Cloud- und Hosting-Projekte richtig planen

Fallstricke bei der Berechnung von IT-Verfügbarkeit

Thomas Wittbecker ist einer der Gründer der ADACOR Hosting. In seiner Funktion als CEO ist er im Unternehmen vor allem für die Neu- und Großkundengewinnung, Finanzen und Kommunikation verantwortlich.
In seinen Blogbeiträgen setzt er sich pointiert mit Themen und Phänomenen auseinander, die ihm im Arbeitsalltag begegnen.
Als Visionär vertritt er die Überzeugung, dass es für ein Unternehmen wichtig ist, ein verlässlicher und langfristiger Partner aller Stakeholder zu sein.
In der Praxis werden im Rahmen von Service Level Agreements (SLAs) häufig Aussagen zu Verfügbarkeiten gemacht, die technisch nicht verifiziert sind. Der folgende Beitrag zeigt anhand konkreter Beispiele, wie sich IT-Verfügbarkeit genau berechnen lässt.

Während der Angebotsphase stellt sich bei Hosting-Projekten in kleinen und mittelständischen Unternehmen oft die Frage nach der Verfügbarkeit einzelner Services. Doch viele Verantwortliche haben nur eine vage Vorstellung von der Problematik der IT-Verfügbarkeit. Meistens wird die Verfügbarkeit eines Services mit einer Prozentzahl beschrieben. Dabei wird jedoch häufig außer Acht gelassen, dass bei der Berechnung dieser Prozentzahl, die dann in den Service Level Agreements (SLA) festgeschrieben wird, einige Fallstricke lauern.

Solche Fallstricke sind beispielsweise der Bezugspunkt der Berechnung der Ausfallzeiten (Jahr oder Monat), die Definition des zugrunde liegenden Services (Server, Firewall, Netzanbindung) oder die potenzielle Verknüpfung von Verfügbarkeiten. Wie lässt sich die Verfügbarkeit von IT-Plattformen sinnvoll berechnen?

Beispielrechnung für die Server-Verfügbarkeit
Beispielrechnung für die Server-Verfügbarkeit
Foto: Adacor

Beispiel Server-Verfügbarkeit

Häufig bekommen IT-Anbieter Kundenanfragen mit der Aussage "Wir hätten gerne einen Server mit der Verfügbarkeit von 99,5 Prozent". In solchen Fällen wird diese Anforderung in ein Angebot aufgenommen; dabei wird unterstellt, dass sich die gewünschte Verfügbarkeit auf das Jahr und ausschließlich auf den Server bezieht.

Dem Kunden ist jetzt wahrscheinlich nicht klar, dass der Server durchaus einen ganzen Tag am Stück ausfallen kann und die Verfügbarkeit trotzdem eingehalten wird. Oder dass die Verfügbarkeit des Servers nicht berührt ist, wenn die Firewall oder die Netzanbindung weg ist, der Server noch läuft, aber von außen nicht mehr erreichbar ist.

Möglichkeiten für die Berechnung der Ausfallzeiten

Eine gute Übersicht darüber, wie sich die prozentuale Verfügbarkeit eines Service in der Praxis auswirkt, erhält man mit einer Tabelle der auf das Jahr gerechneten möglichen Ausfallzeiten.

Berechnung der Ausfallzeiten

Verfügbarkeit Prozentual

Minimale erwartete Verfügbarkeit (Stunden)

Maximale erlaubte Ausfallzeit (Stunden)

99,0%

8672,40

87,60

99,1%

8681,16

78,84

99,2%

8689,92

70,08

99,3%

8698,68

61,32

99,4%

8707,44

52,56

99,5%

8716,20

43,80

99,6%

8724,96

35,04

99,7%

8733,72

26,28

99,8%

8742,48

17,52

99,9%

8751,24

8,76

99,99%

8759,124

0,876

Alternativ kann man die Verfügbarkeit bei kritischen Projekten auch auf den Monat bezogen angeben. So bedeutet zum Beispiel 99,9 Prozent Verfügbarkeit auf den Monat gerechnet einen Maximalausfall von 43:48 Minuten pro Monat. Wenn man über die Verfügbarkeit eines Services spricht und prozentual ausdrückt, muss man sich also überlegen, ob man mit der maximal möglichen Ausfallzeit leben kann.

Eine weitere Variante besteht darin, zusätzlich die maximale Ausfalldauer zu beschränken. Gerade bei nicht ganz so kritischen Projekten kann es sein, dass zwei oder drei Ausfälle pro Jahr nicht ins Gewicht fallen. Sie sollten jedoch nicht länger als vier Stunden am Stück betragen. Also definiere ich beispielsweise 99,5 Prozent Verfügbarkeit pro Jahr, bei maximal vier Stunden Ausfall am Stück.