Firmen setzen auf Business Intelligence

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Die Nachfrage nach Werkzeugen für die Bereitstellung und Auswertung von Unternehmensinformationen scheint ungebrochen. Vor allem bei Produkten für Data Mining erwarten die Marktforscher von IDC einen Boom. Außerdem sollen die Geschäfte mit Abfrage- und Berichts-Tools sowie Software für Online Analytical Processing (Olap) zunehmen.

Tools für den Aufbau von Business-Intelligence-(BI-)Lösungen unterscheiden sich von ihrem Leistungsumfang erheblich und entwickeln sich ständig weiter. Dies führt auch immer wieder zu neuen Namensgebungen und Umgruppierungen der einzelnen Produktkategorien. In der hier vorgestellten Marktstudie von IDC ist beispielsweise allgemein von Tools für den Informationszugriff die Rede. Als BI-Produktsegmente gelten dabei Query- und Reporting-Tools, Datenbanksysteme für Online Analytical Processing (Olap), Data-Mining-Software, Executive Information Systems (EIS) sowie vorgefertige Data Marts (siehe Glossar). Neben den BI-Tools lässt sich laut IDC eine zweite Gruppe von Werkzeugen für den Informationszugriff ausmachen. Hierbei handelt es sich um Produkte für die statistische, mathematische und technische Datenanalyse, zu denen die Marktforscher bisher auch die Data-Mining-Produkte zählten, welche nun aber erstmals den BI-Tools zugeordnet wurden. In harten Dollars ausgedrückt, ist fast im gesamten Toolmarkt seit mehreren Jahren eine Aufwärtstrend zu erkennen. So wurden laut IDC allein im letzten Jahr in der BI-Sparte rund 3,6 Milliarden Dollar, in der anderen Tool-Gruppe immerhin 818 Millionen Dollar weltweit eingenommen. Dies entspricht einem Zuwachs gegenüber 1999 von 21,8 beziehungsweise 1,7 Prozent. Umsatzstärkste Hersteller über alle Segmente hinweg waren im Jahr 2000 SAS Institute mit 453 Millionen Dollar, Cognos mit 339 Millionen Dollar, IBM mit 325 Millionen Dollar sowie Business Objects mit 294 Millionen Dollar. Allerdings berechnen sich die Umsätze in der Studie laut Co-Autor Dan Vesset nur aus der Summe des Lizenzverkaufs und des Wartungs- und Updategeschäfts ohne Dienstleistungen. Deshalb kann der Gesamtumsatz einiger der genannten Player viel höher sein. SAS Institute beispielsweise meldet für das Jahr 2000 Einnahmen von 1,2 Milliarden Dollar. Heruntergebrochen auf die einzelnen BI-Sparten war im letzten Jahr das Segment für Query- und Berichtswerkzeuge nach absoluten Zahlen der Spitzenreiter (siehe Tabelle). Hier wurden laut IDC weltweit rund 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt, was einem Umsatzplus von 26 Prozent gegenüber 1999 entspricht. Einen steileren Anstieg verzeichnete nur noch das Data-Mining-Segment: Dort erhöhten sich die Umsätze von 1999 auf 2000 um rund 34 Prozent auf 457,7 Millionen Dollar. Insgesamt betrug die durchschnittliche Wachstumsrate von 1999 auf 2000 im BI-Markt 21,8 Prozent, und in der Gruppe der übrigen Tools waren es 1,7 Prozent. Allerdings wurde, laut IDC auch der BI-Markt in der zweiten Hälfte 2000 von der einsetzenden Konjunkturflaute getroffen, was sich in Auftragsrückstellungen oder schrumpfenden Projektvolumina bei Kunden zeigte. Dennoch soll sich insgesamt der positive Trend in den kommenden fünf Jahren fortsetzen. So rechnen die Auguren für 2005 mit einem BI-Marktvolumen von 11,8 Milliarden Dollar bei einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 2000 bis 2005 von 26,9 Prozent per annum. Schaut man sich die geografische Verteilung an, so wurden im Jahr 2000 53,8 Prozent der BI-Umsätze in den USA und 31,9 Prozent in Westeuropa erwirtschaftet. Daran soll sich laut IDC auch während der kommenden fünf Jahre nur wenig ändern. Die bevorzugte BI-Plattform war im vergangenen Jahr das 32-Bit-Windows mit 47,2 Prozent Marktanteil, gefolgt von den Unix-Derivaten mit 18,7 Prozent, Mainframes mit 14,4 Prozent, diverse Single-User-Systemen mit 10,7 Prozent, anderen Host-Systeme mit 6,4 Prozent sowie OS/400 mit 2,5 Prozent. Unter Linux sollen laut IDC bis 2005 rund 2,2 Prozent aller BI-Anwendungen laufen. Als Gründe für die steigende Nachfrage gibt IDC die wachsende Einsicht der Unternehmen in die strategische Bedeutung von BI an. Außerdem spielen die zunehmende Zahl an Standardprodukten, wie beispielsweise analytische Anwendungen, und die Implementierung von Intranet- und Extranet-Lösungen eine Rolle für die Zuwächse. In den nächsten fünf Jahren dürften auch Marktplatzbetreiber BI-Technologie stärker nachfragen, da deren Teilnehmer zusehends ihre Geschäftsaktivitäten per Analyse- und Berichtswerkzeuge näher auswerten wollten. Ferner wird erwartet, dass das Engagement von Microsoft im BI-Markt für eine höhere Verbreitung der Technologie sorgen wird. Schon seit geraumer Zeit zum Schreckgespenst für die Herstellergilde stilisiert, soll Microsoft mit den "Analysis Services", die Teil des Datenbanksystems "SQL Servers" sind, nun vor allem im Olap-Segment das Gewicht der Redmonder fühlbar werden. Neben der allgemeinen Entwicklung lassen sich laut IDC in den jeweilen BI-Segmenten weitere Trends erkennen. So erwarten die Auguren bei den Query- und Reporting-Werkzeugen, dass die Umsätze trotz der seit Ende 2000 sinkenden Wachstumsrate aufgrund der wirtschaftlichen Großwetterlage bis zum Jahr 2005 auf 6,2 Milliarden Dollar ansteigen. Ursache hierfür ist laut Analysten vor allem die steigende Zahl der Endanwender, die auf Produkte etwa von Business Objects, IBM, Cognos oder andere setzen. Dominieren heute noch lokale, auf "fetten" Clients basierende Berichtslösungen für operative Systeme, so gründen künftig BI-Lösungen immer häufiger auf Web-Technologie und sind nicht nur für Intranets, sondern auch für das Internet konzipiert. Sie warten mit einer auf Servern zentrierten Logik sowie schlanken, oft Browser-basierten Clients auf, die sich zentral verwalten und leichter verteilen lassen. Empfänger der Informationen werden künftig nicht mehr nur einzelne Fachabteilungen oder Spezialisten sein, sondern alle Abteilungen innerhalb sowie Kunden und andere Externe außerhalb eines Unternehmens. In dieser Vision werden vom Top-Management bis hin zu den Sachbearbeitern und Kunden jeder Benutzer mit den für die eigene Arbeit notwendigen Informationen versorgt werden. In diesem Zusammenhang erwartet IDC, dass auch spezielle BI-Lösungen für mobile Anwender mit der Zeit an Bedeutung gewinnen werden. Ebenso ist mit weiterentwickelten Werkzeugen zur Datenvisualisierung zu rechnen, die den Herstellern weitere Umsätze bescheren sollen. Ebenfalls aufwärts geht es in den nächsten Jahren laut der Prognosen auch in dem zweitstärksten BI-Segment, dem Olap-Server-Markt. So rechnet IDC für 2005 mit Umsätzen von 3,2 Milliarden Dollar weltweit. Triebkräfte sind hier vor allem die Hersteller relationaler Datenbanken wie IBM, Oracle und Microsoft, die ihre bisherigen Produkte sukzessive um Funktionen und Tools zur Analyse aggregierter Datenbestände erweitern und damit zur Verbreitung der Olap-Technologie beitragen. Spezialisten in diesem Segment wie Hyperion, Cognos oder SAS Institute profitieren von diesem Trend, geraten aber auch unter Druck. Sie sind laut IDC gezwungen, durch immer weitere Features den Mehrwert ihrer Produkte gegenüber den traditionellen Datenbankherstellern zu belegen oder, wie es Hyperion plant, ihren multidimensionalen Olap-Server für den Datenaustausch mit relationalen Systemen zu öffnen. Für eine weitere Verbreitung von Olap werden zudem analytische Anwendungen sorgen, die sich dieser Technologie für die Datenanalyse bedienen. Mancher Olap-Hersteller wird den Wettlauf jedoch laut IDC nicht überleben. Als prozentualer Shooting-Star bei den Umsätzen gilt schließlich das BI-Segment Data Mining. Hier gehen die Analysten von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 34 Prozent aus und einem Umsatzvolumen von 1,9 Milliarden Dollar im Jahr 2005. Derartige BI-Software bietet statistische Modelle und Verfahren der künstlichen Intelligenz, um entscheidungsrelevante Informationen aus Datenbanken extrahieren können. Unternehmen, so erwartet IDC, sehen in solchen Produkten immer häufiger einen Weg, um das Verhalten ihrer Kunden zu analysieren und Trends zu prognostizieren. In diesem Zusammenhang werden integrierte Data-Mining-Funktionen immer häufiger als Bestandteil von Anwendungen für Customer-Relationship- Management, zur Analyse von Online-Besuchern (Clickstream-Auswertungen) sowie analytische Anwendungen verkauft werden. Doch wo viel Licht ist ist auch Schatten: So zeigt der von SAS Institute und Oracle dominierte Markt für EIS als bisher einziges BI-Segment eine rückläufige Tendenz. Hier gingen laut IDC die Einnahmen von 1999 auf 2000 von 174,6 Millionen auf 157,8 Millionen Dollar zurück. Und der negative Trend soll weitergehen: Die Analysten rechnen mit Wachstumseinbußen von durchschnittlich rund elf Prozent pro Jahr und einem Umsatzvolumen im Jahr 2005 von nur noch 87,5 Millionen Dollar beziehungsweise einem Anteil von nur noch 0,7 Prozent am BI-Markt. Der Grund liegt laut IDC darin, dass einerseits Olap-Server immer mehr Funktionen klassischer EIS-Produkte wie etwa für Finanzauswertungen aufweisen. Andererseits sind mittlerweile neue Management-Tools für die Messung der Unternehmensleistung wie Balanced-Scorecards in Mode gekommen.