Die Arbeitswelt der Zukunft

Fluch und Segen der Flexibilität

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Die moderne Arbeitswelt 4.0 wird sich bis 2025 in vielen Branchen etablieren. Bis dahin werden sich Arbeit und Freizeit immer mehr verknüpfen, Personen und elektronische Arbeitsmittel umfassend vernetzen und moderne IT-Geräte und Technologien selbstständig miteinander kommunizieren.

Zu diesem Ergebnis kam zuletzt eine Expertenrunde im Rahmen des eco Kongresses 2014. Im Zeitalter von Laptop, Tablet und Smartphone können Unternehmen ihren Mitarbeitern immer mehr Freiheit zum Erledigen ihrer Aufgaben einräumen. Nach Expertenmeinung wird es beispielsweise für zwei Drittel der Büroarbeiter in Deutschland bis 2025 selbstverständlich sein, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Dies führt dazu, dass Unternehmen weltweit ihre Büroflächen deutlich reduzieren werden. Für zehn Mitarbeiter sind zukünftig nur noch durchschnittlich 6,7 Schreibtische vorgesehen. Im Zuge der Zeit- und Standortunabhängigkeit wird auch das Arbeiten in der Cloud immer wichtiger.

Zukünftig wird es für zehn Mitarbeiter nur noch 6,7 Schreibtische im Durchschnitt geben. Da ist Standortunabhängigkeit gefragt.
Zukünftig wird es für zehn Mitarbeiter nur noch 6,7 Schreibtische im Durchschnitt geben. Da ist Standortunabhängigkeit gefragt.
Foto: Guryanov Andrey-shutterstock.com

Ressource Mitarbeiter steht im Mittelpunkt

Laut Lucia Falkenberg, HR-Managerin und Expertin der Kompetenzgruppe New Work bei eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V., steht die Digitalisierung im Mittelpunkt der Arbeitswelt 4.0.

Spätestens seitdem der demographische Wandel die Anzahl der Fachkräfte schrumpfen lässt und die Globalisierung uns vor neue Herausforderungen stellt, steht die "Ressource Mitarbeiter" noch stärker im Fokus der Personalabteilungen. "Allein in Deutschland wird die Anzahl an erwerbsfähigen Menschen bis 2025 um bis zu 6,5 Millionen Personen zurückgehen. Durch diese Entwicklung nähern wir uns immer mehr der Vollbeschäftigung, in der sich die meisten der hochqualifizierten sogenannten Wissensarbeiter ihren Arbeitgeber aussuchen können."

Wandel hin zum Arbeitnehmermarkt

Dieser Wandel hin zum Arbeitnehmermarkt führe zunehmend dazu, dass die zukünftigen Arbeitsbedingungen immer mehr an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden. Dies soll nach Angaben von Falkenberg zu einer besseren Vereinbarkeit von beruflichem Erfolg und Privat- oder Familienleben führen, mehr hochqualifizierten Frauen die Berufstätigkeit ermöglichen und jene psychischen Belastungen reduzieren, die heute der Spagat zwischen Arbeit und Privatleben mit sich bringt. "Jeder, der regelmäßig aus dem Meeting zur Kita hetzt, weiß, wovon die Rede ist", beschreibt Falkenberg.

Lucia Falkenberg, HR-Managerin bei eco: "Der Wandel hin zum Arbeitnehmermarkt wird Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen haben."
Lucia Falkenberg, HR-Managerin bei eco: "Der Wandel hin zum Arbeitnehmermarkt wird Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen haben."
Foto: eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

Fluch und Segen zugleich

Bis 2025 wird es eine starke Nachfrage nach flexiblen Arbeitsformen geben. So gehen in einer empirischen Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) 70 Prozent der Beschäftigten davon aus, dass im Jahr 2025 "eine gelebte Work-Life-Balance" als Statussymbol gilt.

Die Arbeitswelt 4.0 kann jedoch zugleich Fluch und Segen sein: Der Arbeitgeber räumt seinen Mitarbeitern zwar eine größere Flexibilität zum Erledigen der Arbeiten ein, erwartet aber im Gegenzug auch eine größere Flexibilität von den Arbeitnehmern selbst. "Die Experten sind sich darüber einig, dass dies in den allermeisten Fällen zu längeren Arbeitszeiten führt als beim klassischen '9 to 5'. Viele Fachleute warnen daher vor einer ständigen Erreichbarkeit durch die duale Nutzung von Smartphones und Co., die dazu führen kann, dass sich Mitarbeiter rund um die Uhr 'on duty' fühlen ", räumt die HR-Expertin von eco ein.

Arbeitswelt 4.0 benötigt Regeln und Abstimmungsprozesse

Dass immer und überall gearbeitet wird, kann nach Meinung der New Work Spezialistin sogar zu einer Zunahme der psychischen Belastung am Arbeitsplatz und mehr Stress führen. Eben diesen Stress hat die Weltgesundheitsorganisation WHO nicht ohne Grund zu einer der "größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Falkenberg ist sich jedoch sicher, dass die fortschreitende Digitalisierung hauptsächlich zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen wird. Die Aussicht, künftig Job und individuelle Lebensgestaltung besser vereinbaren zu können, eröffnet vielen Mitarbeitern neue Chancen. Außerdem wird selbstbestimmteres Arbeiten zu mehr Arbeitszufriedenheit führen. Grundlage hierfür ist aber, dass sich Unternehmen und Mitarbeiter auf die Einhaltung bestimmter Regeln einigen und die Zusammenarbeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt abstimmen - dann werden die Trennung zwischen Beruflichem und Privatem und auch der verdiente Feierabend weiterhin möglich bleiben.