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Freenet will mit Strato Firmenkunden gewinnen

14.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Kauf von Strato ist auch darin begründet, mit Firmenkunden besser ins Geschäft zu kommen, erläuterte Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. So möchte er kleinen bis mittelständischen Unternehmen Komplettangebote für ihre Internet-Aktivitäten unterbreiten, bestehend aus:

- Web-Hosting;

- Internet-Zugängen via DSL;

- VPN-Dienste für sichere Standortanbindung;

- E-Mail-Postfächer und

- IP-Telefonie.

Freenet hat zwar DSL-Angebote für Geschäftskunden im Programm, doch der Vermarktungserfolg wollte sich nicht so recht einstellen. Strato dagegen hostet Web-Präsenzen sowohl für Privatkunden als auch Firmenkunden. Allerdings war es mit der Service-Qualität der Hosting-Services in der Vergangenheit nicht immer zum Besten gestellt.

Freenets Strato-Kauf ist eine direkte Kampfansage in Richtung der 1&1 Internet AG, dem führenden deutschen Web-Hoster aus der Firmengruppe United Internet. Auf Anfrage der COMPUTERWOCHE nahm Andreas Gauger, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG, Stellung zum Freenet/Strato-Deal. "Mit dem Kauf antizipiert Freenet nach dem Einstieg in das DSL-Geschäft zum zweiten Mal den erfolgreichen Produktmix der 1&1 Internet AG, was sicherlich keine schlechte Entscheidung ist." Andererseits überrasche der Kauf einer weiteren Billigmarke insofern, da Freenet selbst im unteren Preissegment bereits gut aufgestellt war. Freenet kann laut Netcraft seinen Anteil am Web-Hosting-Markt von etwa zwei Prozent nun deutlich vergrößern und kommt künftig zusammen mit Strato auf rund 28 Prozent gegenüber einem Marktanteil der 1&1-Gruppe von über 40 Prozent. Die Herausforderung für Freenet werde sein, den zuletzt rückläufigen Trend in Sachen Marktanteil der Tect/Strato AG, der zu Beginn des vorigen Jahres noch fast 30 Prozent betrug, umzukehren.

Der Portalanbieter Web.de aus Karlsruhe kommentiert die Übernahme so: "Aus Sicht von Freenet ist die Akquisition von Strato sicher eine nachvollziehbare, strategische Entscheidung - wenngleich die bislang veröffentlichten Details nahe legen, dass es sich hier nicht um ein Schnäppchen handelt." Für die Marktsegmente in denen Web.de mit Freenet

im Wettbewerb stehe, werde der Deal eher geringe Auswirkungen haben.

Auch Thorsten Wichmann, Geschäftsführer der Berlecon Research GmbH aus Berlin, beurteilt die Transaktion aus strategischen Gesichtspunkten positiv . "Die Angebote beider Firmen ergänzen sich gut." Strato vermarkte seine Produkte unter technischen Aspekten, während Freenet eine kundenorientierte Ansprache pflege, die den Nutzen der Dienste unterstreiche. Letztere sei wichtig, um ein breiteres Publikum für das Web-Hosting von Homepages oder Weblogs zu begeistern. "Es kommt darauf an, stimmige, leicht nutzbare Web-Angebote zu bieten, bei denen die Qualität stimmt." Hier habe Strato in der Vergangenheit Probleme gehabt. (fn)