CW-Kolumne

Falsche Prioritäten?

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.

An erster Stelle stehen die IT-Kosten; hier sollten wir führend sein. Wie viele Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer, denken Sie, würden diese Aussage unterschreiben? Alle? Falsch! Einer brandaktuellen, wenn auch nicht repräsentativen Umfrage der Computerwoche zufolge setzt das Topmanagement hinsichtlich seiner Anforderungen an die IT ganz andere Prioritäten. Vier von fünf der Befragten äußerten die Ansicht: "Der CIO sollte von sich aus Innovationsmöglichkeiten aufzeigen." Eine Kostenführerschaft ihrer IT-Abteilung hingegen fordert gerade einmal ein Viertel.

Nun wird in solchen Umfragen sicher gern geschwindelt. Auf der anderen Seite lief die Befragung völlig anonym ab. Welche Gründe sollten also die Teilnehmer haben, ihre Antworten zu schönen? Wo sie doch diese Gelegenheit nutzen könnten, um endlich einmal zu sagen, was ihnen wirklich unter den Nägeln brennt.

Womöglich sollten die CIOs derartige Meinungsäußerung ja durchaus ernst nehmen und sich klarmachen: Sparmaßnahmen werden zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber Respekt verschafft sich die IT nur, indem sie neue Wege aufzeigt – um den Anwendern die Arbeit zu erleichtern, um die Business-Prozesse zu verbessern und vor allem, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.

Jetzt verdrehen vermutlich viele die Augen: Wissen wir schon, machen wir längst, erzähl doch mal was Neues! Wenn dem so ist, hinterlässt die Computerwoche-Umfrage allerdings ein dickes Fragezeichen: Die ebenfalls befragten leitenden IT-Mitarbeiter sind nämlich zu knapp 70 Prozent der Ansicht, sie würden vor allem nach den IT-Kosten beurteilt. Nur 44 Prozent können sich vorstellen, dass sie am nachweisbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg gemessen werden.

Sollten die IT-Leiter etwa die falschen Prioritäten setzen? Versäumen sie aus Furcht davor, die Erwartungen der Business-Seite zu enttäuschen, genau das, was ihnen deren Anerkennung einbrächte? Nein, da ist es doch viel wahrscheinlicher, dass die befragten Topmanager reine Lippenbekenntnisse abgegeben haben. Oder?