Flaggschiff-Smartphone

Blackberry DTEK60 im Kurztest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit dem von TCL Alcatel gefertigten DTEK60 bringt Blackberry ein echtes Flaggschiff-Gerät heraus, das es in der Theorie mit iPhone 7 Plus und Google Pixel XL aufnehmen kann. Und in der Praxis?

Der (Noch-)Smartphone-Hersteller Blackberry war bislang eher für solide als für besonders performante Geräte bekannt. Der Grund: Als primär für Business-Zwecke gedachte Devices sah das Management den Fokus lange Zeit bei Themen wie Akkulaufzeit, Sicherheit und Usability, während eher Consumer-getriebene Aspekte wie ein leistungsfähiger Chipsatz, ein hochauflösendes Display oder eine gute Kamera eher vernachlässigt wurden.

Blackberry verpasste dem DTEK60 bei Hardware und Software seinen eigenen Touch.
Blackberry verpasste dem DTEK60 bei Hardware und Software seinen eigenen Touch.
Foto: Blackberry

Von Apple, Samsung & Co. gelernt

Doch die Kanadier haben inzwischen ihre Lektion aus dem Erfolg von Apple, Samsung & Co. gelernt - wenn auch unter Schmerzen und deutlich zu spät. Denn bevor Blackberry die Entwicklung eigener Smartphones endgültig einstellt, lässt es der kanadische Hersteller mit dem DTEK60 noch einmal richtig krachen. Das (erneut) von TCL im Auftrag gefertigte 5,5-Zoll-Gerät basiert nämlich auf dessen Flaggschiff Alcatel Idol 4S, das die Chinesen auf dem Mobile World Congress 2016 vorgestellt hatten. Und als ob dies nicht ausreicht, verbaute Blackberry im DTEK60 teilweise sogar bessere Komponenten als im Original-Alcatel-Gerät ursprünglich zu finden sind.

Damit es das DTEK60 nicht nur von der Größe her und beim Preis (579 Euro UVP) mit iPhone 7 Plus oder Google Pixel XL aufnehmen kann, ersetzte Blackberry unter anderem den originalen Snapdragon 652 durch einen deutlich kernigeren Snapdragon 820 64 Bit Quadcore (MSM8996), dem zudem 4 GB RAM zur Seite gestellt wurden.

Außerdem kommt beim DTEK60 anstelle einer 16-Megapixel-Kamera nun ein 21-Megapixel-Modul zum Einsatz, die einfache USB-Schnittstelle wurde durch einen USB-to-Go-fähigen USB-C-Anschluss ersetzt (ein Connector ist im Lieferumfang enthalten). Weg fiel dagegen wie bereits beim DTEK50 die Dual-SIM-Funktion, vermutlicher Grund dafür ist, dass Blackberry hier mit WorkLife eine eigene Lösung für Business-Kunden anbietet.

Das Blackberry DTEK 60 muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken.
Das Blackberry DTEK 60 muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken.
Foto: Blackberry

Die Optik des Geräts ließ Blackberry beim DTEK60 weitgehend unverändert, kein Wunder ist doch das 7 Millimeter schlanke Idol 4S mit seinem Metallrahmen und dem Gorilla-Glass an Vorder- und Rückseite durchaus ansehnlich. Und auch am Amoled-Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel (Quad-HD, 534 PPI) gibt es kaum etwas auszusetzen.

Etwas irritierend ist allerdings, dass sich die Kanadier diesmal nicht an der glatten Rückseite störten. Bekam das kleinere DTEK50 zum besseren Halt hinten noch eine praktische, aber wenig ästhetische, Riffelmatte verordnet, verhindert beim DTEK60 bestenfalls die hervorstehende Linse das Abrutschen auf einer abschüssigen Unterlage. Wem dies stört: Im Zubehörhandel gibt es schon Schutzhüllen für mehr Griff.

Mittig auf der rechten Seite findet man auch beim DTEK60 wieder den Alcatel-typischen Convenience Key, eine praktische Komforttaste, über die der Nutzer schnell und bequem auf eine spezielle App oder Funktion zugreifen kann.

Anders als beim DTEK50 bekommen Blackberry-Fans nun auch wieder ihre konfigurierbare LED-Anzeige zurück. Last, but not least besitzt das DTEK60 nun den beim Vorgänger noch sehnsüchtig vermissten Fingerprint-Sensor zum schnellen Entsperren des Geräts.

Die Hardware-Spezifikationen im Überblick

Höhe

153,9 mm

Breite

75,4 mm

Tiefe

7 mm

Gewicht

165 g

Display

2560 x 1440 Pixel (534 PPI) AMOLED

Bildschirmgröße

5,5 Zoll (13,97 cm), 16:9

Prozessor

Qualcomm Snapdragon 820 64 Bit QuadCore

Speicher

4 GB RAM, 32 GB Flash

Erweiterbarer Speicher

microSD-Steckplatz (bis zu 2 TB)

Anschlüsse

USB Typ-C, USB OTG

Akku

3000 mAh Li-Io, fest eingebaut

Hauptkamera (Rückseite)

21 MP mit Autofokus

Frontkamera

8 MP Fixed Focus

Zusammenfassend kann man zur Hardware konstatieren, dass sich das neue Blackberry-Gerät hier im Großen und Ganzen kaum von irgendeinem anderen Android-Flaggschiff von 2016 unterscheidet. Das DTEK60 gibt sich in punkto Performance keine Blöße, auch die Akkuleistung bringt den (Business-)Nutzer ohne Probleme über den Tag. Ein echtes Wow-Gefühl kommt beim Nutzer allerdings auch nicht auf, aber Hand aufs Herz: Wann waren Sie das letzte Mal von einem (Android-)Smartphone so richtig beeindruckt?

"Das sicherste Flaggschiff-Smartphone der Welt"

Wenn also nicht unbedingt bei der Hardware, so punktet das Blackberry-Gerät bei Software und Sicherheits-Features: Wie beim Blackberry Priv und dem DTEK50 setzten die Kanadier nämlich auch beim DTEK60 einige Hebel in Bewegung, um dem Claim, "das sicherste Flaggschiff-Smartphone der Welt" anzubieten, gerecht zu werden - trotz Android-Basis (Android 6.0.1). Dies beginnt bereits während des Fertigungsprozesses (vertrauenswürdige Hardware) und setzt sich mit einem sicheren Boot-Prozess, einer FIPS-140-2-konformer Festplattenverschlüsselung und regelmäßigen Security-Patches fort.

Dezember-Update: Blackberry verspricht (und liefert) für das DTEK60 regelmäßige und unverzügliche Sicherheits-Updates.
Dezember-Update: Blackberry verspricht (und liefert) für das DTEK60 regelmäßige und unverzügliche Sicherheits-Updates.

Außerdem können Nutzer mit Hilfe der Privacy-App DTEK prüfen, welche Anwendungen Zugriff auf die persönlichen Daten oder Gerätefunktionen wie das Mikrofon oder die Kamera haben. Im Anschluss können die Anwender entscheiden, ob sie diese Apps löschen oder diesen dank Android 6.0 nicht gewünschte Rechte entziehen. Apropos Android 6.0 (bzw. Android 6.0.1): Ein Update auf Android 7.0 Nougat ist von Blackberry vorgesehen und dürfte angesichts der sehr dezenten Anpassungen von Plain Android auch keine größeren Probleme darstellen. Der genaue Zeitpunkt wurde allerdings noch nicht bekanntgegeben.

Für den Einsatz im Business unterstützt das DTEK60 natürlich auch Android for Work sowie Google Play for Work und Blackberrys komplette Suite an EMM-Anwendungen (Enterprise Mobility Management) und Produktivitätslösungen.

Zur weiteren Softwareausstattung gehört neben dem eigenen Launcher (mit Gestensteuerung und Shortcuts) auch zahlreiche von Blackberry 10 bekannte Zusatzanwendungen und- dienste, die bereits mit dem Priv auf Android portiert (bzw. adaptiert) wurden. Dazu zählen etwa der Blackberry Hub, in dem Nachrichten aus verschiedenen Quellen wie E-Mail, SMS, Kalender, Social Media zusammengeführt werden, oder die "intelligente" mitlernende Blackberry-Tastatur.

Fazit: Wer zu spät kommt, …

Gerne möchte man die Zeit ein oder zwei Jahre zurückdrehen, um zu sehen, ob Blackberry mit dem DTEK60 seine öffentliche Wahrnehmung als Smartphone-Hersteller wieder gestärkt hätte. Doch leider kommt das Gerät zu spät: Nach dem (leider) missglückten Comeback mit Blackberry OS 10 und spätestens nach der Ankündigung, keine eigenen Smartphones mehr zu entwickeln, sind die Kanadier vom Radar der meisten privaten Nutzer verschwunden. Pech für beide Parteien, denn für Fans der reinen Android-Lehre ohne unnötige Schnörksel und Modifikationen dürfte das DTEK60 gleich hinter dem Google Pixel die beste und mit 579 Euro UVP günstigste Wahl sein.

So aber bleiben als Zielgruppe Unternehmen, die mittlerweile verstärkt ihr Misstrauen gegenüber Android ablegen. Mit diesen könnte Blackberry gleich zweimal ins Geschäft kommen: Als Anbieter von besonders sicheren Android-Smartphones wie dem PRIV, dem DTEK50 und dem DTEK60, sowie dazugehörigen Verwaltungslösungen wie UEM (früher BES 12), Blackberry Dynamics (vormals Good Dynamics) oder Blackberry Workspaces (früher WatchDox).