Horst Westerfeld, Land Hessen

Frischer Wind in der Amtsstube

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Horst Westerfeld hat betriebswirtschaftliches Denken in der IT des Landes Hessen verankert - und will nun IT-Services aus der Verwaltungs-Cloud anbieten.

Die sogenannte Halbwertszeit eines CIO in der Privatwirtschaft liegt bei drei bis vier Jahren. In der öffentlichen Verwaltung hat ein CIO vier bis fünf Jahre Zeit, bevor eine neue Regierung gewählt wird und er seinen Schreibtisch womöglich für einen Minister oder Staatssekretär mit andersfarbigem Parteibuch räumen muss. Doch das sollte ihn keineswegs davon abhalten, langfristig - oder wie es neudeutsch heißt: nachhaltig - zu planen.

Ein Kulturschock

Horst Westerfeld kennt beide Seiten, die privatwirtschaftliche und die öffentliche. Der CIO des Landes Hessen war zuvor im Siemens-Konzern tätig. Einige mögen einwenden, so groß sei der Unterschied zwischen dem Dax-Unternehmen und einer staatlichen Behörde gar nicht. Aber der erfahrene IT-Manager sieht das anders. Für ihn war der Wechsel ein "Kulturschock", wie er freimütig einräumt.

"In aller Regel besteht in der öffentlichen Verwaltung kein allzu großer Drang, das Potenzial der IT so zu nutzen, wie es wirtschaftlich möglich wäre", sagt Westerfeld. Das Streben nach Effizienz, auf das er bei Siemens getrimmt worden sei, spiele im öffentlichen Bereich keine so große Rolle. Im Gegenteil: Der Automatisierung von Prozessen begegne man gerade auf der mittleren Führungsebene eher mit Skepsis. Außerdem gerieten hartnäckige Verhandlungen um günstige Lieferantenkonditionen schnell in den Verdacht, Compliance-Grundsätze zu verletzen.

Aus der internen Cloud

In einem solchen Umfeld betriebswirtschaftlich zu denken, zu planen und zu handeln erfordert Durchsetzungsvermögen. Und das hat Westerfeld nicht zuletzt in seinem Projekt "HessenPC" an den Tag gelegt. Hinter diesem unscheinbaren Namen verbirgt sich eine kleine Revolution: Es geht um die Bereitstellung standardisierter IT-Services für den User-Desktop aus einer "Verwaltungs-Cloud" heraus - für interessierte Behörden in der gesamten Republik.

Um dieses Standard-Servicepaket länderübergreifend einsetzen zu können, ist es laut Westerfeld notwendig, eine "Rechtsform" mit den interessierten Behörden zu gründen. Das soll möglichst noch vor der hessischen Landtagswahl geschehen.

Umdenken vor dem Hausputz

Die Definition eines solchen Standard-Servicepakets wäre nicht möglich gewesen ohne eine umfassende Konsolidierung, Zentralisierung und Harmonisierung der gesamten Infrastruktur. Davon betroffen waren 60.000 PCs und 3000 Server in den hessischen Behörden. Teilweise waren mehr als 50 Mitarbeiter involviert.

Das Großreinemachen wiederum erforderte ein generelles Umdenken: Begriffe wie Business Case, Return on Investment oder professionelles Großprojekt-Management mussten eingeführt beziehungsweise verbessert werden. "Damit machen Sie sich nicht nur Freunde", weiß Westerfeld. Das "Bereinigen der dezentralen Sümpfe" habe bei den Verantwortlichen der Ressorts durchaus Ängste vor dem Verlust von Finanzmitteln und Mitarbeitern erzeugt.

Doch dem hessischen CIO macht es Spaß, frischen Wind durch die Amtsstuben zu blasen. Mit Enthusiasmus hatte er schon das gemeinsame Rechenzentrum mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz eingeführt oder die elektronische Rechnung, die seit Beginn dieses Jahres Standard im Land Hessen ist. Weitere - zum Teil noch in Arbeit befindliche - Projekte sind die Umsetzung des Self-Service-Portals für die Mitarbeiter und die elektronische Personalakte.

Die Jury des Wettbewerbs "CIO des Jahres 2012" kürte Westerfeld zu einem der zehn besten IT-Chefs im deutschsprachigen Raum. Ob der heute 62-jährige seine Arbeit über den 22. September hinaus fortsetzt, entscheiden auch die hessischen Wähler. (mhr)

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