Übernahmegerüchte sind vom Tisch

Finanzspritze von 75 Millionen Dollar soll Baan den Rücken stärken

02.07.1999
MÜNCHEN (CW) - Die Baan Company verhandelt derzeit mit einem internationalen Bankenkonsortium über einen Kredit in Höhe von 75 Millionen Dollar. Erneuten Übernahmegerüchten tritt das Unternehmen entschieden entgegen.

Die neue Kreditlinie soll Baan als "Sicherheitsnetz" dienen und eine mögliche Cash-Reserve bilden, da auch in den nächsten Quartalen Baan und der gesamten ERP-Branche schwere Zeiten bevorstehen, teilte Mark Williams, Vice-President Finance, der COMPUTERWOCHE mit. Als Sicherheit gegenüber dem Konsortium, das von der ABN Amro Bank angeführt wird, will Baan Forderungen einbringen, also Aufträge, die bei Kunden unter Dach und Fach sind, aber aufgrund von Gesetzen noch nicht als Umsatz gebucht werden dürfen. Das offene Auftragsvolumen belief sich zum Ende des ersten Quartals auf rund 200 Millionen Dollar.

Erst zu Beginn des Jahres hatte das Investmenthaus Fletcher International rund 75 Millionen Dollar in das Unternehmen gepumpt. Mit Fletcher wurde damals eine Option zur Aufstockung der Investitionen auf 225 Millionen Dollar bis zum 31. Dezember 2001 vereinbart. Die nächste Tranche von 75 Millionen stehe aus diesem Pool erst zum Ende des dritten Quartals zur Verfügung, erklärte Williams. Zudem seien die Bedingungen für eine weitere Geldspritze von Fletcher derzeit nicht günstig. Der Vertrag sei zu einem Zeitpunkt ausgehandelt worden, als der Aktienwert von Baan bergab ging: "Damals haben wir von dem Flechter-Investment profitieren können." Von der heutigen Situation, die sich speziell im höheren Börsenwert von Baan niederschlage, hätte bei einer weiteren Investition vor allem Fletcher den Vorteil.

Endgültig vom Tisch sind angebliche Pläne von Microsoft, das niederländische Softwarehaus zu übernehmen. Vor kurzem wurde in der Gerüchteküche auch Peoplesoft als Käufer von Baan gehandelt. Microsoft habe, so Branchenkenner, ein konkretes Übernahmeangebot in Höhe von 20,62 Dollar pro Aktie gemacht. Baan-CEO Mary Coleman trat diesen Verkaufsgerüchten vehement entgegen: "Unser Management hat entschieden: Wir wollen unabhängig bleiben." Der Markt sei groß und Baan gut positioniert.