Attraktive Arbeitgeber

Fortbildung ist die beste Motivation

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Auch Mittelständler können sich als attraktive Arbeitgeber in Szene setzen. Ein IT-Dienstleister investiert viel in Weiterbildung und hat begonnen, seine Führungskräfte selbst zu entwickeln.
Der MBA-Abschluss von Christoph Bröcker wird durch seinen Arbeitgeber Zühlke Engineering tatkräftig unterstützt.
Der MBA-Abschluss von Christoph Bröcker wird durch seinen Arbeitgeber Zühlke Engineering tatkräftig unterstützt.
Foto: Zühlke

Promoviert in Informatik, Leiter eines zwölfköpfigen Teams von Softwareingenieuren und bald Besitzer eines MBA-Abschlusses: IT-Profis wie Christoph Bröcker sind am Arbeitsmarkt heiß begehrt. Doch Bröcker hat nicht vor, seinen Brötchengeber Zühlke Engineering zu verlassen. Der IT-Dienstleister, der in Deutschland 200 Mitarbeiter beschäftigt, finanzierte Bröcker ein berufsbegleitendes MBA-Studium, um ihn für künftige Führungsaufgaben fit zu machen. Der Teamleiter ist für diese Unterstützung dankbar: "Ich bin einer der wenigen Teilnehmer im MBA-Programm, die vom Arbeitgeber für die Präsenzkurse freigestellt wurden. Viele müssen dafür Urlaub nehmen - auch unbezahlten."

Talente erkennen und entwickeln

Ernst Ellmer ist in der Geschäftsleitung von Zühlke für Personal und somit auch für das Management Development Program verantwortlich.
Ernst Ellmer ist in der Geschäftsleitung von Zühlke für Personal und somit auch für das Management Development Program verantwortlich.
Foto: Zühlke

Vor zwei Jahren rief Zühlke das Management Development Program (MDP) ins Leben, um Talente zu erkennen, zu fördern und auf eine Führungsposition vorzubereiten. Jährlich schlagen alle Manager Kandidaten für das Programm vor, die sich vor einem Gremium präsentieren müssen. Pro Jahr werden fünf Kandidaten ausgewählt und deren Kompetenzen genau analysiert, bevor für jeden ein individuelles Entwicklungsprogramm zusammengestellt wird. Es ist auf ein bis drei Jahre angelegt, umfasst Trainings, Coachings durch ein Management-Mitglied oder Hands-on-Einsätze mit Führungsaufgaben. Es kann aber auch, wie im Fall von Bröcker, ein MBA-Studium sein. Alle sechs Monate besprechen Vorgesetzter und Mitarbeiter Ausbildungsinhalte und -ziele und passen sie bei Bedarf an. "Das Absolvieren des MDP ist nicht zwingend mit einer neuen Führungsposition gekoppelt", sagt Ernst Ellmer, in der Geschäftsleitung von Zühlke für Personal verantwortlich. "Es kann vorkommen, dass ein Teilnehmer schon während des Programms eine leitende Aufgabe erhält, aber auch, dass am Ende keine passende Position frei ist."

Ellmer nennt zwei Gründe, warum sich der Mittelständler eine solch aufwendige Maßnahme leistet: "Das Programm verschafft uns einen strategischen Vorteil, da wir Führungskräfte, die unsere Kultur und Werte schon kennen, schneller aufbauen können. Zudem ist es ein wichtiger Baustein, um Mitarbeiter zu motivieren und durch Weiterentwicklungs-Möglichkeiten an uns zu binden." Im diesjährigen Great-Place-to-Wettbewerb für die besten Arbeitgeber in der IT erhielt Zühlke Bestnoten in Sachen Weiterbildung und Unterstützung der Mitarbeiter. Mit einem jährlichen Ausbildungsbudget von 17 Tagen pro Mitarbeiter setzt sich der Dienstleister von so manchem Konkurrenten ab.

Diese Zeit reicht Christoph Bröcker für sein MBA-Studium nicht, zu rund 20 Tagen Präsenzunterricht kommen wöchentlich etwa 15 Stunden, die er mit Lesen, Fallstudien oder Videokonferenzen mit den anderen Teilnehmern verbringt. Er schätzt das Lernen und Arbeiten im Team, das er aus dem Wissenschaftsbetrieb nicht kannte. Auch fachlich eröffnet ihm der MBA eine neue Perspektive: "Während meiner Promotion vertiefte ich mich in ein Spezialgebiet der Informatik, der Executive MBA dagegen verschafft mir Management-Wissen und einen breiten Überblick. Ich lerne zum Beispiel zu verstehen, wie ein Controller auf die Welt schaut, ohne mich tief in die Buchhaltung einarbeiten zu müssen."

Mitarbeiter fördern und loslassen

Manche Arbeitgeber lassen sich viel einfallen, um das Wachstum ihrer Mitarbeiter zu fördern.
Manche Arbeitgeber lassen sich viel einfallen, um das Wachstum ihrer Mitarbeiter zu fördern.
Foto: Stefan Körber - Fotolia.com

Wer Talente fördern will, muss nicht nur Zeit und Geld investieren, sondern auch loslassen können. Schlägt ein Zühlke-Manager seinen besten Mitarbeiter für das Management Development Program vor, muss er damit rechnen, dass er ihn in absehbarer Zeit verlieren wird - nicht an die Konkurrenz, aber vielleicht an eine andere Business Unit, die einen Leiter braucht. Teamleiter Bröcker schlug selbst schon einen Mitarbeiter für das Programm vor, der danach prompt eine Führungsposition erhielt. Bröcker hat damit kein Problem, er arbeitet mit dem Kollegen weiter gut zusammen, wenn auch auf anderer Ebene. Und wer weiß, welche neue Position Bröcker nach Abschluss des MBA bekleiden wird?