Iliad ("Free")

Franzosen wollen Telekom-Tochter T-Mobile US übernehmen

01.08.2014
Lange dümpelte das Geschäft von T-Mobile US vor sich hin. Doch ein angriffslustiger Chef und billige Tarife haben die Telekom-Tochter zum angesagtesten Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten gemacht - und zu einem Übernahmekandidaten.

Die Deutsche Telekom könnte ihre US-Mobilfunktochter am Ende doch noch loswerden. Der aufstrebende französische Internet- und Mobilfunkanbieter Iliad bestätigte am Donnerstagabend (Ortszeit) in Paris ein Interesse an T-Mobile US (PDF-Link). Iliad ist bereit, 15 Milliarden Dollar (11,2 Milliarden Euro) für einen Anteil von 56,6 Prozent auf den Tisch zu legen. Damit würden die Franzosen die Kontrolle über T-Mobile US erlangen. Die Telekom äußerte sich am Abend auf Anfrage nicht.

Der US-Mobilfunkmarkt sei groß und attraktiv, erklärte Iliad. "T-Mobile US hat den Markt erfolgreich aufgemischt, ähnlich wie dies Iliad in Frankreich getan hat." Weil man bislang noch nicht in den USA vertreten sei, dürfte die Transaktion "keine Wettbewerbsprobleme bereiten", betonte Iliad. Im Jahr 2011 war ein Verkauf von T-Mobile US an einen der beiden amerikanischen Marktführer, AT&T, am Veto der Kartellwächter gescheitert.

John Legere, CEO von T-Mobile USA, ist für magentafarbene T-Shirts und sein loses Mundwerk bekannt.
John Legere, CEO von T-Mobile USA, ist für magentafarbene T-Shirts und sein loses Mundwerk bekannt.
Foto: T-Mobile USA

Die Telekom hält zwei Drittel an ihrer börsennotierten US-Tochter. Zuletzt war immer wieder über Verkaufsverhandlungen mit dem japanischen Kommunikationskonzern Softbank spekuliert worden, dem in den USA bereits der Mobilfunker Sprint gehört. Auch bei einem solchen Deal könnten die Wettbewerbshüter möglicherweise einschreiten.

Der lange Zeit schwächelnde Mobilfunker T-Mobile US hat ein Comeback hinter sich, was nun offenbar Begehrlichkeiten weckt. Der Anbieter war nach dem Scheitern des Verkaufs an AT&T mit dem kleineren Wettbewerber MetroPCS fusioniert, um Löcher im Netz zu stopfen. Anschließend schaffte die Telekom-Tochter die subventionierten Handykäufe ab und senkte im Gegenzug die Tarife.

Die Neuaufstellung trägt Früchte: Auch im zweiten Quartal hielt der starke Kundenzustrom an, der Umsatz stieg und am Ende verdiente das Unternehmen auch wieder Geld. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 391 Millionen Dollar (292 Mio Euro) hängen, wie T-Mobile US am Donnerstag kurz vor Bekanntwerden des Angebots der Franzosen mitgeteilt hatte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 54 Millionen Dollar angefallen. Der Umsatz verbesserte sich um 15 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar.

Das gute Abschneiden zusammen mit der Offerte ließen die Aktie um fünf Prozent auf 32,60 Dollar steigen - und damit nah an die 33 Dollar, die Iliad bietet. Der französische Konzern erklärte, sich bei "führenden internationalen Banken" bereits die nötigen Kredite für die Finanzierung des Geschäfts gesichert zu haben. Iliad ist kleiner als T-Mobile US.

"Wir sind stolz, der am schnellste wachsende Mobilfunkanbieter in Amerika zu sein", hatte T-Mobile-Chef John Legere des Morgens noch erklärt. Allein im vergangenen Quartal kamen 1,5 Millionen Kunden hinzu, 908.000 davon mit den besonders lukrativen Monatsverträgen. Damit kam die Telekom-Tochter Ende Juni auf insgesamt 50,5 Millionen Kunden. Der für seine magentafarbenen T-Shirts und sein loses Mundwerk bekannte Leger erwartet nun im Gesamtjahr bis zu 3,5 Millionen neue Vertragskunden. (dpa/tc)