Mitarbeiterfang auf Facebook und Co.

Fake-Accounts sind ein attraktives Lockmittel

16.06.2011
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Wer unter falschem Namen in sozialen Netzwerken auftritt, macht sich nicht strafbar. Sollte auf diese Weise aber ein Arbeitsvertrag zustande kommen, könnte der wegen arglistiger Täuschung unwirksam sein.
Foto: Yuri Arcurs/Fotolia.de

Daniel K. sucht einen Job, in der Zeitung, über Bekannte und in sozialen Netzen. Gleich bei mehreren Anbietern hat er sein Profil eingetragen. Zeit hat er schließlich im Überfluss. In der Krise verlor er seine Arbeit und fand bislang keine neue, obwohl er ein Mann im besten Alter ist. Zwar kamen immer wieder Angebote auf seine Einträge hin, doch die waren schon auf den ersten Blick unseriös, so dass er keine Bewerbung schickte.

Googeln half bei Wahrheitssuche

Vor wenigen Tagen trudelte wieder eine E-Mail ein, diesmal ein ausführliches Schreiben und ein großformatiges Bild der möglichen neuen Kollegin Sabine R. Daniel K. war von deren Äußerem sehr angetan und machte sich alle Mühe mit seinen Bewerbungsunterlagen, die er noch am selben Tag an die hübsche Sabine schickte. Abends zeigte er einem Freund seine wahrscheinlich neue Kollegin - und der konnte sich das Lachen nicht verkneifen. In Wirklichkeit ist die Dame ein Model; wiederum ein anderer Freund hatte ein Bild von ihr in einer Zeitschrift gesehen. Sie hatte ihr Profil in vielen unterschiedlichen sozialen Netzwerken eingestellt, in denen sie die Werbetrommel für ihren scheinbaren Arbeitgeber rührte, um potenzielle Kollegen anzulocken. Daniel K. war sprachlos, googelte im Internet und fand nun einiges über sogenannte Fake-Accounts.

Kampf den unechten Profilen

Hinter solchen unechten Profilen steht ein User nicht mit seiner realen Identität. Er unterhält sie beispielsweise in Social Networks zu Testzwecken, um Bewerber zu ködern oder um Meinungen, die nicht seiner realen Person entsprechen, unter einem Nick-Namen zu posten. So dienen diese Namen dazu, sich anonym im Web herumzutreiben. Strafbar sei das bis dahin nicht, fand Daniel K. heraus.

Xing teilte ihm auf Anfrage mit: "Fake-Profile tauchen immer wieder mal auf. Wichtig ist, dass die Schutzmechanismen funktionieren und unechte Profile umgehend aufgespürt und gelöscht werden. Wir können uns diesbezüglich auf unsere Mitglieder und die Mitarbeiter verlassen." Wer bei Xing eine falsche Identität verwende, begehe zwar nicht unmittelbar eine Straftat, verstoße aber eindeutig gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Keine Mappe mehr

39 Prozent der Personalchefs verlangen Bewerbungen digital - davon 28 Prozent per Mail, elf Prozent über die Website. Zu diesem Ergebnis kommt der IT-Verband Bitkom in einer repräsentativen Umfrage unter 1500 Unternehmen aller Branchen. Die traditionelle Bewerbungsmappe hat damit noch nicht ausgedient: Immerhin 43 Prozent der Firmen bevorzugen sie immer noch. Allerdings sinkt ihre Bedeutung rapide.

"Soziale Netzwerke stellen oft ein allgemeines Abbild der Gesellschaft dar - und in beiden Formen gibt es neben vertrauenswürdigen Geschäftspartnern eben auch andere Akteure", schrieb Xing an Daniel K. Das soziale Netzwerk aus Hamburg versucht auf zweierlei Wegen, diese unseriösen Kandidaten herauszufiltern: Zum einen gibt es Plausibilitätsprüfungen in den Benutzerangaben beim Erstellen neuer Accounts. Diese Verfahren möchte der Social-Network-Anbieter aus offensichtlichen Gründen nicht im Detail erläutern. Die andere Komponente ist das soziale Gefüge in einem Netzwerk selbst - häufig machen User das Unternehmen auf mögliche Fake-Profile aufmerksam. Dafür gibt es den Button "Profil als unecht melden". Bei begründetem Verdacht nicht korrekter Benutzerdaten nimmt Xing Kontakt mit dem Mitglied auf und fordert gegebenenfalls Nachweise zu den Angaben im Profil. "Erfolgt kein plausibler Nachweis, wird das Profil gesperrt und ist somit nicht mehr zugänglich", heißt es von Xing. Daniel K. informierte daraufhin die verschiedenen Medien, in denen Sabine R. ihr Profil hinterlegt hatte - und schon eine Woche später waren ihre digitalen Spuren restlos verwischt.