Nachgefragt

Frauen sollten Männer unterstützen

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Diane BRYANT ist CIO der Intel Corp. Sie hat geschafft, was nur wenigen Frauen gelingt - einen Top-Managementposten in der von Männern dominierten Arbeitswelt erobert zu haben. Trotzdem fordert sie, dass Frauen Männer bei einem neuen Rollenverständnis unterstützen sollten.

CW: Wie schaffen Sie es, Ihre berufliche Karriere und Ihr Privatleben zu organisieren? Es wird ja oft über die Doppelbelastung von berufstätigen Frauen gesprochen. Mussten Sie Ihr Privatleben Ihrer Karriere opfern?

Diane Bryant, CIO von Intel, hält einen Westmere-Wafer mit der Strukturbreite 32 Nanometer in Händen. Die einzelnen Dies haben jeweils sechs Kerne. Das sind Intels künftige Xeon- und Highend-Desktop-Prozessoren.
Diane Bryant, CIO von Intel, hält einen Westmere-Wafer mit der Strukturbreite 32 Nanometer in Händen. Die einzelnen Dies haben jeweils sechs Kerne. Das sind Intels künftige Xeon- und Highend-Desktop-Prozessoren.

BRYANT (lacht): Frauen tendieren mehr als Männer dazu, ein Leben führen zu wollen, das viele Facetten hat. Frauen lieben es, sowohl Mutter als auch Schwester, Nachbarin und Berufstätige zu sein. Für mich gilt das auf alle Fälle. Ich liebe meine zwei Kinder, die jetzt elf und dreizehn Jahre alt sind, also noch jung und zuwendungsbedürftig. Ich würde sie niemals für irgendetwas opfern. Aber ich liebe auch meine Karriere. Ich liebe meinen Beruf. Ich bin allerdings auch bereit, einen entsprechenden Einsatz dafür zu leisten - und es ist definitiv ein Einsatz, wenn Sie beide Dinge unter einen Hut bringen wollen. Das ist kompliziert. Männer hingegen ziehen ein Leben nach dem Motto vor: "Ich bin mein Beruf."

CW: Einerseits. Andererseits stecken Männer heute in einem Rollenmuster und trauen sich nicht zu sagen, dass ihnen ihr Privatleben auch wichtig ist.

BRYANT: Da ändert sich aber einiges. Früher wäre es undenkbar gewesen, dass ein Mann sagt: "Ich kann das Meeting nicht wahrnehmen, weil ich meinen Sohn zum Fußballspielen bringen muss." Heute geht es schon viel befreiter zu. Und Frauen sollten Männer dabei unterstützen, sich in solch einer Rolle sehen zu dürfen. Es sollte gesellschaftlich opportun sein, auch als Mann zu sagen: "Ich muss heute zum Elternabend in die Schule gehen."

CW: Übrigens hat der Tag auch für Sie nur 24 Stunden.

BRYANT: Ja, klar. Unglücklicherweise brauche ich viel Schlaf - acht Stunden. Ich benötige in der Früh eine Stunde, um fertig zu werden und eine weitere Stunde, um zur und von der Arbeit zu fahren. In der Regel arbeite ich von morgens sieben Uhr bis abends sieben Uhr - zwölf Stunden. So, jetzt können Sie sich ausrechnen, wie viel Zeit ich für meine Kinder habe. Das Wochenende gehört den Kindern. Das Leben ist also durchaus kompliziert. Und zugegeben: diese Aufgabenteilung stellt ein großes Investment dar. Ich denke, viele Frauen sind nicht bereit, diese Investition zu tätigen.

CW: Uns hat einmal der Personalchef einer großen deutschen Bank gesagt, dass die absoluten Top-Manager charakterlich zu hinterfragen sind, weil es ihnen nur noch darum geht, Macht anzuhäufen und Macht auszuüben. Was sagen Sie dazu?

BRYANT: Hm, interessantes Interview. (lacht) Glücklicherweise gibt es immer mehr Frauen auch in CEO-Positionen. Und ich denke, sie beweisen, dass Top-Management mehr bedeutet, als Macht auszuüben.