Vorurteil bestätigt

Frauen sind in der Technologie unterrepräsentiert

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Das Vorurteil, dass technologische Berufe eine Männer-Domäne seien, ist nun bestätigt. Nach der Women in Technology Studie der Personalberatung Harvey Nash haben wir Gewissheit: Frauen sind in der Technologie unterrepräsentiert.

Für das Stimmungsbild zum Thema "Frauen in der Technologie", welches die Women in Technology Studie darstellen möchte, wurden über 500 Teilnehmer nach Ihrer Einschätzung der Position von Frauen in ihren Unternehmen der Technologiebranche befragt. Von de Befragten waren 55 Prozent Männer und 45 Prozent Frauen.

Männer-Domäne

Zunächst fragte die Women in Technology Studie der Personalberatung Harvey Nash nach dem Anteil der Frauen in den Unternehmen. Die Antworten sprechen eine uneinheitliche Sprache: 56 Prozent der Befragten gaben an, dass der Anteil der Frauen in ihren Teams unter 15 Prozent liegt. Bei über 40 Prozent der Teilnehmer ist gerade mal jeder zehnte Kollege weiblich. Allerdings gaben gut zehn Prozent der Teilnehmer an, dass der Frauenanteil in ihrem Unternehmen bei mehr als 50 Prozent liegt.

Frauen sind in der Männer-Domäne der Technologieunternehmen noch immer eine Seltenheit.
Frauen sind in der Männer-Domäne der Technologieunternehmen noch immer eine Seltenheit.
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Aufgrund dieser Unterrepräsentation verwundert es kaum, dass nahezu 70 Prozent der befragten Frauen und knapp 60 Prozent der befragten Männer übereinstimmend der Ansicht sind, dass mehr Frauen in der Technologiebranche wünschenswert wären.

Die Frauen wurden außerdem danach befragt, weshalb der Technologiesektor für sie weniger ansprechend ist, als für Männer. 64 Prozent sind der Ansicht, dass sich Frauen von dem großen Männeranteil abschrecken lassen. Außerdem sind knapp 60 Prozent der Ansicht, dass Frauen in diesen Berufen mehr leisten müssen, um erfolgreich zu sein.

Teamwork vs. Sichtbarkeit

Es wird häufig darüber diskutiert, ob es einen grundlegenden Unterschied zwischen dem Arbeitsverhalten und der Motivation von Männern und Frauen gibt. Die Studie gibt einen Überblick darüber, welche Einflussfaktoren die beiden Geschlechter für relevant halten, wenn es um eine erfolgreiche Karriere geht. Einig sind sich Männer und Frauen dabei, dass man ein guter Teamplayer sein muss und außerdem zur guten Stimmung im Team beitragen sollte.

Unterschiedlich schätzen Frauen und Männer den Faktor der Darstellung gegenüber wichtigen Personen im Unternehmen ein. Gut 57 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass man Vorgesetzten oder einflussreicheren Kollegen deutlich zeigen sollte, dass man seinen Job erfolgreich ausübt. Männer halten dieses Vorgehen für weniger ausschlaggebend für die erfolgreiche Karriere - 44 Prozent stimmten dieser Aussage zu.

Ein Vorurteil ist außerdem, dass Frauen ehrgeiziger sind als Männer. Zumindest in dieser Befragung halten gut 50 Prozent der Frauen als auch der Männer Ehrgeiz für ein wichtiges Kriterium für die Karriere.

(Quer)Einsteiger

Ein weiteres Ergebnis der Studie besagt, dass Männer eher direkt nach dem Studium in einem technologischen Beruf landen, Frauen dagegen zunächst in anderen Bereichen Kompetenzen erwerben. Während Dreiviertel der befragten Männer entweder direkt nach dem Studium zu ihrem jetzigen Beruf gekommen sind oder von Beginn an im Technologiesektor tätig waren, liegt der Anteil der Frauen bei 60 Prozent. Ein Anteil von 40 Prozent der befragten Frauen war also bereits in anderen Bereichen tätig, bevorzugt im Marketing, im Vertrieb oder im Operationsbereich - bei den Männern ist dies nur bei einem Viertel der Fall.

Mehr Frauen in der Technologiebranche

68 Prozent der Frauen und jeder zweite Mann sind der Ansicht, dass es mehr Frauen in der Technologiebranche geben sollte. Dahingegen ist jeweils knapp jeder zehnte der Befragten der Ansicht, dass der aktuelle Frauenanteil in ihrem Unternehmen ausreichend ist und 30 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen ist es nicht wichtig, ob sich der Frauenanteil verändert.

Gerade die Männer sehen große Vorteile in der Zusammenarbeit mit Frauen. So sind mehr als 80 Prozent der Ansicht, dass ein kreativeres und innovativeres Arbeitsumfeld durch mehr weibliche Mitarbeiter gefördert würde. 70 Prozent denkt, dass die Kommunikation von einem höheren Frauenanteil profitieren würde. Den Anstieg der technischen Kompetenz durch mehr weibliche Mitarbeiter erhoffen sich jedoch nur vierzehn Prozent.

Lichtblick - was wird getan?

Gut zehn Prozent der Befragten gab an, dass in ihrem Unternehmen der Frauenanteil bei über 50 Prozent liegt. In den Unternehmen von weiteren 13 Prozent gibt es bereits über 30 Prozent weibliche Mitarbeiter. Die heutige Arbeitswelt ist laut Florian Mann, Geschäftsführer von Kununu auf einem guten Weg. Besonders beim Thema Bezahlung gibt es allerdings noch erhebliche Unterschiede. Der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen betrug laut der Gender Pay Gap Studie von Statista in den letzten Jahren gleichbleibend 22 Prozent des durchschnittlichen Bruttostunden-Verdienstes der Männer.

Dagegen will Manuela Schwesig vorgehen. Die Familienminister möchte ein Gesetz vorantreiben, welches es allen Angestellten ermöglichen soll, sich darüber zu informieren, was Kollegen im gleichen Tätigkeitsfeld verdienen. Diese Initiative soll die im Koalitionsvertrag fixierte Entgeltgleichheit vorantreiben.

Was Frauen von Unternehmen erwarten

Auch Unternehmen können ihren Beitrag leisten, denn der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern rührt auch daher, dass gerade Mütter aufgrund der Kinder häufiger in Teilzeitjobs arbeiten, da noch nicht jedes Unternehmen die Möglichkeit des Home Office oder flexibler Arbeitszeiten in Vollzeitstellen bietet. An diesen Punkten können Unternehmen ansetzen und so die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen fördern.