Neue Arbeitsprozesse

Führung in Zeiten des digitalen Wandels

13.09.2016
Viele Führungskräfte wissen nicht, wie sie mit den neuen Anforderungen konkret umzugehen haben. Was also bedeutet der Wandel für Führungskräfte? Und kann man „digitale“ Führung lernen? Die Redaktion Die Ratgeber gibt Antworten.

Wer in der digitalen Branche unterwegs ist, sieht vielleicht klarer als andere. Sieht, dass dem digitalen Technikwandel ein kultureller Wandel in Unternehmen folgen muss. Die Einsicht, dass digitale Transformation kein reines Technikthema ist, ist also bereits vielfach vorhanden. Trotzdem wissen viele Führungskräfte nicht, was das konkret für ihr operatives Business bedeutet bzw. wie sie mit diesen Anforderungen konkret umzugehen haben. Was also bedeutet der Wandel für Führungskräfte? Und kann man "digitale" Führung lernen?

Wie ändert sich die Personalführung in Zeiten des digitalen Wandels?
Wie ändert sich die Personalführung in Zeiten des digitalen Wandels?
Foto: Sergey Nivens - shutterstock.com

Viel Neues ist in der Personalmanagementlehre in den letzten 20 bis 30 Jahren nicht hinzugekommen. Es wurden ein paar neue Vokabeln kreiert, die alle auf bekannten Formeln aufbauen. Und weil Personalführung viele Faktoren beinhaltet, gab es diverse Richtungen in der Vergangenheit: personenorientierte Führung, aufgabenbezogene Führung, situative Führung, interaktive Führung, systemische Führung usw.

Schon früher, zum Beispiel unter dem Einfluss der bevorstehenden Automation und später zur New-Economy-Zeit, hieß es: "Ihr müsst Eure Führungsstile ändern. Und ab sofort nach Führungsstil A und B führen, wenn Ihr Eure Mitarbeiter weiter zu Bestleistungen motivieren wollt." Das scheint nicht gut funktioniert zu haben. Ansonsten gäbe es die wesentlich partizipativere, transparentere Führung, die der digitale Wandel jetzt benötigt, bereits in mehr Unternehmen. Denn auch diese Lehre ist nicht neu.

Altes Hierarchiedenken versus neue Arbeitsprozesse

Auch die jährlichen Gallup-Untersuchungen über die Mitarbeiter-Zufriedenheit könnten besser ausfallen. Zwar hat sich die Anzahl der Mitarbeiter, die angeben, eigentlich schon innerlich gekündigt zu haben, von 20 auf 16 Prozent reduziert. Dass sich aber 68 Prozent nach wie vor nicht sehr mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und sich nicht von ihren Chefs abgeholt fühlen, ist nach wie vor keine Glanzleistung.

Früher lief Führung in Unternehmen als Teil von Organisationstheorien. Heute hingegen geht es um die Unternehmenskultur, die immer wichtiger wird, um Mitarbeiter zufrieden zu stellen. Neue Arbeitsprozesse, die flexibler und agiler sind, lassen sich aber nicht mit altem Hierarchiedenken vereinbaren - was in vielen Führungsetagen noch nicht angekommen ist. Und obwohl die Lean-Management-Bewegung schon über 20 Jahre alt ist, ist die damit verbundene Abschaffung von Hierarchieebenen noch nicht überall umgesetzt.

Kulturveränderung dauert eher Jahre als Monate

Warum soll jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, an dem man moderne Führungstechniken nicht mehr als unnötig von sich weisen kann, sondern wirklich ins Handeln kommen muss? Die Umwälzungen werden schneller, die "digitalen Wellen" schlagen höher, man fürchtet den Tsunami der Digitalisierung, dem einige nach wie vor ohnmächtig entgegen sehen. Warum ist das so?

Es heißt, dass die Digitalisierung jedes Unternehmen, dass nicht schnell genug ist, wie eine Flutwelle umreißen wird. Die Masse der Arbeitnehmer bei Umstrukturierungen umzudrehen, funktionierte aber bereits früher nicht schnell - und wird auch in den nächsten zehn Jahren nicht auf Knopfdruck funktionieren. Aber es kann einiges getan werden, um zumindest mal eine Kurskorrektur in Gang zu bringen und notwendige Veränderungen anzustoßen.

Führungskräfte müssen umdenken wollen

Über diese Aussage einen Augenblick länger nachzudenken, könnte hilfreich sein. Vor allem für Personen, die ihren Führungsstil wirklich überdenken wollen oder gezwungen sind, diesen der sich schnell nähernden Digitalisierung anzupassen. TNS Infratest hat im Auftrag von Microsoft 1.000 Beschäftige befragt, was ihnen an Kultur fehlt: 85 Prozent hätten gerne einen besseren Zugang zu Informationen und 84 Prozent regelmäßiges Feedback von ihren Chefs. Ein lauter Ruf nach mehr Transparenz. Selbstständiger Entscheidungen treffen wollten 85 Prozent. 71 Prozent erhoffen sich mehr Flexibilität bei der Arbeit. Eindeutig der Wunsch nach mehr Vertrauen von ihren Chefs. Erfüllt wurde der Wunsch nach mehr Flexibilität jedoch nur bei 20 Prozent.

Was sind also die Zutaten für einen neuen Führungsstil, der den Anforderungen des digitalen Wandels gerecht werden kann? Ein Stil, der mit den Veränderungen, die durch die Digitalisierung hervorgerufen werden, besser klar kommt?