Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

Fehlende IT-Experten schwächen Standort Deutschland

Simon verantwortet auf Computerwoche online redaktionell leitend überwiegend alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz. Er entwickelt darüber hinaus innovative Darstellungsformate, beschäftigt sich besonders gerne mit Datenanalyse und -visualisierung und steht für Reportagen und Interviews vor der Kamera. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter der Computerwoche. Aufgaben in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
Deutsche Ingenieure schätzen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des IT-Standorts Deutschland von Jahr zu Jahr schlechter ein. Dabei könnten hiesige Unternehmen gerade im wichtigen Bereich IT-Security punkten - wenn sie denn die nötigen Spezialisten finden würden.

Eine Expertenbefragung des VDI - Vereins Deutscher Ingenieure zur CeBIT 2015 unter 360 Mitgliedern ergab, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit des IT-Standorts Deutschlands nur noch von rund der Hälfte der Befragten als "gut" oder "sehr gut" angesehen wird. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei deutlich über 50 Prozent, im Jahr 2013 sogar noch bei über 60 Prozent. "Wir stellen mit Besorgnis fest, dass sich diese Einschätzung über die letzten drei Befragungen kontinuierlich verschlechtert hat", resümierte VDI-Präsident Udo Ungeheuer.

Immerhin sind ein Drittel der Befragten aktuell aber der Meinung, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden beiden Jahren wieder bessern wird - die Hälfte der Befragten rechnet mit einer gleichbleibenden Wettbewerbsstärke, nur 16 Prozent sehen noch schlimmere Zeiten auf den deutschen IT-Standort zukommen.

Eine der Ursachen für das schlechter werdende Ergebnis sieht der VDI im sinkenden Angebot von IT-Fachkräften auf dem deutschen Markt - schon mehr als ein Viertel der Befragten bezeichnet die aktuelle Verfügbarkeit von IT-Fachkräften als "schlecht" - der Großteil der Umfrageteilnehmer sieht sie nur mehr als "durchschnittlich". Schon in naher Zukunft wird sich das Missverhältnis zwischen hoher Nachfrage und geringem Angebot noch weiter verschärfen.

IT-Experten verzweifelt gesucht - wo sind sie, die Spezialisten in Informatik, für Digitalisierung, für Cloud, Big Data und Co.?
IT-Experten verzweifelt gesucht - wo sind sie, die Spezialisten in Informatik, für Digitalisierung, für Cloud, Big Data und Co.?
Foto: Kurhan - Fotolia.com

Wie schwer sich besonders der deutsche Mittelstand dabei tut, IT-Spezialisten zu finden, zeigt sich allein in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, dass auf einen arbeitslosen Informatiker heute schon im Durschnitt 2,7 offene Stellen kommen - Tendenz steigend. Besonders große Nachfrage gibt es nach Generalisten im informationstechnischen Bereich - hier kommen auf einen Arbeitssuchenden bereits 8,2 offene Stellen. Auch Wirtschaftsinformatiker und Softwareentwickler sind so stark gefragt wie noch nie (5,1 respektive 3 offene Stellen pro Suchendem).

Wirtschaftsinformatiker und Software-Entwickler sind neben eher generalistisch ausgebildeten IT-Spezialisten besonders begehrt.
Wirtschaftsinformatiker und Software-Entwickler sind neben eher generalistisch ausgebildeten IT-Spezialisten besonders begehrt.
Foto: Bundeagentur für Arbeit / VDI e.V.

Fehlende Security kostet zusätzlich

Erschwerend zu der aussichtslosen Suche nach IT-Spezialisten hinzu kommt die Anfälligkeit von deutschen KMU (kleinen und mittelständischen Unternehmen) für Cyberattacken. Je weniger IT-Experten, gerade auch im Security-Bereich, desto größer die Gefahr, einen Angriff nicht verhindern respektive gar nicht erst bemerken zu können. "Deutsche Unternehmen sind zwar für das Thema IT-Sicherheit immer mehr sensibilisiert, aber gerade KMUs fehlen die notwendigen Sicherheitsstrukturen", erklärt Ungeheuer.

Einer aktuellen Studie des amerikanischen Ponemon-Instituts zufolge belaufe sich der durchschnittliche finanzielle Schaden, der einem Unternehmen durch eine Cyberattacke entstehe, auf umgerechnet 3,32 Millionen Euro, so der VDI-Präsident im Rahmen der CeBIT-Pressekonferenz. Das Thema IT-Security sei zwar "in den Köpfen der deutschen Unternehmen angekommen", noch sei aber für den Großteil ein langer Weg zu gehen, auch adäquat sicher und geschützt zu sein.