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Fax beweist: Mit Oracle kann man handeln

01.10.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beim Datenbankriesen Oracle dürfte bald mindestens ein Kopf rollen. Der desjenigen nämlich, der versehentlich (?) ein Fax an das "Wall Street Journal" geschickt hat, in dem die 20 größten Vertragsabschlüsse des vergangenen Quartals (Ende: 31. August) inklusive Umsatz und Zahlungsmodalitäten aufgelistet sind.

Die Liste bringt wahrlich interessante Details ans Tageslicht: Die aufgeführten Kunden erhielten von Oracle Rabatte zwischen 42 - für den größten Kunden, Hewlett-Packard - und 94 (!) Prozent auf den Preis der gekauften Produkte. Bei neun der 20 Käufer lagen die Nachlässe über 70, bei vieren gar über 80 Prozent. Oracle hält sich - wie die meisten Konkurrenten auch - ansonsten sehr bedeckt zu seiner Preisgestaltung und veröffentlicht auch keinerlei offizielle Listenpreise. Laut Aussagen von Beratern und Analysten beinhalten die Abschlüsse des Marktführers ohnehin fast immer einen Gutteil Beratung, so daß Listenpreise wenig Sinn machen würden.

Richard Finkelstein, Analyst bei Performance Computing in Chikago, geht davon aus, daß die gelisteten Rabatte vornehmlich auf das NT-Segment entfallen. Hier muß sich Oracle - im Gegensatz zu sonstigen Betriebssystemplattformen - der Konkurrenz von Microsoft erwehren. Die Gates-Company bringt ihre Datenbank "SQL Server" aus Sicht von Finkelstein "fast kostenlos" unters Volk, um die Verbreitung von Windows NT anzukurbeln. Dennoch könne Oracle inzwischen mehr NT-Datenbank-Kunden vorweisen als die Gates-Company - eine Tatsache, "die Microsoft ganz besonders wurmen muß".