Standort-Schließungen

Finanz Informatik in Aufruhr

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Mitarbeiter der Finanz Informatik vermuten hinter den angekündigten Standortschließungen das Ziel Stellenabbau. Das Management dementiert, Verdi mobilisiert zum Streik.
Die Zentrale der Finanz Informatik in Frankfurt am Main.
Die Zentrale der Finanz Informatik in Frankfurt am Main.
Foto: FinanzInformatik

Seit Anfang Oktober verhandeln die Arbeitgeber der Finanz Informatik mit der Arbeitnehmervertretung über eine angekündigte Umstrukturierung. Die Gespräche stehen noch am Anfang, doch Konflikte zeichnen sich ab. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi möchte eine Beschäftigungsgarantie bis 2025. Das Management der Finanz Informatik lehnt ab. Anfang der Woche wurde gestreikt.

Hintergrund ist, dass Die IT-Tochter der Sparkassen in einer umfangreichen Umstrukturierung ihre Kräfte an drei Standorten bündeln will. Dazu gehören die Unternehmenszentrale in Frankfurt am Main sowie die Rechenzentren und derzeit größten Standorte in Münster und Hannover. Bislang unterhält der IT-Dienstleister, der in den vergangenen Jahren aus der Fusion von insgesamt elf regionalen Sparkassen-Töchter entstanden ist, noch neun Niederlassungen, sechs von ihnen müssen also schließen. Die Pläne, die im vergangenen Mai von den Gremien beschlossen wurden, sollen bis 2014 umgesetzt sein.

Seitdem hat die Finanz Informatik das Vorhaben konkretisiert. Dazu wurden unter anderem sämtliche Aufgaben, die der Dienstleister für die Kunden erbringt, in rund 120 Einzelgewerke zusammengefasst. "Knapp 60 Prozent dieser Aufgabe werden von Teams erbracht, die auf vier oder mehr Standorten verteilt sind", schilderte ein Unternehmenssprecher die Hintergründe. Sie sollen künftig so verlagert werden, dass nur noch Mitarbeiter an maximal zwei Niederlassungen beteiligt sind. Die Pläne darüber, welche Aufgaben künftig wo geleistet werden sollen, wurden den Arbeitnehmervertretern Anfang Oktober übergeben.

Während das verteilte Arbeiten in vielen anderen Unternehmen üblich ist und von technischen Hilfsmitteln wie Collaboration- und Conferencing-Tools unterstützt wird, drängt die Finanz Informatik auf persönliche Zusammenarbeit. "Wir setzen solche Hilfsmittel ein, legen aber großen Wert auf den persönlichen Kontakt der Mitarbeiter", betonte das Unternehmen. Finanzielle Einsparungen und Entlassungen seien keine Ziele der Maßnahmen, es gehe einzig um Strukturverbesserungen, heißt es.

Die Gewerkschaft Verdi hat in die Verhandlungen einen eigenen Forderungskatalog eingebracht. Er sieht unter anderem Beschäftigungssicherung bis 2025, Home-Office-Angebote und Standortsicherung für Mitarbeiter vor, die umziehen.

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Arbeitnehmervertreter Anfang der Woche zum Warnstreik aufgerufen. Angaben von Verdi zufolge haben insgesamt über 1000 Mitarbeiter an allen neun Standorten ihre Arbeit zumindest zeitweilig niedergelegt. Von den Standortschließungen sind laut Verdi bis zu 1650 Mitarbeiter (die Finanz Informatik zählt 1500 Mitarbeiter) betroffen. Verdi befürchtet schlimmstenfalls einen Arbeitsplatzabbau von 1500 der aktuell rund 4300 Stellen.

Allen Betroffenen versprach das Management finanzielle Entschädigung. Jede Vollzeitkraft, die umziehen muss, erhält einen Ausgleich von 50.000 Euro. Für Teilzeitkräfte, die laut Verdi knapp 30 Prozent der Betroffenen stellen, gibt es weniger. Arbeitnehmer, die das Unternehmen infolge der Umstrukturierungen verlassen, bekommen eine Abfindungszahlung von durchschnittlich 100.000 Euro, abhängig von Alter, familiären Hintergrund und Betriebszugehörigkeit. Mitarbeiter in Frankfurt, Hannover und Münster müssen laut Finanz Informatik nicht umziehen.

Die Parteien wollen bis Mitte November 2012 verhandeln. Erzielen sie keinen Abschluss, muss es ein Schlichter richten.