E-Mail stirbt

Für Facebook während der Arbeitszeit

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
"Wikinomics"-Autor Don Tapscott warnt europäische Unternehmen vor dem Festhalten an ihren Traditionen.

CW: Sie veröffentlichen im April ein neues Buch. Worum geht es?

Don Tapscott fordert radikale Veränderungen in der Unternehmenswelt.
Don Tapscott fordert radikale Veränderungen in der Unternehmenswelt.

TAPSCOTT: Es geht um "Wikinomics und die Welt". Wie Wikinomics (das Prinzip einer Web-zentrischen, vernetzten Gesellschaft, in der jeder von jedem lernen kann und selbst Wettbewerber einander helfen, Anm. d. Red.) jede Organisation, jedes Unternehmen verändern - das betrifft Regierungen genauso wie die Medien, die Unterhaltungsindustrie und das globale Verkehrssystem. Letztlich schreibe ich über eine neue Gesellschaftsordnung.

CW: Was haben die Unternehmen, gerade in Europa, in den nächsten Jahren zu bewältigen?

TAPSCOTT: Ein großes Problem in Europa ist der fehlende Nachwuchs. Der Kampf um Fachkräfte wird sich weiter verstärken. Gewinnen werden ihn die Unternehmen, die sich auf die jetzt in die Arbeitsgesellschaft eintretenden "Digital Natives" einstellen. Das heißt in erster Linie, ihre auf das Internet und dessen Möglichkeiten fokussierte vernetzte Denk- und Arbeitsweise verstehen zu lernen. Das fängt schon damit an, dass die Unternehmen aufhören müssen, die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook während der Arbeitszeit zu verbieten.

CW: Die beliebteste digitale Kommunikationsform ist nach wie vor die E-Mail. Einige Menschen behaupten aber schon länger, dass sie in spätestens zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist.

TAPSCOTT: Ich hoffe, dass das stimmt. Die E-Mail ist eine sehr primitive Art, sich miteinander auszutauschen - ich nutze sie seit 1977. Sie hat nur so lange überlebt, weil modernere Kommunikationsformen erst in den vergangenen Jahren entstanden sind.

CW: Wie reagieren Sie persönlich auf die Herausforderungen der Zukunft?

TAPSCOTT: Ich konzentriere mich sehr auf meine Forschungen darüber, wie das Netz die Welt verändert. Heute befinden wir uns an einem Wendepunkt der Geschichte vieler Unternehmen - wie sie organisiert sind, wie sie Innovationen schaffen und wie sie mit ihren Kunden und Werten umgehen. Besonders die Finanzbranche braucht große Veränderungen, die leider noch ausbleiben. Das Internet erlaubt es uns, viel offenere Geschäftsmodelle zu entwickeln, mehr Transparenz zu schaffen und unser Wissen mit allen Menschen zu teilen.