Finanzierung von IT-Firmen

Förderinstrumente - Durchblick im Dschungel

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Welches finanzielle Förderinstrument am besten zu welchem Unternehmen passt, erläutert Dr. Bernhard Schmid.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit E-, Bundes- und Landesmitteln Innovationsprojekte vorantreiben können - auch ohne die Budgets der Großunternehmen.

Da die Hausbanken im Zuge der Finanzkrise insgesamt restriktiver agieren und Venture-Capital-Anbieter (VCs) sehr selektiv vorgehen, werden Fördermittel zunehmend attraktiv, wenngleich auch hier die Krisen der vergangenen Jahren Spuren hinterlassen haben. Sichtbares Beispiel ist die Fusion von DtA und KfW zur KfW Mittelstandsbank beziehungsweise die Beinahe-Pleite der IKB, wodurch die staatseigene KfW ihren Anteil von 38 auf 91 Prozent erhöhen musste. Angesichts der Vielzahl der Programme ist diese Konsolidierung zu begrüßen, um einfachere Strukturen zu verschaffen.

Es lohnt sich, eine Schneise in den Fördermittel-Dschungel zu schlagen.
Es lohnt sich, eine Schneise in den Fördermittel-Dschungel zu schlagen.
Foto: Christian Pedant - Fotolia.com

Die Palette der Förderung reicht dabei von langfristigen Darlehen zu günstigen Konditionen, Ausfallbürgschaften und Haftungsfreistellungen bis hin zu stillen beziehungsweise offenen Beteiligungen bzw. der Finanzierungs-Unterstützung im Zuge von Nachfolgeregelungen. Entsprechend bietet es sich an, sich unter Einbeziehung eines Beraters durch den Förder-Dschungel lotsen und beim Erstellen der Anträge unterstützen zu lassen. Denn ist ein Formular erst mal aus Unkenntnis falsch ausgefüllt, ist es schwierig, dies zu korrigieren, ohne dass der Eindruck eines "Nachkartens" entsteht.

Dies ist umso wichtiger, als die Förderprogramme laufend den Gegebenheiten der Wirtschaft und Finanzwelt angepasst werden. So wurden zum Beispiel zum 1.4.2011 die Förderprogramme KfW StartGeld und KfW-Kapital für Arbeit und Investitionen eingestellt beziehungsweise teilweise ersetzt. Allerdings hat die Bundesregierung aktuell ein klares Statement für den Innovationsstandort Deutschland abgegeben: Das Bundeswirtschaftsministerium hat aktuell weitere 250 Millionen Euro für ERP-Startfonds bereitgestellt.

ERP-Programme

Es gibt Programme, die auf europäischer Ebene durchgeführt werden (ERP-Programme), und solche, die länder- beziehungsweise bundeslandspezifisch sind. Länder- und Bundesprogramme können dabei zum Teil kombiniert werden. Zudem unterscheiden sich die Programme danach, in welcher Phase das Unternehmen sich befindet: Gründung, etabliertes Unternehmen beziehungsweise Turnaround-Situation.

Dabei werden weder die bestehenden Kreditgeber noch die Unternehmer aus der Verantwortung entlassen. Wenn der Unternehmer nicht an sein Vorhaben glaubt und bereit ist, zum Beispiel auch eine Bürgschaft zu stellen, wieso sollte es der Staat mit Steuergeldern tun? Anders sieht es aus, wenn keine Sicherheiten begeben werden können, da etwa die privaten Mittel bereits darauf verwendet wurden, eine neuartige Idee als Prototypen zu realisieren.

Hausbankprinzip

Dabei gilt vielfach das Hausbank-Prinzip. Das heißt, der Kandidat muss zuerst eine Bank finden, die bereit ist, den Antrag entgegenzunehmen. Diese reicht den Antrag nach Zustimmung an die KfW oder LfA weiter und sorgt für die Ausreichung des Darlehns.

Das ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da die Banken dafür lediglich eine Marge von rund einem Prozent erhalten. Jedoch erhält die Bank eine Haftungsfreistellung von bis zu 80 Prozent, sodass ein Prozent Marge bei einem auf 20 Prozent begrenzten Risiko wieder interessanter erscheint.

Dabei gilt es, als Unternehmen zum Teil auch noch Aufklärungsarbeit zu leisten, da Fördermittel nicht zum traditionellen Kerngeschäft der Banken gehören. Ein erfahrener Berater kann hier unterstützen. Prinzipiell gilt, dass Sparkassen und sowie Genossenschaftsbanken eine stärkere Affinität und mehr Erfahrung bezüglich Fördermittel haben als andere Kreditinstitute.