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Flexibel statt proprietär – Entwicklung und Chancen von Open Networking

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: das des Programmierers und Technikers und das des Vollblut-Journalists und Content-Junky. Seit 30 Jahren schreibe ich Programme, Artikel, Kompendien, Web-Seiten-Inhalte und Social-Media-Schnipsel und habe immer noch Spaß dran. Derzeit befasse ich mich - nicht nur für Dell - intensiv mit den Themen Cloud und Security.
Viele Unternehmen sind mit ihrer IT-Infrastruktur in eine Sackgasse geraten: Zu wenig Flexibilität und zu komplexe IT-Systeme belasten die Wirtschaftlichkeit. Einen Ausweg bieten offene Standards und Lösungen: Sie sind flexibel und hoch anpassungsfähig.

Cloud-Computing und Virtualisierung rangieren ganz weit oben bei den viel zitierten aktuellen Schlagworten im Netzwerkbereich. Stellen sich Unternehmen die Frage, wie sie sich am besten dem Thema nähern, werden sie sehr schnell mit proprietären Lösungen und Tools konfrontiert. Von vielen Anbietern angepriesen, haben solch proprietäre IT-Systeme sicherlich viele Vorteile, vor allem auch wirtschaftlicher Natur. Schließlich wird dabei versucht, vorhandene IT-Infrastruktur weiter zu nutzen, so dass bereits getätigte Investitionen nicht abgeschrieben werden müssen.

Mehr Wachstum durch neue Technologien

Nachteilig aber ist, dass IT-Netzwerke dadurch immer komplexer werden. Damit steigt unter anderem auch der Aufwand bei der Verwaltung dieser komplexen Systeme. Problematisch ist zudem, dass sich Unternehmen damit für einen Anbieter festlegen. Nur dieser kann einzelne Komponenten ersetzen, so dass sie weiterhin mit vorhandenen Bausteinen reibungslos zusammenarbeiten. Neue Technologien haben aber dabei kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Die Folge: Flexibilität und Agilität des Unternehmens sinken. So wird das IT-Management beispielsweise nicht schnell genug auf neue Anforderungen der Mitarbeiter reagieren können. Und bei der Implementierung und Verwaltung mobiler Geräte treten unnötige Reibungsverluste auf.

Höhere Flexibilität durch offene Lösungen

Ein Ausweg aus diesem Dilemma können offene Standards und Systeme bieten, wie sie durch Open Networking propagiert werden. Für die Durchsetzung und weitere Verbreitung von offenen Systemen setzt sich die Open Networking Foundation ein. Dabei handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Software-defined Networking (SDN) mit offenen Standards wie dem Open-Flow-Protokoll zu vereinheitlichen und zu verbessern. Zu den Initiatoren der Organisation gehören Internetgiganten wie Facebook, Google, Microsoft, die Telekom, Verizon und Yahoo.

Foto: Dell

Mehr Offenheit durch Open Networking

Grundlage der Open Networking Foundation waren Erkenntnisse aus einem sechsjährigen Forschungsprojekt der Stanford University und der University of California. Wesentlich für SDN sind demnach zwei Komponente: ein Software-Interface (OpenFlow), das prüft wie die Datenpakete im Netz verschickt werden, sowie ein Management-Interface, auf das unterschiedliche Verwaltungs-Tools aufgesetzt werden können.

Verbreitung findet der offene Standard über freie Lizensierungen von OpenFlow durch die Mitglieder der Open Networking Foundation. Und zu den Mitgliedern zählen namhafte Netzwerkhardware-Hersteller, aber auch Software-Unternehmen. Sie alle sind überzeugt, dass sich die besten Entwicklungs-Chancen in einem immer wichtiger werdenden Markt durch offene Standards ergeben. Immerhin soll der weltweite Umsatz im Bereich von Software-defined Data Center (SDDC) in diesem Jahr auf insgesamt 19,31 Milliarden US-Dollar steigen, schätzen die Marktforscher von Marketwatch in ihrem "SDDC Market Report 2015-2020".

Einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Technik und die beteiligten Unternehmen sowie eine profunde Einschätzung der Marktentwicklung bei Open Networking bietet das Strategiepapier "Fifty Shades of Open Networking" der US-IT-Beratungsgesellschaft Moor Insights & Strategy, das Sie hier in deutscher Übersetzung kostenlos herunterladen können.

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Offene Standards bei Virtualisierung und Cloud-Computing bieten aber auch für den Kunden Vorteile. Mehr Flexibilität erhält dieser dadurch, dass er Hardware unabhängig vom Hersteller einsetzen und sich seine passende Lösung zusammenstellen kann.

Und durch die Entkopplung von Kontroll- und Weiterleitungsebenen lassen sich Anwendungen unabhängig von Ort ausführen. Da Anwendungen und Plattformen ebenfalls entkoppelt sind, ist es möglich, auch von jedem Gerät aus auf Daten im Netzwerk zuzugreifen.

Offene Betriebssysteme im Netzwerk

Zwar setzen Internetriesen wie Google und Facebook auf offene Netzwerklösungen, doch bleibt das Angebot auf Anbieterseite recht übersichtlich und die Auswahl klein. Die meisten Netzwerk-Supplier haben sich spezialisiert und Lösungen für bestimmte Bereiche im Portfolio. So bieten Firmen wie Cumulus Networks, IP Infusion, Big Switch Networks oder Pluribus portable und offene Betriebssysteme an, während Anbieter wie Microsoft, Midokura, Nuage Networks oder VMware mit ihren Lösungen auf die Entkopplung von virtueller und physischer Ebene setzen. Netzwerkfunktionen lassen sich dadurch auf Servern zusammen mit virtuellen Maschinen, Anwendungen und Daten ausführen. Diese funktionalen Änderungen im Netzwerkbetrieb sorgen für mehr für Auswahl, Agilität und Flexibilität. Die Kosten durch den Wegfall proprietärer Netzwerke sinken außerdem.

Open Networking umfasst also unterschiedliche Bereiche von Netzwerken. Und um Open Networking weiter zu entwickeln, können die Anbieter verschiedene Beiträge leisten:

  • sich an Open-Source-Projekte beteiligen,

  • Open-Source-Software entwickeln,

  • Technischen Support für Open Networking leisten,

  • spezielle SKUs für Open Networking entwickeln,

  • Open Networking für alle SKUs ermöglichen.

Foto: Dell

Mitmachen und profitieren

Für eine möglichst hohe Durchdringung und effektive Weiterentwicklung von Open Networking wären hohe Beiträge der verschiedenen Anbieter wünschenswert. Doch üben sich die Netzwerk-Firmen dabei eher in Zurückhaltung. Viele setzen immer noch auf ihre proprietären Systeme und Komponenten. So lassen sich unterschiedliche Schattierungen beim Open Networking ausmachen, die sich auf den Grad der Offenheit beim Einsatz von Open-Networking-Lösungen bezieht.

Anbieter wie Cisco beispielsweise unterstützen Open Networking, indem sie sich an Projekten wie OpenDaylight und ONOS beteiligen. Letztendlich liegt aber der Hauptfokus auf der eigenen Lösung Application Centric Infrastructure (ACI). Diese ist eher hardware- als software-definiert und im Wesentlichen an Ciscos Hardware gebunden.

Juniper Networks hingegen hat OpenContrail als eine Open-Networking-Option auf den Markt gebracht, die zwar mit Produkten unterschiedlicher Anbieter kompatibel ist. Dennoch müssen Käufer eine abgespeckte Version von Junipers proprietären Junos OS erwerben.

So verfolgen die verschiedenen Anbieter einen unterschiedlichen Ansatz, wobei Anbieter mit größeren Marktanteilen einen eher konservativen Ansatz bevorzugen. Damit sichern sie ihre Marktanteile. Kleinere Anbieter zeigen sich flexibler und aggressiver, um neue Kunden zu gewinnen.

Der offene Ansatz von Dell

Bei Dell gibt es ein umfangreiches Angebot von offenen Lösungen, die echte Alternativen für eine SDN-Implementierung bieten. Bei allen neuen Produkten haben Kunden die Möglichkeit, zwischen mehreren Betriebssystemen auszuwählen. Im Angebot steht auch Dells eigenes Betriebssystem, das werkseitig installiert ist. Es kommt seit über 13 Jahren zum Einsatz und dient gewissermaßen als Sicherheitsnetz, mit dem Kunden an der raschen Entwicklung im Open-Networking-Bereich teilhaben können, ohne dabei auf Sicherheit und Zuverlässigkeit verzichten zu müssen. Darüber hinaus trägt Dell auch aktiv zu mehreren Open-Networking-Projekten bei.

Ein Trend zu einem gesteigerten Interesse an Open-Networking ist in den letzten vier Jahren seit der Gründung der Open Networking Foundation durchaus zu beobachten. Doch angesichts der Tatsache, dass beispielsweise die Virtualisierung rund acht bis zehn Jahre benötigt hat, um vom wissenschaftlichen Projekt zum marktbeherrschenden Thema zu werden, ist immerhin jetzt bereits ein Bewusstsein geschaffen für offene Systeme. Auch der Cloud-Computing-Markt entwickelt sich sehr schnell. Begünstigt wird diese Entwicklung zweifellos durch die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), die sich scheuen, eigene Server zu hosten, und lieber IT als Service kaufen. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich der offene Netzwerkansatz ähnlich schnell durchsetzen und in wenigen Jahren fester Bestandteil der meisten größeren Rechenzentren sein wird.

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