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Forrester: Web-Services sind teurer als behauptet

28.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf Basis einer Befragung von 70 europäischen Führungskräften im vergangenen April gehen die Analysten von Forrester davon aus, dass Unternehmen für die Implementierung strategischer Web-Services im kommenden Jahr mit 2,5 Millionen deutlich mehr ausgeben müssen als die von Herstellern beworbenen 200.000 Euro.

Derzeit investieren Unternehmen Forrester zufolge nur verhalten in Web-Services, bereits im kommenden Jahr sollen die Ausgaben aber deutlich steigen. Derzeit geben zwei Drittel der Befragten weniger als ein Prozent ihres IT-Budgets für Web-Services aus oder kennen ihre Kosten in diesem Bereich gar nicht. 84 Prozent der befragten Führungskräfte planen für 2003 eine Erhöhung. Knapp 60 Prozent wollen Web-Services im kommenden Jahr für die interne Integration nutzen. Immerhin 54 Prozent wollen Web-Services anderer Firmen in Anspruch nehmen oder selbst extern anbieten. Primäre Einsatzbereiche sind demnach CRM (57 Prozent), E-Procurement (49 Prozent) und Vertrieb (47 Prozent).

66 Prozent der von Forrester befragten Manager sind überzeugt, das Web-Services bis 2004 eine Umgestaltung der Unternehmensprozesse bewirken werden. Sie seien sich aber auch der Grenzen der neuen Technik durchaus bewusst. Öffentliche Schnittstellen für Backend-Anwendungen sei vielen IT-Führungskräften unheimlich, sie sähen Sicherheit als das größte Hindernis bei der Benutzung von Web-Services. 40 Prozent gehen davon aus, dass Projekte aufgrund der Unerfahrenheit mit der neuen Technik nicht genehmigt werden, 36 Prozent sehen ihre Vorhaben durch Geldmangel oder nicht ausgereifte Technik gefährdet.

Forrester warnt in Sachen Web-Services vor zu großer Euphorie. Zwar ermögliche der Einsatz der neuen Technik die Wertschöpfung aus früheren Software-Investitionen (wenn etwa die Lizenzierung eines mindestens 350.000 Euro teuren Integrations-Servers wegfalle, die Implementierungskosten seien aber beachtlich. Die wahren Kosten für strategische Web-Services-Projekte betragen den Auguren zufolge durch Beratungs- und Arbeitszeitkosten schnell das Zehnfache der Projekte in der Startphase.

Analyst David Metcalfe glaubt dennoch, dass sich die Technik durchsetzt: "Ab 2004 werden Unternehmen Web-Services bei allen IT-Projekten einsetzen und nicht nur für taktische Korrekturen. Die Integrationskosten werden erheblich sinken, Projektkosten für strategische Implementierungen werden jedoch weiterhin hoch bleiben, während Führungskräfte noch mit der Gestaltung von Unternehmensprozessen und zeitlicher Optimierung zu kämpfen haben", erläutert der Forrester-Mann. (tc)