Mobile World Congress

Firefox will das Smartphone zu den Massen bringen

25.02.2013
Der Browser wird zum Betriebssystem: Auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress wird das Firefox-Smartphone vorgestellt. Mit Apple und Samsung kann es nicht mithalten. Aber viele können sich deren Geräte nicht leisten und wollen dennoch mobil ins Internet.
Der Noch-Telekom-Chef René Obermann unterstützt das Firefox-Projekt vor Ort in Barcelona.
Der Noch-Telekom-Chef René Obermann unterstützt das Firefox-Projekt vor Ort in Barcelona.
Foto: Telekom

Smartphones sollen billiger werden und so offen wie das Internet sein - mit dieser Ansage hat das Mozilla-Projekt gestern in Barcelona sein neues Handy-Betriebssystem vorgestellt, das Firefox OS. Das Firefox-Handy ist anders als iPhone und Co. und kann in der Leistung kaum mithalten. Aber dafür ist es erschwinglich. Die Chancen für einen Erfolg stehen gar nicht so schlecht. Gleich 18 Mobilfunk-Anbieter unterstützen das Mozilla-System. Auch der zum Jahresende scheidende Deutsche-Telekom-Chef René Obermann lässt es sich nicht nehmen, bei der Präsentation auf der Branchenmesse Mobile World Congress (MWC) dabei zu sein. "Es ist unsere Aufgabe, das Internet zu den Massen zu bringen", sagt sein Kollege vom norwegischen Telekom-Anbieter Telenor, Jon Fredrick Baksaas.

Mozilla hat sich der Open-Source-Idee verschrieben: Wie beim PC-Betriebssystem Linux ist der Quellcode der Software offen, alle können ihn weiterentwickeln und verändern. Hier sehen die Mobilfunkbetreiber eine Chance, wieder eine größere Rolle zu spielen. "Wir wollen Teil des Projekts sein und wir wollen mithelfen", sagt Deutsche-Telekom-Chef Obermann. Er kündigte für den Sommer in Polen ein erstes Firefox-Smartphone für Europa an, hergestellt von Alcatel. Weitere osteuropäische Länder sollen noch in diesem Jahr folgen.

"Wir fangen mit Geräten an, die etwas langsamer sind und optimieren das dann", erklärt der Mozilla-Entwickler Christian Heilmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zielgruppe sind nicht die Konsum-Eliten in den reichen Ländern, sondern Menschen in Schwellenländern wie Brasilien oder Indien. In vier oder fünf Jahren könne er sich das Firefox-Smartphone aber auch in den "Best Markets" wie USA oder Deutschland vorstellen, sagt Heilmann. Tablet-Computer mit Firefox OS seien noch nicht geplant, doch gebe es bereits Entwickler, die das ausprobierten.

Will der Markt Firefox OS überhaupt?

Apple und die Hersteller von Android-Telefonen müssen sich vorerst wohl nicht sorgen um die neue Konkurrenz. Aber für Anbieter, die wie Nokia oder Huawei ebenfalls ihren Blick auf die große Kundschaft in den Schwellenländern richten, könnte sich der Wettbewerb weiter verschärfen. Huawei-Manager Lars-Christian Weisswange äußert sich in Barcelona skeptisch über Firefox OS: "Heutzutage fährt man mit Android am besten." Es sei die Frage, "ob und wann der Markt das will".

Dass günstige Smartphones ein großes Potenzial haben, ist unbestritten. Der Vorstandschef des Chip-Spezialisten Qualcomm, Paul Jacobs, schwärmt in Barcelona von "diesem unglaublichen Markt all der Leute, die ein Smartphone wollen und sich das nicht leisten können". Auch Qualcomm will das Firefox OS unterstützen und seinen Beitrag leisten, "die bestmögliche Plattform daraus zu machen."