First Look: Das sind die Neuerungen in Windows 8
Windows 8 soll 2012 erscheinen. Wann genau, ist noch nicht klar. Was sich jedoch schon jetzt herauskristallisiert, sind die zahlreichen Neuerungen, die Microsoft in seine kommende Windows-Version gepackt hat und die das System auch für Unternehmen interessant machen. Windows 8 ist dabei keine komplette Neuentwicklung, sondern baut auf seinem Vorgänger Windows 7 sowie dem Windows Server 2008 R2 auf und verbessert das Betriebssystem weiter.
Administratoren müssen nicht befürchten, dass ältere Anwendungen mit Windows 8 nicht mehr funktionieren. Alle Programme die auf Windows 7 laufen, lassen sich auch in Windows 8 betreiben. Dieses Versprechen hat Microsoft auf der offiziellen Entwicklerkonferenz Build im kalifornischen Anaheim öffentlich abgegeben.
Die Installation des Betriebssystems hat sich im Vergleich zu Windows 7 nicht verändert. Auch die Image-basierte Bereitstellung mit WIM-Dateien ist weiterhin möglich. Dazu gibt es auf der Windows-8-DVD immer noch die Datei install.wim mit den Daten des Betriebssystems. Das heißt, die Verteilung im Unternehmen kann weiterhin mit dem "Windows Automated Installation Kit" (WAIK), dem "Microsoft Deployment Toolkit" (MDT) und anderen Tools erfolgen. Es ist zu erwarten, dass Microsoft auch dafür neue Versionen und neue Zusatz-Tools für Windows 8 zur Verfügung stellen wird. Wer das System in großen Unternehmen verteilen und verwalten will, kann zudem auf den neuen "System Center Configuration Manager 2012" setzen. Alles in allem wird die Bereitstellung für die Administratoren keine größeren Überraschungen mit sich bringen.
User Interface im Kachel-Look
Nach der Installation der aktuellen Windows Developer Preview fällt zunächst die neue Benutzeroberfläche auf. Diese orientiert sich stark an der Oberfläche von Windows Phone 7 und stellt die installierten Programme über die Metro-Oberfläche mit Kacheln da. Die Bedienung ist deutlich optimiert für Touchscreens und Tablets, ganz im Gegensatz zu Windows 7. Microsoft legt mit Windows 8 großen Wert auf schnelle, einfache Bedienung, will Administratoren aber einen kompletten Zugriff auf alle Funktionen des Betriebssystems geben.
Anwendungen, die Windows 8 als Kacheln darstellt, können als Icon auch Informationen anzeigen. Jede App bekommt dazu eine eigene Kachel, die weit mehr als nur das Programm-Icon anzeigen kann. Ihren Startbildschirm können Anwender selbst konfigurieren. Die gewünschten Anwendungen oder Dokumente lassen sich dort beliebig als Kacheln ablegen. Auf diese Weise können zum Beispiel künftige Outlook-Versionen bereits vor dem eigentlichen Programmstart anzeigen, ob neue E-Mails im Postfach vorliegen oder Termine anstehen. Auch der Zugriff auf Dokumente kann auf diesem Wege schneller funktionieren.
Natürlich bleiben der alte Windows-Desktop und auch die Taskleiste grundsätzlich weiter erhalten, der neue Start-Bildschirm bildet sozusagen einen Zusatz. Den Desktop starten und beenden Anwender wie eine normale App. Ist aber eine normale Anwendung gestartet, verhält sich Windows 8 von der Ansicht her wie Windows 7. An dieser Stelle hat sich nichts geändert.
Windows 8 startet schneller
In der aktuellen Windows Developer Preview von Windows 8 lässt sich das klassische Startmenü über einen Registry-Eintrag aktivieren: Nutzer müssen dafür durch Eingabe von "regedit" im Suchfeld des Startmenüs den Registry-Editor öffnen. Dort navigiert man zu "HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Explorer" und setzt den Wert RPEnabled von 1 auf 0. Nach dieser Änderung deaktiviert Windows 8 den neuen Startbildschirm und zeigt das bekannte Startmenü wieder an. Mit diesem kleinen Trick fällt der Test des neuen Betriebssystems wesentlich leichter.
Noch vor dem Anzeigen der Oberfläche fällt insbesondere die beschleunigte Startgeschwindigkeit von Windows 8 auf. Vor allem Unternehmenskunden profitieren davon, da Anwender wesentlich schneller nach dem Start an ihre Programme kommen und das Hochfahren von Windows nicht mehr so lange dauert wie beispielsweise noch in Windows 7.
Erreicht haben die Microsoft-Entwickler das durch die grundsätzliche Einbindung des Ruhezustands des Systems. Beim Beenden speichert Windows 8 bestimmte Teile des Arbeitsspeichers auf der Festplatte und kann diese in der Folge schneller laden. Anwender beginnen im Gegensatz zum alten Ruhezustand aber mit einer komplett neuen Sitzung. Dazu hat Microsoft den Ruhezustand in eine "Benutzer-Sitzung" und eine "System-Sitzung" aufgeteilt. Die Benutzer-Sitzung startet immer neu, die System-Sitzung mit geladenen Treibern und Diensten geht in den Ruhezustand.
Unternehmen müssen für Windows 8 keine neuen PCs kaufen. Das System läuft Microsoft zufolge auch auf älteren Rechnern sowie auf Computern oder Tablets, die mit Prozessoren des britischen Chipdesigners ARM laufen. Diese Chips sind derzeit für Tablets die bessere Wahl, da sie wesentlich weniger Energie benötigen als herkömmliche Desktop-Prozessoren und damit auch weniger Abwärme entwickeln.
Wie in den aktuellen Office-Versionen, bringt jetzt auch der Windows-Explorer die neue Menüleiste (Ribbon) als Oberfläche mit und ermöglicht Anwendern damit einen schnelleren Zugriff auf Dokumente sowie Dateien und vereinfacht deren Verwaltung. Auf diese Weise sind alle notwendigen Werkzeuge zur Dateiverwaltung mit einem Klick erreichbar. Es ist keine Navigation mehr in Untermenüs oder das Verwenden des Kontextmenüs notwendig, um die eigenen Dateien zu verwalten.
Windows 8 informiert den User
Beim Kopieren von Dateien zeigt Windows 8 wesentlich mehr Informationen als seine Vorgänger-Releases an, zum Beispiel die aktuelle Netzwerkbandbreite. Außerdem ist es in der neuen Version auch möglich, das Kopieren von Dateien pausieren zu lassen und jederzeit wieder fortzusetzen.
Auch den Task-Manager und dessen Oberfläche hat Microsoft verbessert. Der neue Task-Manager liefert wesentlich mehr Informationen über laufende Anwendungen und Dienste, als dies ältere Windows-Versionen taten. Auch hier orientiert sich die neue Oberfläche am Kachel-Look von Metro. Im Task-Manager fällt schnell auf, dass Microsoft den Ressourcenverbrauch der künftigen Windows-Generation deutlich gesenkt hat. Windows 8 benötigt weniger Arbeitsspeicher. Das System startet mit weniger Diensten sowie weniger Threads, und auch der Verbrauch von CPU-Leistung ist im Vergleich zu den Vorgängern gesunken.
Cloud-Integration und Sicherheit
Arbeiten Anwender mit mehreren Windows-8-Computern, zum Beispiel einem stationären PCs und einem Tablet, lässt sich leicht eine Synchronisierung der Daten und der laufenden Apps einrichten. Die Anmeldung erfolgt auf diesem Weg zum Beispiel mit einer Windows Live-ID. Nach der Anmeldung erscheint sofort der Start-Bildschirm, der in der aktuellen Version allerdings noch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Im Startmenü gibt es keine Verknüpfungen von Anwendungen mehr. Erscheint eine Verknüpfung nicht im Startbildschirm, muss der Anwender sein Programm über die Suchfunktion erst finden und dann starten. Es ist kaum vorstellbar, dass Microsoft in der endgültigen Version an dieser Stelle keine Hintertür einbaut, die Anwendern auch ohne Zusatz-Tools das alte Startmenü wieder zur Verfügung stellt. Wie Anwender das alte Startmenü für Tests wiederherstellen können, haben wir bereits gesagt.
Windows 8 bekommt App-Store
Die Metro-Apps, die zukünftig in Windows 8 laufen, basieren auf HTML, CSS und XAML sowie im Hintergrund auf C#, Javascript, Visual Basic oder C++. Eine Portierung zwischen verschiedenen Systemen ist möglich, auch zu Smartphones oder Linux. Apps lassen sich in Windows 8 über den Appstore installieren, ähnlich wie bei iPhones oder Android-Geräten. Ob sich auf diesem Weg auch Anwendungen von Unternehmen intern verteilen lassen, ist noch nicht klar, aber wahrscheinlich. Solche Anwendungen können dann auch für Windows Phone 7 entwickelt und auf dem gleichen Weg verteilt werden.
Im Bereich Sicherheit hat Microsoft den integrierten Windows-Defender verbessert. Dieser schützt in Windows 8 nicht nur vor Spy- und Adware, sondern erkennt in der neuen Version auch Viren. Definitionsdateien lädt das Security-Tool über die Windows-Update-Funktion herunter. Zentral lassen sich die Dateien mit den Windows Server Update Services verteilen. Damit Rootkits sich nicht schon beim Starten des jeweiligen Systems einschleichen, schützt Windows 8 die Computer bereits beim Starten. Diese Secured-Boot-Funktion stoppt den Startvorgang, wenn zum Beispiel ein verseuchter Datenträger im System gefunden wird. Interne Daten legt Windows 8 geschützt an zufälligen Stellen im Arbeitsspeicher ab, sodass Angreifer so gut wie keine Chance haben, auf diesem Weg das System zu infizieren. Diese Technik trägt die Bezeichnung "Address Space Layout Randomization" (ASLR). Natürlich unterstützt Windows 8 in vollem Umfang das neue UEFI-BIOS-System und nutzt auch umfassend dessen Sicherheitseinstellungen für sichere Boot-Vorgänge. Zusätzlich prüft Windows 8 ausführbare Dateien zukünftig mit dem Smartscreen-Filter des Internet Explorers auf Gefahren. Der Internet Explorer ist in Windows 8 in der neuen Version 10 enthalten. Diese unterstützt umfassend alle Sicherheitsfunktionen des Betriebssystems.
Hyper-V 3.0 und Windows 8
Mit der Client-Version von Windows 8 veröffentlicht Microsoft auch Windows 8 Server (siehe Seite 20). Dieser enthält die neue Version 3.0 der Virtualisierungstechnik Hyper-V. Mit Windows 8 können Adminis-tratoren virtuelle Server zwischen Hyper-V-Hosts asynchron replizieren. Dazu dient die neue Funktion Hyper-V-Replica. Im Gegensatz zur Live-Migration in Windows Server 2008 R2, bei der Anwender Hyper-V-VMs in einem Cluster zwischen Knoten verschieben können, kann Hyper-V-Replica auch ohne Cluster und ohne Zusatzkosten virtuelle Server replizieren und nicht nur verschieben. Die Übertragung funktioniert mit Hilfe eines leicht zu bedienenden Assis-tenten. Diesen startet man über das Kontextmenü von virtuellen Servern im Hyper-V-Manager. Hyper-V in Windows 8 unterstützt Festplatten mit einer Größe bis zu 16 Terabyte. Dazu ändert Microsoft das Format von .vhd zu .vhdx. Zusätzlich bieten die Einstellungen noch erweiterte Menüs, in denen Administratoren zum Beispiel auch eine Hardwarebeschleunigung für Netzwerkverbindungen aktivieren können, sowie Offload-Einstellungen. Hyper-V 3.0 unterstützt direkt TCP ChimneyOffload. Mit dieser Technik lassen sich Berechnungen für den Netzwerkverkehr von den virtuellen Servern zu den Netzwerkkarten delegieren, was die Leistung des Rechners für Anwendungen und im Netzwerk erheblich beschleunigen kann. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, Resource-Pools zu erstellen. In diesen lassen sich Fibrechannel-Verbindungen zusammenfassen und so leichter auf die virtuellen Server verteilen.
In der Client-Version von Windows 8 wird außerdem eine Core-Version von Hyper-V zur Verfügung stehen. Diese ersetzt den Windows XP-Modus und Virtual-PC. Mit dem Tool können Administratoren Anwendungen von anderen Betriebssystemen in Windows 8 zur Verfügung stellen. Außerdem kann Windows 8 ohne Zusatz-Tools direkt VHD- und auch ISO-Dateien mounten und den Inhalt der Dateien verwalten.
Fazit
Windows 8 wird aller Voraussicht nach ein besseres Betriebssystem als Windows 7. Darin sind sich sogar Windows-Kritiker einig. Das System wird schlanker, schneller, besser bedienbar auf Tablet-PCs und sicherer. Virtualisierung und Cloud-Anbindung schreiten weiter voran, und die Kompatibilität scheint sichergestellt.
Ob sich ein Wechsel von Windows 7 zu Windows 8 lohnt, muss jedes Unternehmen jedoch selbst entscheiden, da hier die Neuerungen nicht so stark ausfallen wie bei Windows-Wechseln in der Vergangenheit. Eine Migration von Windows XP und Windows Vista auf Windows 8 ist allerdings auf jeden Fall lohnenswert. Allein schon weil Anwender schneller und effizienter arbeiten können, lohnt sich der Umstieg. Windows 8 lässt sich derzeit von jedem über die Windows Delevoper Preview testen. Allerdings ist diese Version noch nicht vollständig und enthält viele Funktionen wie Hyper-V-Core oder verschiedene Multimedia-Tools noch nicht. Außerdem ist zu erwarten, dass sich das Bedienkonzept an der einen oder anderen Stelle noch etwas ändert. (ba)
Thomas Joos ist freier Autor und Journalist aus Bad Wimpfen.
