Freiberufler sind frustriert über eingefrorene Budgets

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Immer mehr IT-Selbständige sitzen auf dem Sofa statt vor dem PC: Sie müssen länger auf den nächsten Auftrag warten.

Laut aktuellem Marktmonitor der Hamburger Projektbörse Projektwerk ist der Bedarf an IT-Freiberuflern weiter gesunken. Erstmals sind auch die so begehrten SAP-Experten betroffen: Nach einem guten Jahresauftakt für SAP-Projekte, der sich mit saisonal bedingter Nachfrage erklären lässt, fiel die Zahl der bei Projektwerk ausgeschriebenen Projekte für SAP-Experten von März auf April um etwa 30 Prozent.

SAP-Berater Michael Blankertz aus Raubling berät seit über 15 Jahren vorwiegend mittelständische Firmen und erklärt den Rückgang: "Die Unternehmen denken zu kurzfristig. Viele Projekte, die Entwicklungsaufwand mit sich bringen, werden im Moment gestoppt. Auch werden vielfach Aufgaben an interne Kräfte übertragen, die diese dann irgendwie, aber sicher nicht wie ein versierter SAP-Mann lösen."

Softwaretester auf dem Sofa

Auch der selbständige Softwaretester Frank Witte spürt die sinkende Nachfrage: "Trotz bester Referenzen und bundes- beziehungsweise europaweiter Mobilität sitzen freiberufliche Spezialisten mit langjähriger Erfahrung und Wissen zu Hause auf dem Sofa." In Wittes Augen müssten sich die Unternehmen antizyklisch verhalten, da derzeit viele Freiberufler zu günstigeren Konditionen zu haben sind: "Warum werden jetzt keine langfristigen Verträge gemacht, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen? Warum werden nicht strategische Projekte, für die sonst viel zu wenig Zeit ist, jetzt angegangen, um Prozesse zu optimieren, die Qualität zu erhöhen und dadurch langfristig auch Kosten zu sparen?"

Auch SAP-Berater Blankertz appelliert an die Firmen, jetzt Projekte zu starten und die günstigen Konditionen zu nützen: "Die Arbeit ist ja da, wird aber im Moment verschoben, und die Projekte türmen sich immer weiter zu Riesenbergen auf."

Und was machen jetzt Freiberufler, die keine Projekte haben? IT-Profi Frank Müller hat da ein eigenes Rezept gefunden, wie er auf www.projektwerk.de verrät: "Ich fahre erst einmal sechs Wochen nach Asien und lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen. Dann werde ich noch eine Zertifizierung machen. Nach dieser Phase bin ich dann pleite, aber dann sollte doch auch der Markt hoffentlich so langsam wieder kommen. Falls nicht, bleibt ja immer noch dank freiwilliger Arbeitslosenversicherung die Meldung der Arbeitslosigkeit und die Beantragung eines Gründerzuschusses."