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Fiorina: "Diese Firma steckt nicht in der Krise"

14.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP) hat seinen Nettogewinn im ersten Geschäftsquartal 2002 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht und die Prognosen der Analysten übertroffen. Dieses Ergebnis nimmt HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina als Beleg dafür, dass der IT-Konzern bestens für die geplante Übernahme von Compaq Computer aufgestellt sei. Walter Hewlett, Sohn des Firmenmitbegründers William Hewlett und Gegner der Compaq-Akquisition, sieht in dem jüngsten Ergebnis jedoch seine These bestätigt, dass HP sehr gut ohne Compaq auskommt. Diese Argumentation wies Fiorina mit den Worten zurück: "Ich stimme mit Walter Hewlett in einem Punkt überein: Diese Firma steckt nicht in der Krise."

HP wies einen Nettogewinn von 484 Millionen Dollar oder 25 Cent je Aktie aus. Das sind 243 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, als der kalifornische IT-Konzern noch 141 Millionen Dollar oder sieben Cent pro Anteilschein verbuchte. Ohne Sonderaufwendungen für Akquisitionen belief sich das Plus im abgelaufenen Berichtszeitraum auf 29 Cent je Aktie. Analysten waren nach einer Umfrage von First Call/Thomson Financial zunächst von 16 Cent pro Anteilschein ausgegangen, hatten diese Schätzung aber vor wenigen Wochen von auf 25 Cent angehoben, nachdem HP erklärt hatte, das Ergebnis werde besser ausfallen als erwartet. Der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal allerdings um 8,2 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar, übertraf jedoch die von den Analysten prognostizierten 11,2 Milliarden Dollar.

Die Einnahmen in der Gruppe Imaging and Printing Systems gingen gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um zwei Prozent zurück, konnten im Vergleich zum vorhergehenden vierten Geschäftsquartal 2001 jedoch um zwei Prozent zulegen. Der Umsatz mit Digitalkameras und Photodruckern stieg sogar um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Bereich Computing Systems musste HP gegenüber dem Vorjahresquartal Umsatzeinbußen von 21 Prozent hinnehmen, im Vergleich zu den vorhergehenden drei Monaten betrug der Rückgang vier Prozent. Das Servicegeschäft legte gegenüber dem ersten Geschäftsquartal 2001 um zwei Prozent und gegenüber dem vorhergehenden Berichtszeitraum um ein Prozent zu.

Im ersten Geschäftsquartal 2002 gliederte HP sein Geschäft mit PCs, Notebooks und Personal Appliances in die neue Gruppe Embedded and Personal Systems aus (zuvor Teil vom Computing Systems). Hier konnte der Konzern wohl auch aufgrund des Weihnachtsgeschäfts einen Umsatzanstieg von 22 Prozent im Vergleich zum vierten Geschäftsquartal 2001 verbuchen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres fielen die Einnahmen jedoch um 13 Prozent. Der Umsatz der ebenfalls erst vor kurzem ins Leben gerufenen Einheit Financing (zuvor in IT-Services eingegliedert) fiel gegenüber beiden Vergleichszeiträumen um sechs Prozent.

HP-Finanzchef Bob Wayman äußerte sich vorsichtig zum laufenden zweiten Geschäftsquartal. Für diesen Zeitraum erwartet er einen leichten Umsatzrückgang gegenüber den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres, da die IT-Ausgaben der Unternehmen nach wie vor gering seien und die Verbrauchernachfrage sinken könnte.

Die Anleger reagierten dennoch verhalten positiv auf die Nachrichten: Das HP-Papier, das im regulären Handel am gestrigen Mittwoch um 21 Cent auf 20,98 Dollar gestiegen war, legte nachbörslich auf 21,15 Dollar zu. (ka)