CIOs klagen

Freiberufler bunkern ihr Wissen

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Der externe Berater, dein Freund und Helfer? Nicht immer. Eine Studie zeigt, wo es in der Zusammenarbeit zwischen Firma und Freiberufler hakt.

IT-Freelancer sind aus dem beruflichen Alltag der Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Jede zweite Firma setzt regelmäßig Freiberufler ein und bei weiteren 25 Prozent sind sie fest in die IT-Planung integriert. Das haben der Personaldienstleister Hays und die Berlecon Research in der jüngst veröffentlichten Studie "Management und Sourcing externer IT-Spezialisten in Deutschland 2009" herausgefunden. Die Markforscher haben 70 Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeiter befragt, die in den letzten zwölf Monaten externe IT-Spezialisten im Einsatz hatten. Bevorzugt werden laut Andreas Stiehler, Direktor bei Berlecon Research, externe IT-Spezialisten für kleine, überschaubare Projekte mit geringerem Einfluss auf das Kerngeschäft.

Nachholbedarf bei Standardisierung

Beim Management der externen IT-Spezialisten spielen die IT-Leitung und die Fachbereiche die zentrale Rolle. Stiehler: "Für die Verantwortlichen ist es wichtig, die Prozesse - von der Auswahl bis hin zur Teameinbindung und der Abrechnung - in den Griff zu bekommen." Dass in puncto Management der Externen standardisierte Prozesse und feste Regelungen noch verbessert werden können, ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.

Frank Schabel von Hays fordert IT-Selbständige auf, an ihrer Beratungskompetenz zu arbeiten.
Frank Schabel von Hays fordert IT-Selbständige auf, an ihrer Beratungskompetenz zu arbeiten.

Optimierungsbedarf sehen die Befragten vor allem beim Know-how-Transfer (59 Prozent). Hays-Sprecher Frank Schabel: "Die Weitergabe von externem Wissen an die internen Kollegen muss verbessert werden."

Aber auch die externen IT-Spezialisten sollten seiner Meinung nach die Ergebnisse dieser Studie zum Anlass nehmen, Soft Skills wie Beratungskompetenz und Integrationsfähigkeit weiterzuentwickeln. Neu ist diese Forderung der Unternehmen nicht. Schließlich wurde sie in der Hays-Studie 2008 von den befragten IT-Verantwortlichen deutlich zum Ausdruck gebracht. Für Berlecon-Mann Stiehler steht fest, dass der Marktwert der Externen sogar falle, wenn sie es nicht schaffen sollten, ihr Wissen zu vermitteln.

Schulnoten für Freiberufler

Beim IT-Dienstleister Fiducia ist das Problem der mangelnden Wissensweitergabe seit längerem bekannt. Deshalb wird die Bereitschaft der Externen laut Gernot Nolte, Leiter der Anwendungsentwicklung, bereits im Vorstellungsgespräch abgefragt: "Gerade von den freiberuflichen Tekkis erwarten wir eine gewisse Extrovertiertheit. Das eigene Know-how an die internen Kollegen weiterzugeben, ist eine wichtige Voraussetzung für die Mitarbeit an einem Projekt." Nach seiner Erfahrung ist es zudem entscheidend, dass das Wissen, das bei den Externen neu aufgebaut wird, zu den internen Leuten zurücktransferiert wird. Der Fiducia-Experte: "Es gab eine Reihe von Externen, die die Wissensvermittlung nicht hinbekommen oder aber ihr Know-how vorsätzlich zurückhalten, um sich unentbehrlich zu machen."

In dem Unternehmen werden selten Freelancer eingesetzt, die als Einzelkämpfer agieren. Die meisten freien Mitarbeiter kämen von Partnern wie Systemhäusern. Mit diesen bestehen laut Nolte Rahmenverträge und Einkaufsbedingungen nach Skill-Klassen. Wenn ein Projekt beendet ist, wird bei der Fiducia über jeden Externen mit Hilfe eines Schulnoten-Systems eine Lieferantenbewertung vorgenommen.

Weiteres Optimierungspotenzial

Optimierungspotenzial beim Wissens-Transfer sieht auch Jürgen Burger, CIO bei Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co KG. Genau wie sein Kollege Nolte hält er die Persönlichkeit des Freelancers in diesem Punkt für entscheidend. Burger: "Natürlich bemühen auch wir uns, Externe zu rekrutieren, die unsere Mitarbeiter weiterbilden. Wenn ein Freelancer sein Know-how aber lieber für sich behält, geben wir ihm einen internen Kollegen zur Seite, der das Wissen dediziert abfragt. Das klappt immer."

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