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Fiorina und Capellas winkt saftige Belohnung

27.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Walter Hewlett zufolge winken der Hewlett-Packard-Chefin (HP) Carleton Fiorina und dem Compaq-CEO Michael Capellas eine Belohnung von insgesamt über 115 Millionen Dollar, sollte die geplante Fusion ihrer Unternehmen stattfinden. Ein entsprechendes Dokument reichte der Merger-Gegner am gestrigen Dienstag bei der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) ein. Fiorina und Capellas sollen demnach über einen Zeitraum von zwei Jahren rund 70 beziehungsweise zirka 48 Millionen Dollar an Basisgehalt, Boni und Aktienoptionen erhalten. Hewlett, der als HP-Direktor auch im Kompensationsausschuss des Unternehmens sitzt, habe sich im Interesse der Anleger nun entschieden, die Summen öffentlich zu machen, hieß es. Der Sohn von HP-Mitbegründer William Hewlett versucht, die Stimmrechte anderer Firmenaktionäre zu erhalten, um auf der

Hauptversammlung am 19. März die geplante Fusion kippen zu können.

Sowohl das HP- als auch das Compaq-Management erklärten, es gebe keinerlei neue Kompensationsvereinbarungen. Eine HP-Sprecherin sagte gegenüber dem "Wall Street Journal", Fiorinas derzeitiges Kompensationspaket, das aus einem Jahresgehalt von einer Million Dollar und einem Zielbonus von 1,25 Millionen Dollar besteht, liege "unter dem Marktdurchschnitt". Die Firmensprecherin bezeichnete Hewletts Behauptungen als "bizarr" und fügte hinzu: "Es gibt keinerlei Zusagen, dass Fiorina ein derart attraktives Kompensationspaket nach dem Fusionsabschluss erhalten wird." Ein Compaq-Sprecher erklärte: "Wir haben gesagt, dass Kompensationen erst nach dem Abschluss des Deals verhandelt werden."

HPs Anwalt Larry Sonsini fügte hinzu, es seien im Vorfeld der Fusion keinerlei Entscheidungen bezüglich der Kompensation von Fiorina und Capellas gefallen. Es habe zwar anfangs einige Verhandlungen gegeben, diese seien jedoch ad acta gelegt worden. Über etwaige Merger-bedingte Boni soll erst nach dem Deal entschieden werden. "Falls es in der Zukunft Kompensationspakete geben sollte, werden sie wahrscheinlich zu einem großen Teil leistungsorientiert sein", fügte Sonsini hinzu.

Einige Publikationen, darunter die "Financial Times", berichten hingegen, dass es sich bei der von Hewlett genannten Kompensationssumme um einen frühen Vorschlag in den Merger-Gesprächen gehandelt habe, der jedoch nie offiziell abgesegnet worden sei. Diese Tatsache deutet allerdings ebenfalls darauf hin, dass die zwei Firmenchefs ursprünglich offenbar weitaus höhere Bonuszahlungen erwarten konnten, als bisher angenommen. Erst vor kurzem hatten Fiorina und Capellas bekannt gegeben, auf ihre Boni für das Jahr 2001 von acht Millionen Dollar beziehungsweise 14,4 Millionen Dollar zu verzichten (Computerwoche online berichtete). Als Grund hatten sie angegeben, dadurch Interessenskonflikte bezüglich des Mergers vorbeugen zu wollen. Einige Marktbeobachter zeigten sich überrascht, dass die Kompensationssummen, wenn sie denn abgesegnet sein sollten, von HP und Compaq nicht eher

veröffentlicht wurden. Dabei handele es sich um materielle Informationen, die die Entscheidung der HP-Aktionäre beeinflussen könnten. (ka)