Fortbildung bewerten, um sie zu verbessern

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Weiterbildung ist wichtig. Darüber sind sich alle einig. Doch mit dem bloßen Besuch einer Fortbildung oder der Nutzung eines E-Learning-Angebots ist es nicht getan, schließlich soll der Mitarbeiter seine neu erworbenen Kenntnisse möglichst gewinnbringend im Arbeitsalltag anwenden können. Die COMPUTERWOCHE wollte wissen, in welchem Umfang und mit welchen Methoden Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen bewerten

Was hat der Kurs dem Mitarbeiter und dem Unternehmen gebracht? Diese Frage wird vielleicht öfters gestellt, aber bislang nur in jedem fünften Unternehmen tatsächlich überprüft. Allerdings zeichnet sich ein Trend zur systematischen Bildungsplanung ab: 28 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, künftig Bildungscontrolling einführen zu wollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Studie, die das Kölner Beratungsunternehmen Experteam AG im Auftrag der CW umsetzte. Knapp 80 Befragte gaben von Juni bis August Auskunft darüber, wie Weiterbildung in ihren Unternehmen organisiert wird.

Demnach verfügen zurzeit zwar noch die wenigsten Firmen über ein ausgereiftes System, um die Weiterbildungsmaßnahmen zu kontrollieren, allerdings setzen schon viele einzelne Elemente eines Bildungscontrollings ein: So ermitteln 61 Prozent mindestens teilweise, ob ein Bedarf an Trainingsveranstaltungen besteht. Meist geschieht das im Rahmen von Mitarbeiter- und Personalentwicklungsgesprächen. Im Vordergrund der Bedarfsanalyse stehen die Auswahl der Schulungsthemen und der Teilnehmer. Auch ein Abgleich zwischen Soll- und Ist-Qualifikation der betroffenen Mitarbeiter ist weit verbreitet (54 Prozent).

Die Inhalte sind entscheidend

Nach welchen Kriterien Weiterbildung in den Unternehmen bewertet wird.
Nach welchen Kriterien Weiterbildung in den Unternehmen bewertet wird.

Ein systematisches Skill-Management oder Human-Resource-Management existiert bisher nur bei 23 Prozent der Befragten, allerdings will das künftig nahezu jedes dritte Unternehmen einführen. Eine jährliche Weiterbildungsplanung will sich in Zukunft sogar jede zweite Firma zulegen. Im Unterschied zur allgemeinen Weiterbildung sehen die Befragten bei E-Learning-Programmen noch mehr Anlass, den tatsächlichen Bedarf künftig zu ermitteln. Im Zentrum steht die Frage, ob sich die Inhalte für Online-Lernen eignen. Prinzipiell machen 90 Prozent der Befragten die Form der Weiterbildung von den Inhalten abhängig. Die häufigsten Themen der Schulungen sind Anwendersoftware wie Microsoft Office oder Lotus, allgemeine IT-Themen, Führungskräftetraining und Soft Skills.

Die Lernsoftware unterziehen bereits 60 Prozent der Unternehmen, die E-Learning einsetzen, einer Qualitätsanalyse. Jedes zweite von ihnen legt sogar Wert darauf, dass die Software durch unabhängige Institute zertifiziert wird. "Dieser Wert ist erstaunlich hoch, da momentan kaum allgemeingültige Standards verbreitet sind“, sagt Franziska Zeitler, leitende Beraterin bei Experteam. „Allerdings bestätigen diese Ergebnisse, dass es notwendig ist, die Gütekriterien zu vereinheitlichen, da für Unternehmen solche Qualitätssiegel durchaus wichtig sind.“

Die Qualität von E-Learning-Programmen machen die Befragten weniger an Design oder der multimedialen Aufbereitung der Inhalte fest als vielmehr an der Didaktik, den Inhalten und den Möglichkeiten zur Interaktion. „Das bestätigt den allgemeinen E-Learning-Trend, dass Didaktik wichtiger als Technik ist“, so Zeitler . Eine Erkenntnis, die sich erst in jüngster Zeit durchzusetzen beginnt, nachdem Online-Lernen in den Anfangsjahren immer nur auf die technischen Möglichkeiten reduziert worden war.

Lernerfolg wird kaum überprüft

Während viele Unternehmen den Bedarf und bei E-Learning auch die Qualität der Weiterbildungsmaßnahmen analysieren, überprüfen über 30 Prozent den tatsächlichen Lernerfolg überhaupt nicht. Nur knapp 39 Prozent der Befragten testen den Erfolg oder befragen die Mitarbeiter, ob sie das Gelernte auch in ihrem Berufsalltag umsetzen können. Unter den restlichen Befragten findet eine solche Überprüfung nur teilweise statt. Bei E-Learning-Programmen sind Abschlussprüfungen (69 Prozent) weiter verbreitet als bei der allgemeinen Weiterbildung (49 Prozent). Auch Zwischentests, mit Hilfe derer die Teilnehmer ihren Lernerfolg messen können, werden bei Web based Trainings häufig angewendet. Auf die Testergebnisse haben in den meisten Fällen die Teilnehmer und Trainer Zugriff, seltener die Personalabteilung oder Bildungsbeauftragte (35 Prozent). Ein Vorgehen, das jedoch nicht unumstritten ist.

Die Zufriedenheit der Teilnehmer ist neben der Qualität der Inhalte und der Dozenten das entscheidende Kriterium, nach dem Schulungen bewertet werden, was immerhin knapp 50 Pro-zent der befragten Unternehmen bereits mehr oder weniger regelmäßig tun. Bislang geben jedoch nur 20 Prozent den Teilnehmern objektive Kriterien wie Lernerfolg, Zeitaufwand oder Kosten an die Hand, um die Fortbildung beurteilen zu können. „In Zukunft will aber ein Drittel der Firmen den Nutzen durch objektive Kriterien messen lassen, was ebenfalls für einen Trend hin zu einer systematischeren Bildungsorganisation spricht“, sagt Zeitler.

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