Leser fragen, Personalexperten antworten

Fehlende Führungserfahrung erschwert Wechsel ins Linien-Management

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Seine nicht ganz einfache Situation schildert ein Leser so: "Ich arbeite als Projektleiter eines größeren Unternehmens und strebe nach der Leitung eines mehrjährigen IT-Großprojekts den Wechsel in eine IT-Führungsfunktion in der Linie an.

Beim jetzigen Arbeitgeber bestehen keine entsprechenden Entwicklungsoptionen. Obwohl ich ein großes Team in einem komplexen Umfeld und in direkter Ergebnisverantwortung zu leiten hatte, das Team teilweise selbst aus Führungskräften bestand und ich informell im Range eines Abteilungsleiters agierte, scheint es bei Bewerbungen, wenn man keinen Titel als Linienführungskraft im Lebenslauf hat, schwierig, für Leitungsfunktionen als kompetent erachtet zu werden. Wie kann man diese Hürde überwinden? Mir ist es übrigens unverständlich, warum ein Kandidat, der bereits eine disziplinarische IT-Leitungsfunktion ausgeübt hat, noch eine Motivation für einen gleichrangigen Stellenwechsel (Sidestep) haben sollte. Ich hätte sie jedenfalls nicht."

Georg Rueff, Geschäftsführer der Münchner Personalberatung Vesterling
Georg Rueff, Geschäftsführer der Münchner Personalberatung Vesterling
Foto: Rueff

Georg Rueff, Geschäftsführer der Münchner Personalberatung Vesterling, empfiehlt Folgendes: "Die meisten Personalabteilungen in größeren Unternehmen ziehen eine klare Trennlinie zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung, und meist ist es schwierig, diese Hürde mit dem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber zu überspringen. Andererseits erleben wir immer wieder bei Positionen der mittleren Ebene, dass vorangehende disziplinarische Führungserfahrung nicht unbedingt erforderlich ist. Für Ihre Bewerbung rate ich Ihnen, die Nähe Ihrer jetzigen Position zur Zielrolle zu beschreiben und Überschneidungen zu benennen. Weisen Sie im Anschreiben auf Ihre Führungserfahrung hin und legen Sie in einer Führungsmatrix dar, welche Anforderungen Sie bei der fachlichen Führung erfüllt haben. Typische Überschneidungen sind etwa Personaleinsatzplanung, Kommunikation, Qualitäts-Management, Bewertungen für Mitarbeitergespräche, Konflikt-Management, interkulturelle Teamführung oder Personalentwicklung. Geben Sie dabei auch an, wie lange Sie zu den einzelnen Anforderungen Erfahrungen gesammelt haben, mit wie vielen Mitarbeitern und wie lange die Teams jeweils Bestand hatten. Falls Sie in Ihrer beruflichen Karriere Personal eingestellt oder Mitarbeitergespräche geführt haben, sollten Sie dies hervorheben.

Legen Sie im Bewerbungsgespräch klar, welche Führungskonzeption, -kultur und welcher -stil Ihnen eigen sind und weshalb sie sich Führungsverantwortung wünschen. Häufig stellt sich auch die Frage, ob Referenzen angegeben werden sollen. In Ihrem Fall halte ich dies für äußerst hilfreich. Ein seriöses Unternehmen wird bei der von Ihnen genannten Schlüsselposition so viel Informationen sammeln wie möglich, um eine stichfeste Entscheidung treffen zu können. Dazu gehört auch die Überprüfung der Angaben durch Drittpersonen.

Sie fragen schließlich nach der Motivation für einen gleichrangigen Management-Stellenwechsel. Eine solche Rolle wird ja nach Umfeld und Ebene nicht nur für sich ausgeübt, sondern es gilt, mit dem Team bestimmte Aufgaben zu bewältigen. Wenn die zu klein oder einfach nicht mehr passend sind, dann ist ein Wechsel sinnvoll. Richtig ist aber auch, dass der Übergang in eine disziplinarische Rolle/Linienfunktion nicht immer vorteilhaft sein muss. Die Aufgaben können weniger spannend sein als in der Projektleitung, es bleibt keine Zeit für Projekte, der Abstand zum technischen Fachwissen kann sich vergrößern." (hk)

Weitere Führungstipps finden Sie hier: