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Forscher verknüpfen Chip mit Nervenzellen

29.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - William Gibsons "Neuromancer"-Visionen auf dem Weg zu Realität: Wissenschaftler vom Max-Plack-Institut für Biochemie in Martinsried bei München ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, ein Netz aus lebenden Nervenzellen mit einem Computerchip so zu verbinden, dass elektrische Impulse zwischen den Komponenten übertragen werden können. Wie die Forscher Peter Fromherz und Günther Zeck in der aktuellen Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, wurden für das Experiment die Nervenzellen einer Wasserschnecke verwendet. Diese seien auf einen Silikon-Chip verpflanzt worden und dort zu einem Nervennetz zusammengewachsen. Wurden die Zellen durch einen elektrischen Spannung aus dem Chip angeregt, wandelten sie den Impuls in neuronale Signale um. Diese leiteten sie im Nervennetz weiter, bis sie am Ende wieder bei dem Chip ankamen und

dort registriert wurden.

Das Experiment habe gezeigt, dass die Reizübertragung von einem neuronalen Netz auf einen Siliziumchip funktioniert, sagte Fromherz und bezeichnete das Ergebnis als einen "Quantensprung in unserer bisherigen Forschung." In Zukunft könnte das Verfahren für die Entwicklung von neuartigen Zellprothesen, etwa zur Steuerung des Seh- und Hörvermögens oder auch zur Verbesserung der Gehirnleistung, verwendet werden. Bis zur technischen Anwendung derartig komplexer Neuronennetze zwischen biologischen Zellen und Computerelektronik sei aber noch ein weiter Weg, so Fromherz.