Management-Guru kritisiert Führungskräfte

Flucht in Zahlengebäude und Regelwerke

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Wo man hinschaut, nur Demotivation und Zahlenhuberei. Manager vergessen zu führen und verschanzen sich hinter Leitlinien und Regelwerken. Damit lassen sich die Probleme der Zukunft nicht bewältigen, ist Management-Guru Reinhard Sprenger überzeugt.

Auch wenn seine Kritik am Management nicht neu ist, so wirkt es doch immer wieder erfrischend, sich seine Thesen anzuhören und Deutschlands bekannten Management-Guru Reinhard Sprenger live zu erleben. „Vieles kennt man“, sagte jetzt eine Teilnehmerin auf einem IIR-Seminar in München, aber es sei dennoch wichtig, sich ab und zu den Spiegel vorhalten zu lassen und sein Tun als Manager in Frage zu stellen.

Reinhard Sprenger Quelle: Campus Verlag
Reinhard Sprenger Quelle: Campus Verlag

Und dazu gab es reichlich Gelegenheit.

In der Analyse der aktuellen Situation kommt Sprenger zum Schluss, dass die Manager nur noch über Zahlen sprechen: „Egal in welcher Sitzung ich dabei bin, überall werden nur Zahlen heruntergebetet“, Kunden und neue Produkte gerieten dabei in Vergessenheit. Führungskräfte würden Regelwerke und Leitlinien aufstellen, weil sie glaubten, damit die vielgefürchtete Komplexität unter Kontrolle zu bekommen.

Besonders gefährlich seien die in den meisten Unternehmen vorhandenen Führungsrichtlinien, auf die so mancher Chef besonders stolz sei. Sie würden eine Eindeutigkeit vorgaukeln, die nie der Realität entspräche. Es sei bloß ein „Selbstberuhigungsprogramm“ der Chefetage. Zum Problem könnten diese Richtlinien dann werden, wenn Mitarbeiter im Unternehmen sie auch tatsächlich ernst nähmen. Mitarbeiterbeurteilungs-Systeme sieht Sprenger kritisch und hält wenig von der „Maschinisierung der menschlichen Beziehungen“. Er bezweifelt, ob sich Mitarbeiter in Systeme pressen lassen, dass Instrumente und „Werkzeugkästen“, wie einige Manager manchmal sagen, helfen können, um Menschen zu verändern.

Es geht nicht um Sachprobleme

Im Grunde gehe es nur um die eine entscheidene Frage: „Wie sehe ich mein Gegenüber?“ Traue ich ihm zu, dass er sich selbst motivieren und entwickeln kann, oder benötigt er ständig Hilfe von außen? Der Autor des Buches „Mythos Motivation“ setzt vor allem auf den selbstbestimmten Mitarbeiter, der gefordert werden will. Aufgabe des Chefs bleibt es, ihm Freiräume zu schaffen, damit er seinen Job gut erledigen kann und nicht zu einer Über-, aber auch nicht zu einer Unterforderung kommt.

Dass dabei die Kommunikation eine überdurchschnittliche Rolle spiele, ist nichts Neues. Es gehe nie um Sachprobleme, sondern immer um die Wertschätzung des Mitarbeiters. Die meisten Konflikte sieht Sprenger als Beziehungskonflikte. Er forderte seine Zuhörer auf: „Schaffen Sie ein warmes, emotionales Klima“. Der Mitarbeiter solle seinen Betrieb als „Heimat“ wahrnehmen, auch wenn das gerade durch das Entstehen virtueller Teams nicht mehr so ganz einfach wird. Zentrale Aufgabe einer Führungskraft müsste sein, „andere erfolgreich zu machen“.

Entscheidungen öfter in Frage stellen

Wer aber ständig mit der Angst lebe, dass er dann überflüssig werde, sollte als Manager gar nicht erst antreten. Zum Schluss appellierte Sprenger noch an die Teilnehmer, ihre Entscheidungen öfters in Frage zu stellen und auch mutiger zu agieren, zum Beispiel alle paar Jahre was Neues auszuprobieren.

Er habe den Eindruck, dass die Personaler mehr Flexibilität zeigten und Mitarbeiter mit „bunten“ Lebensläufen einstellten, also nicht immer die geradlinigen Lebensläufe bevorzugten. „Wenn Sie immer nur das tun, was Sie können, bleiben Sie das, was Sie sind“ - und das sei auf Dauer langweilig. Viele Menschen befänden sich bei der Berufswahl und der des ersten Arbeitgebers in einem „Zustand der Bewusstlosigkeit“ und könnten ihre Talente nicht richtig erkennen. Man sollte aber viel Zeit darauf verwenden, einen Bereich oder eine Nische zu finden, in der man erstklassig sei.