Frauen verkaufen sich unter Wert

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz, unternehmensinterne Hürden und zu wenig Selbstbewusstsein sind die Hauptgründe für die geringe Anzahl an weiblichen Führungskräften in deutschen Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles.

Befragt wurden mehr als 200 Manager der oberen Führungsebene, der Anteil der weiblichen Führungskräfte lag bei vier Prozent. Rund 47 Prozent der Befragten sehen in den gesellschaftlichen Vorbehalten gegenüber Karrierefrauen einen maßgeblichen Grund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen.

Dass Frauen die gläserne Decke in den Unternehmen nicht durchbrechen könnten, geben knapp 40 Prozent an. Immerhin 38 Prozent der Befragten sind aber überzeugt, Frauen würden sich durch mangelndes Selbstbewusstsein selbst im Weg stehen, und mehr als 40 Prozent bejahen sogar die These, Frauen verkauften sich unter Wert.

Eine staatlich verordnete Gleichberechtigung stößt auf breite Ablehnung. Gegen Förderprogramme zur Chancengleichheit sprechen sich fast 85 Prozent der Befragten aus. Auch gezieltes Mentoring für Frauen sehen knapp 50 Prozent nur als bedingt geeignet an, um Frauen den Karriereweg zu ebnen.

Ein überraschendes Ergebnis liefert die Umfrage bei der Bewertung der Attraktivität als Karrierefaktor. Mehr als 30 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Attraktivität bei Männern von hoher (15,5 Prozent) beziehungsweise sehr hoher (16,9 Prozent) Bedeutung für den Aufstieg ist. Bei Frauen spielt Attraktivität zwar insgesamt eine wichtigere Rolle, doch nur 1,4 Prozent schätzen weibliche Attraktivität als sehr hohen Karrierefaktor ein. "Die Attraktivitätsfrage wird im Hinblick auf Frauen jedoch als sehr zweischneidiges Thema empfunden und bedient durchaus die üblichen Klischees", so Barbara Hartmann, Partnerin bei Heidrick & Struggles.

Denn während über 80 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass schönen Männern keine Nachteile aus ihrer Optik entstehen, glauben fast 30 Prozent, dass attraktive Frauen mit Neid von Kolleginnen zu kämpfen haben. Über 30 Prozent gehen sogar davon aus, dass attraktive Frauen eher Gefahr laufen, für inkompetent gehalten zu werden.