Sopra und Steria

Französisches Dreamteam will Europa erobern

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Sopra und Steria, die gemeinsam 35.000 Mitarbeiter in 24 Ländern beschäftigen und zirka 3,1 Milliarden Euro jährlich umsetzen, wollen sich mit großen Anbietern wie IBM, Accenture, Atos und Capgemini messen.

Der Konsolidierungstrend am europäischen IT-Services-Markt setzt sich fort: Die französischen Branchengrößen Sopra und Steria, beide 1960 gegründet, wollen sich zusammenschließen. Im Rahmen eines freundschaftlichen Übernahmeangebots will Sopra 730 Millionen Euro oder jeweils eine eigene Aktie für vier Steria-Anteile ausloben. Am 4. April entsprach diese Offerte einem Wert von 22 Euro pro Steria-Aktie, was einem Aufschlag von 40 Prozent auf den Schlusskurs vom selben Tag entsprach. Sopra will sich somit eine Zweidrittel-Mehrheit beim Kapital und den Stimmrechten von Steria sichern.

Die offizielle Übernahmeofferte soll im Mai 2014 vorliegen, sofern nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Durch die Fusion entsteht ein Dienstleister mit zusammengenommen 3,1 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 35.000 Mitarbeitern in 24 Ländern. Die jeweiligen Geschäftsfelder und Geografien ergänzten sich, behaupten die Unternehmen. Man erwarte signifikante Umsatzsynergien und operative Kosteneinsparungen von 62 Millionen Euro pro Jahr. "Der Markt für IT-Service wandelt sich. Er könnte irgendwann veschwinden und durch ein neues Modell ersetzt werden", sagte Steria-CEO Francois Enaud anlässlich einer Telekonferenz. "Wir werden nicht länger Integratoren, sondern Kreatoren von Services sein, und dafür brauchen wir die nötigen Ressourcen."

Zusammen wollen die IT-Dienstleister aus Paris in die europäischen Topten der IT-Serviceunternehmen vorrücken.
Zusammen wollen die IT-Dienstleister aus Paris in die europäischen Topten der IT-Serviceunternehmen vorrücken.
Foto: Sopra und Steria

Enaud soll den fusionierten Konzern als CEO führen, während Pierre Pasquier, Gründer und Chairman von Sopra, wohl dem Verwaltungsrat vorsitzen wird. Die Konzerne wollen zudem je vier Direktoren in den Verwaltungsrat entsenden. Gemeinsam würden die IT-Service-Gesellschaften anfänglich etwa ein Viertel ihre Einnahmen im Lösungsgeschäft und im Bereich der Business Process Services erlösen. Dieser Anteil soll schnell wachsen. Man wolle Unternehmen im Prozess der digitalen Transformation begleiten, hieß es.

Angestrebt wird mittelfristig ein starkes organisches Wachstum auf mehr als 4 Milliarden Euro Umsatz sowie eine Steigerung der operativen Marge auf zehn Prozent. Dabei ist Sopra mit seinen 16.300 Mitarbeitern vor allem auf dem französischen Heimatmarkt gut positioniert, wo das Unternehmen über 60 Prozent seiner Erlöse erzielt. Diese betrugen im vergangenen Jahr 1,35 Milliarden Euro - gegenüber 2012 ein Plus von elf Prozent.

Der IT-Dienstleister aus Paris, der seinen Nettogewinn sogar um 28 Prozent auf 71,5 Millionen Euro steigern konnte, hatte hierzulande Ende 2013 durch die Übernahme der COR & FJA Banking Solutions GmbH Schlagzeilen gemacht. Dabei handelt es sich um einen Unternehmenszweig der ansonsten auf Lösungen für die Versicherungswirtschaft spezialisierten COR & FJA AG. Obwohl der Umsatz dieser Teilgesellschaft nur bei jährlich 23 Millionen Euro liegt, erhofft sich Sopra einen besseren Zugang zum deutschen Bankenmarkt.

Bei Sopra spielt auch das Lösungsgeschäft eine wichtige Rolle im Umsatzmix, vor allem die Bankensoftware.
Bei Sopra spielt auch das Lösungsgeschäft eine wichtige Rolle im Umsatzmix, vor allem die Bankensoftware.
Foto: Sopra und Steria

In Frankreich gehört das Banking-Business zu den wichtigsten Unternehmensbereichen: Die Tochter Sopra Banking Software erwirtschaftete 2013 Einnahmen von 247,6 Millionen Dollar (plus zehn Prozent).

Steria, das in Deutschland nach der Übernahme von Mummert Consulting im Jahre 2004 als Steria-Mummert firmiert, ist das größere Unternehmen, befindet sich aber im Vergleich zu Sopra derzeit in der schwächeren Position. Der Umsatz ging 2013 um vier Prozent auf 1,75 Milliarden Euro zurück. Im französischen Heimatmarkt musste Steria ein Minus von 5,6 Prozent verkraften, und auch in Deutschland und Großbritannien standen Rückgänge von 1,6 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent zu Buche. Lediglich in den anderen europäischen Regionen ging es bergauf. Steria erzielt mehr als 70 Prozent seiner Einnahmen außerhalb Frankreichs, hat also die größere Reichweite in Europa, insbesondere in den wichtigen Märkten Großritannien und Deutschland.

Auffällig ist die schwache Bilanz von Steria im vierten Quartal 2013 für die Regionen Deutschland, wo der Umsatz um 11,4 Prozent einbrach, und in Frankreich wo er um 8,2 Prozent zurückging.

Für die beiden Unternehmen gibt die Fusion nach Einschätzung von Analysten angesichts des Konsolidierungstrends im IT-Servicemarkt absolut Sinn. Wer hier wachsen will, braucht eine kritische Größe und eine entsprechende internationale Ausrichtung. Anbieter wie IBM, Accenture, Atos oder Capgemini sind diesbezüglich auch nach dem Zusammenschluss der beiden französischen Dienstleister besser positioniert.

Capgemini etwa setzte 2013 setzte 2013 über zehn Milliarden Euro um und beschäftigte 131.000 Mitarbeiter, davon 58.000 in Offshore-Regionen. Sopra und Steria bringen es zusammen auf 8000 Mitarbeiter in Offshore- und Nearshore-Service-Centers, davon gut 6000 in Indien.