Frauen in technischen Berufen benachteiligt

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Zahlreiche Werbekampagnen sollen junge Frauen für technische Studiengänge und Berufe begeistern. Verschwiegen wird dabei, dass der Arbeitsmarkt den Absolventinnen immer noch schlechtere Berufschancen bietet als ihrer männlichen Kollegen.

Noch immer sind Frauen in den Studienfächern Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Architektur und Bauingenieurwesen eine Minderheit. Eine aktuelle Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) in Nürnberg zeigt anhand von neuen Statistiken und Untersuchungen, dass die Berufsaussichten von Absolventinnen deutlich schlechter als die ihrer Studienkollegen sind.

Bei den Studienanfängerinnen nimmt das Interesse für ein Informatikstudium am deutlichsten zu.
Bei den Studienanfängerinnen nimmt das Interesse für ein Informatikstudium am deutlichsten zu.

Im Jahr 2000 lag in Deutschland der Frauenanteil unter den Absolventen in Ingenieur- und Informatikstudiengängen bei mageren 18 Prozent, in Spanien und Italien dagegen bei immerhin 27 Prozent, in Schweden und Irland bei 24 Prozent. Von den Berufstätigen mit einem akademischen Abschluss in Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Architektur/Bauingenieurwesen waren im Jahr 2000 nur 13 Prozent Frauen.

Wenig ermutigend für Studentinnen technischer Studiengänge sind die Berufsperspektiven. Sowohl beim Gehalt als auch bei den späteren Aufgaben können die Absolventinnen nicht mit ihren ehemaligen Studienkollegen mithalten. Der IAB-Bericht zeigt, dass die Führungspositionen immer noch weitgehend den Männern vorbehalten bleiben. Dagegen arbeiten doppelt so viele Frauen (44 Prozent) wie Männer nach eigenen Angaben in einer einfachen oder mittleren Position im Unternehmen, bei den höheren Führungsaufgaben sind Ingenieurinnen und Informatikerinnen so selten vertreten, dass ihr Anteil statistisch nicht relevant ist.

Informatikerinnen verdienen überdurchschnittlich gut

Das Bruttomonatseinkommen der Absolventinnen bei Vollbeschäftigung lag im Durchschnitt deutlich unter dem der Absolventen. Einzig Informatikerinnen bildeten bei den Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten eine Ausnahme. Bei den Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen dagegen erreichten nur 49 Prozent der Frauen, aber 70 Prozent der Männer fünf Jahre nach dem Examen ein Bruttojahreseinkommen von rund 35790 Euro (70000 Mark). Ein kleines Trostplaster bleibt den Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen: Im Vergleich mit Akademikerinnen anderer Studiengänge schneiden sie besser ab. Informatikerinnen verdienten im Jahr 2000 verglichen mit den anderen Naturwissenschaftlerinnen überdurchschnittlich gut.