Für manche Betriebsgrößen zahlt sich RZ-Dialog aus: Leitungsteurer Dialog mit dem Rechenzentrum

20.03.1981

MÜNCHEN - Die Dialog-Lösung mit dem Rechenzentrum kommt manche Betriebe teuer. Nicht so sehr die Preise, die das Rechenzentrum für seine Dienste verlangt, schrecken potentielle Kunden ab. Die Übertragungsgebühren der Post mit dem Hauptanschluß für Direktruf (HfD) sind nach Ansicht von Günter Bröking vom Rhein-Main Rechenzentrum in Frankfurt so "horrend hoch", daß sich das Interesse am Dialog mit dem Rechenzentrum nur verhalten äußert.

Weil dennoch Kunden des Rhein-Main Rechenzentrums an einer Dialog-Lösung im Service interessiert sind, arbeitet das RZ an einer Erweiterung dieser Dienstleistung. Die Leitungshürde könnte sich nach Ansicht von Bröking durch die komplette Einführung von Datex-P etwas senken. Versorgungsbetriebe arbeiteten seit Gründung des RZs ihre Debitorenbuchhaltung im Dialog ab. Als Alternative bietet das Rechenzentrum die Verbund-Lösung an. Zeitkritische Arbeiten können nach Ansicht von Bröking im Haus des Anwenders bearbeitet werden, den Rest erledige das RZ.

Wenn ein früherer RZ-Kunde eine eigene Anlage installiert, um in den Genuß des Dialoges zu kommen, so braucht er nach Ansicht einiger Branchenkenner auch eigenes Fachpersonal. Mit der Datenverarbeitung im Dialog wird nach Ansicht von Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rechenzentren (VDRZ), Hannover, immerhin ein Teil des RZs ins eigene Haus verlegt. "Mit der Bedienung der Dialog-Terminals entstehen auch Personalkosten, und sei es nur die Zeit, die zur Abfrage benötigt wird. Wer das übersieht, lügt sich in die eigene Tasche."

Johann Lehmkuhl, Dialog-Kunde der ADV/Orga Datenservice GmbH & Co. in Oldenburg, sieht das Personalproblem vor allem in Form eines eigenen, 100prozentigen Programmierers, das bei einer "Eigenhaus-Lösung" auf ihn zukäme. "Einmal kriege ich diesen Mann überhaupt nicht. Wenn er drei Jahre für mich arbeiten würde, wäre er weg vom Fenster." Zum anderen scheut Lehmkuhl die Abhängigkeit vom eigenen Programmierer. Das Rechenzentrum nähme ihm all die Sorgen ab, die mit einem Kleinrechner auf ihn zukämen. Er wisse zwar, was ihn der Spaß koste, doch "wenn etwas nicht klappt, zahle ich nicht".

Um Datensicherung und ähnliches braucht er sich nicht zu kümmern. Die Abarbeitung der üblichen kommerziellen Programme samt Tourenoptimerung und Vertretersteuerung brachten dem Grossisten eigenen Angaben zufolge beachtliche Erlösverbesserungen ein.

Mit einer eigenen DV-Anlage ohne qualifiziertes Personal auskommen zu können, hält ein Sprecher des DSU Rechenzentrum GmbH & Co. KG, Weingarten, für ein Gerücht. Im Service-Angebot stehen sich Mini-Lieferanten und Service-Rechenzentren diametral gegenüber. Während bei den Kleinrechner-Herstellern der Vertrieb meist gut ausfalle, der Service dagegen zu wünschen übrig ließe, laufe das bei den Service-RZs umgekehrt.

"Im Dialog stellen wir unsere Qualität unter Beweis", meint Karl-Heinz Renz. Nicht ohne Werbung für sein Lösungsangebot weist er darauf hin, daß das Rechenzentrum, das die Verantwortung für die Verarbeitung der ihm anvertrauten Daten trägt, auch nach Vertragsabschluß noch Gesprächspartner bleibt.

Günstig im Ortsbereich

Der Dialog-Bedarf steigt rapide. Diese Beobachtung machte auch Manfred Neuner, Geschäftsführer der gleichnamigen M. Neuner & Co. Dialogverarbeitung in München. Seit 1973/74 bietet er überwiegend kommerzielle Programme an. Von zwei Cyber 18/20 mit jeweils 64 K ging er über zu einer Cyber 170-720 mit 196 K-Worten (60 Bit), an die heute 35 Terminals angeschlossen seien. Die Antwortzeiten liegen seinen Angaben zufolge zwischen 0,5 und 1,5 Sekunden. Von dem Trend zum eigenen Minirechner kehrten sich die Kunden bald wieder ab, berichtet Neuner von seinen Erfahrungen.

Die Kleinrechner brachten nicht immer das, was von ihnen erwartet wurde; der Anwender sah sich frustriert ihren Macken und Sicherungsproblemen gegenüber. "Wenn Standleitungen im Ortsbereich in Anspruch genommen werden, sieht das Preis-/Leistungsverhältnis günstiger aus als beim eigenen Mini", meint Neuner. Mit Datex-P wird sich seiner Ansicht nach die Konkurrenz-Situation der Rechenzentren verschärfen, da auch nicht am Ort des Anwenders ansässige Rechenzentren ihre paketvermittelten Leistungen kostengünstiger anbieten können.

Seit 1974 arbeiten die Ritter Werke GmbH, München, Hersteller von Haushaltsgeräten, im Dialog mit dem Neuner-RZ. Damals sprachen die Investitionskosten gegen eine Eigenlösung, erklärte Karl Lohr als Geschäftsführer, der sich von seinen früheren Erfahrungen her mit einer EDV im Haus als gebranntes Kind fühlt.

"Es gibt Unternehmen, die gehen an ihrer EDV zugrunde." Doch außer dieser Befreiung vom Kampf gegen die eigene Anlage sieht er noch einen weiteren Vorteil. "Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit kann die angemietete Kapazität im RZ nach Ablauf der Vertragszeit den neuen Bedürfnissen angepaßt werden. Bei einer eigenen Anlage ist anfangs meist zuviel Kapazität vorhanden, zwischendrin fehlt sie, und endlich ist sie ganz zu klein oder zu groß."

Mittlerweile bieten rund 20 Prozent der im VDRZ organisierten Rechenzentren Dialog zusätzlich zum üblichen Batch an. In dieser Zahl, die Lange-Hellwig nannte, sind nicht nur Timesharing, sondern auch Verarbeitungen im Remote-Batch enthalten.

"Die Leute meinen, mit Dialog besonders aktuell betreut zu sein", spottet Lange-Hellwig ein bißchen. Zum Teil hält er diese Dienstleistung für eine Zeiterscheinung. Auf der anderen Seite seien aber heutzutage auch mittelständische Unternehmen auf Informationen aus volkswirtschaftlichen oder branchenspezifischen Datenbanken angewiesen. "Der Blick über den Zaun", so der VDRZ-Geschäftsführer, läßt sich aber nicht mit Hilfe einer Kleinanlage verwirklichen. Ihre Kapazität reiche nicht zur Speicherung eines solchen Auskunftssystems aus.

Um diesen mittelständischen Unternehmen die Kostentransparenz in diesen beiden Bereichen zu ermöglichen, hat der "Verband Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ)" ein spezielles Erfassungsschema in Form einer Merkblattsammlung erarbeitet.

Hierbei sollen am Beispiel von drei Musteranwendungen (siehe Tabelle) bestimmten Anforderungsprofilen die entsprechenden EDV-Anlagen zugeordnet und deren monatliche Kosten aufgelistet werden. Jedem Praxisbeispiel wird - so der VDRZ - die Lösung bei der Inanspruchnahme eines externen Service-Rechenzentrums gegenübergestellt und die drei Modellfälle eingehend erläutert.

Die Merkblattsammlung wird für 18,50 Mark einschließlich Versandkosten und Mehrwertsteuer entweder von den VDRZ-Service-Rechenzentren oder direkt vom "Verband Deutscher Rechenzentren e. V.", Georgswall 12, 3000 Hannover 1, zur Verfügung gestellt.