Eric Schmidt

Für Glass bedarf es einer neuen sozialen Etikette

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Google-Chairman Eric Schmidt hat dem britischen Fernsehsender BBC ein Interview zur Google-Datenbrille "Glass" gegeben.
Google-Chairman Eric Schmidt bei BBC Readio 4
Google-Chairman Eric Schmidt bei BBC Readio 4
Foto: BBC

Darin gesteht der frühere Chef des Internet-Konzerns, dass die Benutzung von Wearables wie Glass neue gesellschaftliche Normen brauchen wird. "Wir werden eine neue soziale Etikette entwickeln müssen", sagte Schmidt gegenüber der BBC. "Es gehört sich eindeutig nicht, diese Brille in Situationen zu tragen, in denen Mitschneiden nicht in Ordnung ist - dieses Problem haben wir ja bereits mit Smartphones." Firmen wie Google hätten eine sehr wichtige Verantwortung, die Daten von Nutzern sicher zu halten. Nutzer hätten aber ebenfalls eine Verantwortung; sie müssten wissen was sie tun und wie es tun, sich an die Regeln und alles auf dem neuesten Stand halten.

Eine Bar in Seattle hatte kürzlich mit der vorsorglichen Ankündigung für Schlagezeilen gesorgt, sie werde ihren Gästen die Benutzung von Google Glass verbieten. Ein Google-Sprecher hatte dies laut Branchendienst "Cnet" mit folgender Aussage kommentiert: "Glass steckt noch in den Kinderschuhen. Wir gehen davon aus, dass so wie bei anderen neuen Technologien wie Mobiltelefonen auch sich Verhaltensweisen und soziale Regeln mit der Zeit entwickeln werden." Oder mit anderen Worten: Gebt dem Markt Zeit, das in Ordnung zu bringen, statt regulatorisch einzugreifen, so "Cnet"-Autor Dan Farber. Dass Glass in puncto Datenschutz noch ganz andere Fragen aufwirft als heutige Smartphones, ist offensichtlich.

Für Endkunden wird es Google Glass ohnehin noch nicht so bald und dann auch nicht günstig zu kaufen geben. "Entwickler werden tausende dieser Dinge in den nächsten Monaten benutzen. Basierend auf ihrem Feedback werden wir dann einige Änderungen an dem Produkt vornehmen", erklärte Chairman Schmidt in dem Radio-Interview. "Und das dauert bestimmt noch so etwa ein Jahr." Glass-Datenbrillen kommen also keinesfalls vor 2014 in irgendwelche Läden.

Die Entwickler-Variante von Google Glass kann Fotos mit 5 Megapixel Auflösung und Video mit 720p aufnehmen. Sie hat 16 Gigabyte Flash-Speicher (davon zwölf nutzbar für den Besitzer), der mit der Google-Cloud synchronisiert wird. Die Datenbrille funkt über Bluetooth und Wi-Fi (allerdings nur 802.11 b/g). GPS und SMS stellt eine flankierende App bereit, die allerdings Android ab Version 4.0.3 voraussetzt.