Personalprofi macht Mut

Formale Qualifikationen sind nicht entscheidend

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Jeder Bewerber kann sein wahres Potenzial nur dann zur Geltung bringen, wenn er dazu die Chance erhält – da sind Noten unwichtig. Davon ist Jens Schulte, Personal-Manager beim Münchner Hightech-Unternehmen Rohde & Schwarz überzeugt, wie er einem CW-Nutzer im Karriereratgeber antwortet.

Ein wechselwilliger Young Professional möchte wissen, nach welchen Kriterien sich ein Unternehmen für einen Kandidaten entscheidet, ob zum Beispiel Studiendauer, Noten oder erste berufliche Erfahrungen die wichtigste Rolle spielen. Er fragt: "Wen würden Sie einstellen, wenn Sie die Wahl zwischen diesen fünf Profilen hätten?", und stellt folgende Optionen zur Auswahl:

Profil 1: Uni-Bachelor Informatik, Note drei, Studiendauer sieben Semester, drei Jahre Werkstudent im Informatikbereich.

Profil 2: Uni-Bachelor Informatik, Note 1,7, Studiendauer zehn Semester, keine Erfahrung.

Profil 3: Uni-Bachelor Informatik, Note 2.3, Studiendauer neun Semester, 1,5 Jahre Werkstudent im Informatikbereich.

Profil 4: FH-Bachelor Informatik, Note 2,7, Studiendauer acht Semester, ein Jahr Werkstudent im Informatikbereich.

Profil 5: FH-Bachelor Informatik, Note 1,3, Studiendauer neun Semester, ein halbes Jahr Werkstudent im Informatikbereich.

Einsteiger sollen offen für Neues sein

Jens Schulte, Personal-Manager beim Münchner Hightech-Unternehmen Rohde & Schwarz, gibt Auskunft: "Häufig spielen in der Praxis noch viele andere fachliche Faktoren eine Rolle. So achten wir bei­spielsweise auf die Form, Vollständigkeit und Ausführlichkeit von Bewerbungsunterlagen. Auch Studienschwerpunkte und das Thema der Abschlussarbeit können wichtig bei der Erstbewertung sein.

Jens Schulte, Rohde und Schwarz, ist bei Jobeinsteigern unter anderem die Offenheit für Neues, Lust auf Herausforderungen und Eigenverantowrtung wichtig.
Jens Schulte, Rohde und Schwarz, ist bei Jobeinsteigern unter anderem die Offenheit für Neues, Lust auf Herausforderungen und Eigenverantowrtung wichtig.
Foto: Rohde & Schwarz

Ferner sind Bewerbungen nicht nur anhand von formalen Qualitäten zu beurteilen. Vielmehr kommt es darauf an, welche persönlichen Kompetenzen und Eigenschaften das im Studium erlangte fachliche Know-how ergänzen. Zum Beispiel ist es uns wichtig, dass Jobeinsteiger offen für Neues sind, Lust auf Herausforderungen haben und bereit sind, ­Eigenverantwortung zu übernehmen.

Wir achten auch darauf, ob Bewerber über kreatives und unternehmerisches Denken sowie Teambereitschaft verfügen. All diese Eigenschaften sehen wir unabhängig davon, ob jemand sein Studium mit 1,7 oder 2 abgeschlossen hat oder ob er ein Jahr oder drei Jahre als Werkstudent tätig war. Wir wissen, dass jemand sein wahres Potenzial nur dann zeigen kann, wenn man ihm die Chance dazu gibt.

Ob FH oder Universität? Uns kommt es darauf an, wie praxisnah das Studium gestaltet wurde und wie viel berufliche Erfahrung der Bewerber bereits mitbringt. Denn sicher ist es von Vorteil, wenn man vor dem Jobeinstieg erste Erfahrungen durch Praktika oder Werkstudententätigkeiten sammeln konnte.

Langes Bewerbungsverfahren

Nicht zuletzt kommt es darauf an, dass potenzielle Mitarbeiter zur Philosophie und Wertekultur eines Unternehmens passen - ebenso in das jeweilige Team. Schließlich wird eine mögliche Zusammenarbeit immer langfristig angelegt. Gleichzeitig sollen auch Bewerber entscheiden können, ob sie den Einstieg in das Unternehmen möchten, und sich fragen, ob ihnen dort die richtigen Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden. Um diese Schnittmenge bestmöglich abzuklären, ist bei Rohde & Schwarz ein größerer Personenkreis in das Bewerbungsverfahren eingebunden.

Übrigens spricht für uns auch nichts gegen die Einstellung von Bewerbern mit Brüchen im Lebenslauf. Gerade junge Leute erfahren vielleicht erst durch eine längere Reise beziehungsweise eine Auszeit in ihrem Ausbildungsweg, in welche berufliche Richtung sie später gehen möchten. Dabei sammeln sie Lebenserfahrung und erweitern ihren Horizont."

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