IT-Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel muss nicht sein

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Fehlendes IT-Personal ist auch ein hausgemachtes Problem, meint Bülent Uzuner, Vorstandsvorsitzender der Oldenburger BTC AG.

CW: Unternehmen und Politiker in Deutschland klagen über Fachkräftemangel. Stimmen Sie dem zu?

Bülent Uzuner, BTC: "Wer langfristige Personalentwicklung betreibt, wird keinen Fachkräftemangel haben."
Bülent Uzuner, BTC: "Wer langfristige Personalentwicklung betreibt, wird keinen Fachkräftemangel haben."
Foto: BTC


UZUNER: Definitiv nein. Man muss aufpassen, dass ein Missstand nicht zur Schutzbehauptung für die eigene Untätigkeit wird. Personalentwicklung ist eine dauerhafte Management-Aufgabe und kein kurzes Strohfeuer. Wer langfristige Personalentwicklung betreibt und ausbildet, wird keinen Fachkräftemangel haben.

CW: Welche Erfahrungen macht BTC mit ausländischen Absolventen?

UZUNER: Die ausländischen Studenten sind sehr ehrgeizig, engagiert und lernwillig. Durch ihren interkulturellen Hintergrund verfügen sie über eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Allerdings wird diese Gruppe in Deutschland oft vernachlässigt. Viele Unternehmen haben noch nicht verstanden, dass wir uns im Wettbewerb mit den Ländern befinden, die mit diesen jungen Menschen ihre Wirtschaft aufbauen.

CW: Braucht ein mittelständisches Unternehmen ein Nachwuchsprogramm?

UZUNER: Für Hochschulabsolventen ist der Mittelstand nicht so attraktiv wie Großkonzerne. Umso wichtiger ist es, dass mittelständische Unternehmen aktiv an die Hochschulen herantreten. Sie müssen bezahlte Praktika und gut betreute Diplomarbeiten anbieten, sich aber auch durch Vorträge in Hochschulkreisen bekannt machen.

CW: Ist Personalentwicklung alleinige Aufgabe der Personalabteilung?

UZUNER: Das ist die Aufgabe jeder Führungskraft! Ein Manager muss nicht nur die Wirtschaftlichkeit eines Profit-Centers sicherstellen können, sondern auch rechtzeitig für passendes und ausreichendes Personal sorgen - zusammen mit seinem Personalbereich. Es gilt, junge Talente aufzuspüren und zu entwickeln.

CW: Gibt es ausgebildete Fachkräfte und Absolventen in der Türkei und anderen Ländern, von denen IT-Unternehmen in Deutschland profitieren können?

UZUNER: Für Deutschland sehe ich keine Notwendigkeit, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. Ich bin davon überzeugt, dass wir hier genügend deutsche und ausländische Absolventen an den Hochschulen haben.

CW: Die Zahl der Frauen in der ITK-Branche ist gering. Woran liegt das?

UZUNER: In Deutschland ist eine Affinität von Mädchen oder Frauen zu Naturwissenschaften und IT-Themen seltener vorhanden und wird auch in der Kindheit kaum gefördert. Ich habe festgestellt, dass junge Frauen in der Regel selbst dann kein Interesse daran haben, wenn der Vater in der IT-Branche tätig ist. In der Türkei ist das anders: Dort hat die BTC im Beratungs- und Softwarebereich den höchsten Frauenanteil. Der Anteil der IT-Studentinnen in der Türkei liegt bei 40 Prozent, während es in Deutschland lediglich im Durchschnitt 17 Prozent sind.

CW: Erwarten Sie mehr Engagement von der Politik?

UZUNER: Handeln müssen die Unternehmen, die Politik stellt die Rahmenbedingungen auf. Die ausländischen Studenten stehen vor der Hürde, dass sie maximal ein Jahr nach Ende des Studiums einen Job finden müssen. Andernfalls erlischt ihr Aufenthaltsrecht. Diese Frist ist zu kurz. Ein großes Problem ist auch, das im Ausland erworbene Abschlüsse hierzulande häufig nicht anerkannt werden und Zusatzqualifikationen erfordern.

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