Zu starre Anforderungen an Bewerber

Fachkräftemangel ist hausgemacht

Hans Königes
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
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Die Suche nach Mitarbeitern bleibt branchenübergreifend einer der größten Sorgen deutscher Unternehmen. Allerdings ist der Fachkräftemangel auch deshalb so groß, weil Arbeitgeber zu hohe Ansprüche haben und zu starr in ihrer Auswahl sind.

42 Prozent der hiesigen Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden. Das sind acht Prozent mehr als im weltweiten Durchschnitt, wie die aktuelle Studie "Fachkräftemangel 2012" (internationaler Titel: Talent Shortage Survey) des Personaldienstleisters Manpower zeigt. Seit 2010 ist der Anteil der Firmen mit Recruiting-Problemen in Deutschland um 13 Prozent gestiegen. Wesentlich dramatischer stellt sich die Lage für die Arbeitgeber in Japan, USA und Indien dar, in den anderen europäischen Ländern hat das Thema Fachkräftemangel bei weitem nicht den Stellenwert wie in Deutschland. In England zum Beispiel sind es lediglich elf Prozent der Firmen, die darüber klagen, keine Beschäftigten zu finden.

Ältere Bewerber bleiben außen vor

Nur 14 Prozent der Unternehmen haben spezifische Strategien, um ältere Mitarbeiter zu gewinnen, so die Manpower-Studie.
Nur 14 Prozent der Unternehmen haben spezifische Strategien, um ältere Mitarbeiter zu gewinnen, so die Manpower-Studie.
Foto: lunamarina/Fotolia.de

Die Chefin der Manpower-Group in Deutschland, Vera Calasan, sieht im Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem der Arbeitgeber. Sie fordert sie auf, mehr in die Personalarbeit zu investieren ("HR-Personal macht in Deutschland nur 1,5 Prozent der Gesamtbelegschaft aus") und die Anforderungen an die Bewerber nicht zu starr zu formulieren und sich flexibler in der Personalauswahl zu zeigen. Ihre Empfehlung an die Firmenchefs lautet, stärker auch ältere Bewerber gezielt anzusprechen. Bislang hätten gemäß der Manpower-Untersuchung lediglich 14 Prozent der Unternehmen spezifische Strategien zur Rekrutierung älterer Mitarbeiter. Zusätzlich plädiert sie dafür, "jungen und wenig erfahrenen Mitarbeitern eine Chance" zu geben. Statt jahrelange Erfahrung vorauszusetzen, monatelang zu suchen und nur Bewerber einzustellen, die zu 100 Prozent dem idealen Profil entsprechen, sollten Arbeitgeber "motivierten Talenten eine Chance geben".

Schwierige Suche nach Ingenieuren und Informatikern

Am schwierigsten für die Betriebe gestaltet sich laut Studie die Suche nach Ingenieuren, inklusive Computerfachleuten und Handwerkern. So habe sich etwa die Anzahl der unbesetzten Ingenieursstellen in den letzten beiden Jahren verdoppelt. "Eine Erholung ist nicht in Sicht", lautet die ernüchternde Schlussfolgerung von Manpower-Managerin Calasan. Ebenfalls eng bleibt es auf dem Arbeitsmarkt für Vertriebsmitarbeiter, Techniker und Personal für Finanz- und Rechnungswesen. "Durchschnittliche Vakanzzeiten von 55 Tagen über alle Positionen und bis zu 90 Tagen bei technischen Berufen bedeuten Milliardenverluste für die deutsche Wirtschaft", gibt Calasan zu bedenken.

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