Kommentar

Fragwürdiges Lockmittel

18.06.1999

Tivoli lockt den Mittelstand mit einer fragwürdigen Strategie. Da deckt eine eigens angefertigte Studie den Bedarf dieser Klientel nach integrierten Werkzeugen auf, offeriert wird ihnen aber nur eine abgespeckte Lösung auf Basis des mächtigen Frameworks. Da äußern die Anwender Befürchtungen ob der Komplexität der Einführung, Tivoli versucht diese mit vorgefertigten Installationsscripts zu zerstreuen. Diese Strategie läßt nur einen Schluß zu: Die IBM-Tochter will mit ihrer Suite in die mittelgroßen Unternehmen eindringen, um später die gesamte Management-Plattform einzuschleusen.

Tivolis Management-Suite mit eingeschränkter Funktionalität schafft zwar die technische Infrastruktur für eine spätere Gesamtlösung, das Kernproblem der Einführung einer integrierten Plattform beseitigt sie aber nicht. Ein solches Großprojekt erfordert viel von der Produktsauswahl losgelöste Vorarbeit, in der etwa Arbeitsabläufe analysiert, Arbeitsplätze beschrieben und einheitliche IT-Regeln definiert werden müssen. Das ist eine Herkules-Aufgabe, die den Anwendern kein Script der Welt abnehmen kann.

Tivolis Mittelstandsangebot löst also keine Probleme, sondern schafft neue. Es gibt keinen Sinn, nur um beispielsweise das Applikations-Management einzuführen, auf ein Framework-basiertes Produkt dieser Größenordnung zurückzugreifen. Wer diesen Weg wählt, riskiert den ungewollten Einstieg in ein langwieriges und teures Management-Projekt. jha