Gartner

Freie Bahn für Apple im Tablet-Weihnachtsgeschäft

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Aus Sicht der Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner hat Apple im diesjährigen Weihnachtsgeschäft mit Tablet-Rechnern (im Gartner-Jargon "Media Tablets") freie Bahn.

Und zwar schlicht deswegen, weil der Wettbewerb noch immer keine zum iPad (2) konkurrenzfähigen Produkte vorweisen kann. Gartner erwartet aktuell, dass in diesem Jahr weltweit 63,6 Millionen Media Tablets verkauft werden, ein Wachstum von 261,4 Prozent gegenüber den 17,6 Millionen Geräten 2010. Das Tablet-Segment soll auch weiter kräftig wachsen auf 326,3 Millionen Geräte im Jahr 2015.

Ist und bleibt mangels Konkurrenz das Maß der Tablet-Dinge: Das iPad 2 von Apple
Ist und bleibt mangels Konkurrenz das Maß der Tablet-Dinge: Das iPad 2 von Apple
Foto: Apple

Den Anteil von Apple am gesamten Media-Tablet-Markt sieht Gartner für 2011 bei 73,4 Prozent (2010: 83 Prozent). Neben Apples Betriebssystem iOS und Android von Google werde keine weitere Plattform mehr als fünf Prozent Market Share erreichen, schätzen die Experten.

"Wir gehen davon aus, dass Apple über den Prognosezeitraum Marktführer bleibt und bis 2014 auf mehr als 50 Prozent Marktanteil kommt", sagt Carolina Milanesi, Vice President bei Gartner. "Das liegt daran, dass Apple über seine Hardware, Software und Services hinweg ein überlegenes und einheitliches Nutzererlebnis bietet. Solange die Wettbewerber keinen vergleichbaren Ansatz anbieten können, ist Apples Position kaum angreifbar."

Apple habe die Weitsicht gehabt, diesen Markt aufzubauen und dabei sogar die Versorgung mit wichtigen Komponenten wie Speicher und Bildschirmen langfristig geplant und sichergestellt. Das habe es Apple erlaubt, das iPad zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis anzubieten und trotzdem keine Experience-Kompromisse bei den verschiedenen Modellen mit unterschiedlichen Speicher- und Connectivity-Optionen einzugehen.

"Die meisten Apple-Wettbewerber kämpfen damit, Apples Preise zu kontern, ohne dabei nennenswert Marge zu opfern. Bildschirmqualität und Rechenpower sind die beiden Hardware-Features, an denen Anbieter in keinem Fall sparen dürfen", befindet Robert Cozza, Principal Analyst bei Gartner. "Sie sollten alles Weitere als 'nice to have' und nicht als essentiell ansehen, um ihre Materialkosten wettbewerbsfähig zum iPad zu halten."

Für das Android-Lager erwartet Gartner heuer elf Millionen verkaufte Tablets mit zusammen dann 17,3 Prozent Marktanteil. Der Market Share werde damit gegenüber den 14,3 Prozent aus dem Vorjahr kaum steigen. Gartner hat damit seine Android-Prognose gegenüber der letzten von vor einem Quartal um 28 (!) Prozent gesenkt. Die Senkung wäre sogar noch stärker ausgefallen, wenn sich nicht zumindest in Asien billige Android-Tablets einigermaßen verkauften und es nicht die hochgesteckten Erwartungen an den Tablet-Einstieg des Online-Einzelhandelsriesen Amazon.com gäbe.

"Bislang hat der Erfolg von Android im Tablet-Markt unter hohen Preisen, der schwachen Benutzeroberfläche und der geringen Anzahl verfügbarer Tablet-Anwendungen gelitten", erläutert Analystin Milanesi. Google werde die Fragmentierung von Android über die Smartphone- und Tablet-Formfaktoren mit dem nächsten Android-Release "Ice Cream Sandwich" voraussichtlich im vierten Quartal adressieren. "Android kann auf starke Unterstützung wichtiger OEMs zählen", so Gartner-Expertin Milanesi weiter. "Es hat außerdem eine große Entwickler-Community, und sein Smartphone-App-Ökosystem ist das zweitgrößte nach Apples."

Das Betriebssystem QNX des Blackberry-Anbieters Research in Motion (RIM) hält Gartner zwar für durchaus vielversprechend, es befinde sich allerdings noch in einem frühen Entwicklugnsstadium. RIM stehe nun vor dem Problem, genügend Entwickler für seine Plattform zu gewinnen, und das ausgerechnet in einer für das Unternehmen ohnehin schweren Zeit mit Druck auf das Smartphone-Kerngeschäft.

Ordentlich Rummel gebe es nach den Demos von der Build-Konferenz derzeit um Microsofts Windows 8. Der könnte sich aber als kurzlebig erweisen, vermutet Gartner, falls Microsoft Versuch, das nächste Windows über möglichst viele Gerätekategorien hinweg einzusetzen, zu Lasten der Usability gehe. Außerdem komme Windows 8 sehr spät auf den Tablet-Markt, Apple und Android würden dann bereits noch stärker etabliert sein als sie es ohnehin jetzt schon sind.

Und allen Anbietern, die 2012 neu in den Tablet-Markt einsteigen wollen, gibt Gartner den Ratschlag mit auf den Weg, eine reiche User Experience auf Basis eine engen Verbindung zwischen Smartphones und Tablets, eine ordentliche Auswahl an Apps, eine intuitive Benutzeroberfläche und die Möglichkeit anzubieten, Inhalte einfach zwischen Geräten auszutauschen.