Probleme, Westeuropa schwächelt, der Nahe Osten läuft gut bei uns. Die USA waren früher in der Krise und werden auch eher wieder herauskommen."

Trotz erster Lichtblicke bleibt Beck vorsichtig. "Viele Unternehmen habe ihre IT-Budgets gekürzt. Viele Firmen haben zudem Probleme, Kredit zu bekommen." Die Nachfrage nach immer mehr größeren Datenspeichern halte zwar an. Das Wachstum habe sich aber im Vergleich zur Boomzeit halbiert. Hinzu kommt ein Preiskampf. "Alles dreht sich derzeit um Kosten", sagte Beck. "Bei vielen Kunden muss sich die Investition schon nach einem Jahr rechnen." Existenzielle Sorgen macht sich der Speichersparten-Chef allerdings nicht: "Wir können auch ein schwächeres Quartal überstehen." (dpa/tc)