SAP, Adobe, Bosch und Bizagi

Fraunhofer testet acht BPM-Suites

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Der umfangreiche Test von acht BPM-Suites etwa von Adobe, Axon, SAP und Bosch offenbart Stärken und Schwächen der Prozess-Management-Produkte. Er zeigt zudem: Das eine, alles umfassende BPM-Tool gibt es nicht.

In Zeiten, in denen Organisationen ständig auf Veränderung reagieren müssen, gewinnt das Geschäftsprozess-Management (Business Process Management; BPM) an Bedeutung. Mit dem Einsatz von BPM-Suiten hoffen die Unternehmen eine bessere Unterstützung in der Gestaltung und Anpassung ihrer Abläufe, wenngleich ihre Wünsche nicht immer erfüllt werden (siehe: Anwender mögen ihre BPM-Tools nicht).

Möglicherweise starten sie ihre BPM-Projekte aber auch mit falschen Erwartungen, denn "die Anbieter versprechen: Modellieren - Knopfdruck - fertig. Man sollte nicht alles glauben, was einem präsentiert wird", warnt Sebastian Adam, Teamleiter für Requirements Engeneering am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE. "Es gibt im BPM-Umfeld viele Informationen, aber auch viel Mogelei."

Vor diesem Hintergrund hat das Fraunhofer IESE die Leistungsfähigkeit der BPM-Pakete analysiert. Zusammen mit dem Beratungshaus SP Consulting haben sich die Fraunhofer-Experten diverse Tools genauer angesehen und unter verschiedenen, an der Praxis angelehnten Anforderungen geprüft. Die Ergebnisse wurden in der Studie "BPM Suites 2013" veröffentlicht.


Darin betonen die Autoren, dass der Vergleich keinen eindeutigen Sieger hervorgebracht hat. Die Ergebnisse aller getesteten Tools bewegen sich in der Spanne zwischen 78 Prozent und 58 Prozent, was den so genannten Gesamterfüllungsgrad beziehungsweise das daraus resultierende Endergebnis betrifft. "Wir wollten keinen Award vergeben, weil die Tools sehr unterschiedlich sind. Es gibt kein perfektes Produkt, aber auch kein richtig schlechtes", fasst Studien-Autor Adam zusammen. Die Auswahl für oder gegen eine Lösung folge immer unterschiedlichen Kriterien: Ob etwa Kern- oder Administrationsprozesse gestaltet werden sollen, in welche Umgebung sich das Tool einfügen müsse und ob BPM- und Entwicklungs-Know-how vorhanden ist.

Bizagi: Bestes Ergebnis im Testfeld

Dennoch gibt es eine Lösung, die gegenüber den anderen hervorsticht - wenngleich sie eine etwas exotische Historie mitbringt. Die "Bizagi Enterprise Edition" geht auf das Unternehmen Visionsoftware zurück, das im Jahr 1989 in Bogota, Kolumbien, gegründet wurde. Heute hat das Unternehmen Bizagi seinen Hauptsitz in Amersham bei London. Das Tool erreichte im Test mit 77,9 Prozent den besten Gesamterfüllungsgrad. "Es hat uns sehr gut gefallen", lobt der Fraunhofer-Experte Adam.

Getestet wurden folgende Produkte:

Der Quadrant stellt die Ergebnisse dar, die die getesteten Tools in den Bewertungskategorien Komfort und Mächtigkeit erzielt haben. Die"Bizagi Enterprise Edition" kann sich ein wenig absetzen, doch insgesamt liegen die BPM-Lösungen recht nah zusammen.
Der Quadrant stellt die Ergebnisse dar, die die getesteten Tools in den Bewertungskategorien Komfort und Mächtigkeit erzielt haben. Die"Bizagi Enterprise Edition" kann sich ein wenig absetzen, doch insgesamt liegen die BPM-Lösungen recht nah zusammen.
Foto: Fraunhofer IESE

Das Starterfeld spiegelt damit nicht die aktuelle Marktlage wieder, weil bedeutende Lösungen etwa von IBM, Tibco und der Software AG fehlen. Gerne hätten die Tester eigenen Angaben zufolge mehr Pakete ins Labor geschickt. 55 BPM-Anbieter mit Vertriebsniederlassung in Deutschland wurden teils mehrfach angeschrieben, 20 von ihnen regierten, von denen wiederum 15 Hersteller konkretes Interesse bekundeten, am Vergleich teilzunehmen. An den Start gingen letztlich neun Anbieter, von denen wiederum ein Hersteller seine Ergebnisse nicht veröffentlichen wollte. Daher listet die Studie zuletzt acht verglichene Produkte auf. Man werde die Erhebung wiederholen, versprachen die Macher von Fraunhofer, dann hoffentlich mit deutlich mehr Anbietern im Testfeld.

Die Bewertungskategorien

Ziel des Vergleichs war es, die Funktionsvielfalt und den Komfort der Softwarepakete aus Sicht eines BPM-Experten und -Nutzers zu bewerten. Dabei haben die Tester keine Gegenüberstellung der jeweiligen Tools angestrebt. Sie wollten vor allem die Stärken und Schwächen in diversen Kategorien herausarbeiten, um Interessenten, die vor der Anschaffung eines BPM-Tools stehen, die Entscheidung zu vereinfachen. Voraussetzung dafür ist, dass die Anwender zumindest Klarheit über ihre eigenen Wünsche und Anforderungen haben. So gewappnet kann die Studie eine Vorauswahl bieten.

Dazu haben Fraunhofer IESE und SP Consulting insgesamt 146 zu bewertende Anforderungen definiert, die sie in folgende elf Kategorien konsolidiert haben:

  • Prozessmodellierung,

  • Prozessumsetzung,

  • Integration von Systemen,

  • Prozessausführung,

  • Laufzeit-Management,

  • Prozess-Controlling,

  • BPM-Governance,

  • Querschnittliche Qualität (Robustheit, Internationalität etc.),

  • Administration,

  • Setup und

  • Entwicklungsbasis (zum Erstellen eigener Lösungen).

Jedem teilnehmenden Anbieter wurde ein Testscript mit 134 Testschritten und 24 ergänzenden Fragen zugeschickt. In einem eintägigen Workshop musste jeder Hersteller sein Tool präsentieren und unter anderem einen einheitlichen Beispielsprozess und ein definiertes Änderungsszenario durchspielen. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter sowie zwei BPM-Praktiker haben jede Präsentation verfolgt und bewertet, fallweise kamen weitere Teilnehmer aus Wissenschaft und Industrie hinzu. Im Schnitt wurden sechs Bewertungen unabhängig voneinander abgegeben. (Die vollständigen Ergebnisse beziehungsweise die komplette BPM-Studie finden Sie auf hier)