Freiberufler fordern höhere Honorare

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
IT-Freelancer verlangen durchschnittlich 71 Euro die Stunde, SAP-Berater mit Spezialwissen 110 Euro und mehr.

Die Nachfrage stimmt, also soll auch der Preis angemessen sein: Seit drei Jahren schrauben selbständige IT-Profis ihre Honorarforderungen immer höher - von durchschnittlich 64 Euro im August 2004 auf mittlerweile 71 Euro. Das ergab eine aktuelle Studie des Projektportals Gulp, das die Stundensatzforderungen

von mehr als 65 000 Freiberuflern auswertete. Auffällig dabei: Es gibt immer weniger Freelancer, die mit weniger als 70 Euro in der Stunde zufrieden sind. Zugleich setzen bereits viele IT-Spezialisten für sich einen Stundensatz von 110 Euro und mehr an. "Dazu gehören SAP-Berater mit Spezialwissen und entsprechender Erfahrung oder Projektleiter und -Manager", erläutert Stefan Symanek von Gulp. So sei das SAP-Modul Financial New GL sehr gefragt, darauf spezialisierte Berater würden hoch bezahlt.

Aber auch die freien Softwareentwickler scheinen sich ihres Wertes neu bewusst zu sein. Laut Gulp forderten die Entwickler, die die größte Gruppe unter den Freiberuflern stellen, in den Jahren 2004 und 2005 konstant 60 Euro die Stunde. Dann erhöhten sie ihre Forderungen kontinuierlich, binnen der vergangenen sechs Monate sogar um drei Euro auf durchschnittlich 66 Euro. Damit nähern sie sich den IT-Trainern (68 Euro) an und vergrößern den Abstand zu den IT-Administratoren (56 Euro), die traditionell das Schlusslicht bilden. Am meisten können immer noch IT-Berater (75 Euro) und IT-Projektleiter (78 Euro) verlangen.

Ältere IT-Profis bevorzugt

Die Preisvorstellungen der Freiberufler sind jedoch nur die Basis für die Verhandlung mit den Projektanbietern, "die später tatsächlich vereinbarten Sätze variieren durchaus", sagt Symanek. Die Studie, die auch die Anfragen der Projektanbieter auswertet, zeigt, dass sich Freiberufler und Projektanbieter in ihren Preisvorstellungen annähern. Der Gulp-Manager: "Die Spanne wird immer geringer. Die Projektanbieter sind preisbewusst und kontaktieren nicht mehr so häufig teure Freiberufler, wie sie es früher getan haben." Dies gelte insbesondere dann, wenn die Relation zwischen Berufserfahrung und Preis nicht stimme. So sind Projektanbieter nicht mehr bereit, Freiberuflern unter 30 Jahren und mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung Stundensätze von 60 Euro und mehr zu bezahlen. Dabei haben gerade die jüngeren Freiberufler zuletzt ihre Honorarwünsche deutlich erhöht: Die unter 30-Jährigen sehen sich bei durchschnittlich 58 Euro in der Stunde, was einem Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zum Februar entspricht. Gleichzeitig richten sich immer weniger der Projektanfragen an junge Freiberufler, zwei Drittel der Angebote gehen an IT-Profis, die 40 Jahre und älter sind.

Kleine Preise im Osten

Außer Kenntnissen und Erfahrung entscheidet vor allem die Region über die Verdienstchancen eines Freiberuflers. Wer im Osten der Republik wohnt, muss sich mit weniger Projektanfragen und kleineren Preisen begnügen. In Leipzig und Dresden setzen selbständige IT-Profis durchschnittlich 63 Euro in der Stunde an, in Frankfurt am Main elf Euro mehr. Dazu Symanek: "München und Frankfurt am Main bleiben die Hochburgen. (am)