Firmen auf der CeBIT rechnen selten mit Bewerbern

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wer in Hannover einen Job ergattern will, braucht Ausdauer. Die meisten Aussteller begreifen die Messe als Vertriebs-Event.

Über den Mangel an Fachkräften lamentiert die IT-Branche lautstark. Angenommen, der IT-Nachwuchs ist wirklich so knapp wie behauptet, müssten die Unternehmen jede Möglichkeit nutzen, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen. So auch eine Computermesse wie die CeBIT.

Um die Recruiting-Bereitschaft der Aussteller zu testen, schickten der TecChannel und die computerwoche unter dem Motto "Ready to recruit" drei IT-Studenten über die Messe, die sich bei jeweils 50 Ausstellern über offene Jobs informierten. Unternehmen, die in Hannover mit eigenen Recruiting-Ständen – etwa im Zentrum für Jobs & Karriere – vertreten waren, wurden nicht getestet.

Das Ergebnis der Begegnungen zwischen Studenten und Ausstellern war ernüchternd: 80 Prozent der Unternehmen verwiesen die potenziellen Bewerber auf die firmeneigene Website. Dort sollten sie sich über das Unternehmen informieren und online bewerben. Nur mit jedem fünften Aussteller sei überhaupt ein Informationsgespräch zustande gekommen, bilanziert Benjamin Klör: "Die meisten Firmenvertreter wollten auf der CeBIT nur ihr Produkt an den Mann bringen." Diese Erfahrung machte auch Thierry Ruch, der dennoch ein positives Fazit zog: "Es gab auch Unternehmen, die über Jobchancen informierten und sich um einen bemühten. Wenn Bewerber zur CeBIT viel Zeit und eine gewisse Hartnäckigkeit mitbringen, lohnt sich der Messebesuch."

Testsieger IDS Scheer

Insbesondere Unternehmen, die auch Personaler am Stand hatten, schnitten gut ab. In diesen Fällen kam es auch zu Vorstellungsgesprächen. Testsieger wurde das Saarbrücker Software- und Beratungshaus IDS Scheer. Dessen Standpersonal sammelte in den drei Kategorien "Kompetenz", "beste Ansprechpartner für Personalgespräche" und "Freundlichkeit" die meisten Punkte. Zu den fünf besten Firmen gehören zudem die Software AG, SoftM, IBM und Datev. Aber auch Behörden wie die Bundesdruckerei und die Hessische Zentrale für DV konnten überzeugen. Dagegen befassten sich Firmen wie Sun Microsystems, Fujitsu-Siemens Computers oder Vodafone kaum mit den Bewerbern.

Die Größe eines Standes erlaubte übrigens selten Rückschlüsse darauf, ob die Bewerber willkommen waren. Mitunter wurden die Studenten an einem großen Stand wie bei Intel abgewiesen. Dann wiederum bemühte sich ein Firmenvertreter an einem kleinen Stand um den potenziellen Nachwuchs. (am)