Business Intelligence

Fachbereiche fürchten den Verlust der Kontrolle über ihre Daten

Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.
Anzeige  Schon lange ermitteln Firmenabteilungen erfolgreich Kennzahlen und Prognosen aus ihren Geschäftsdaten. Nun sollen sie das auch unternehmensweit tun, raten die Experten. Das aber ruft bei den Fachbereichen Ängste vor dem Verlust der Kontrolle über ihre Daten hervor.
Foto: MEV Verlag

Zwar ist der aktuelle Stand der Dinge bei BI nicht direkt unerfreulich, doch hinsichtlich der nachhaltigen Organisation von BI gibt es offenbar noch viel zu diskutieren. Wie die BI-Spezialisten des Business Application Research Center (BARC) erst vor wenigen Wochen in einer Umfrage unter rund 400 Unternehmen aus Westeuropa und den USA festgestellt haben, wird BI bei den meisten noch viel zu vordergründig und damit zu wenig nachhaltig betrieben. Zudem gibt es nur selten Performance-Messungen von BI-Lösungen. Nur ein Drittel der Unternehmen gab an, den Erfolg ihrer BI-Investitionen überhaupt nachzuhalten. Aber Besserung ist in Sicht, wie BARC-Chef Carsten Bange erläutert: "Wir stellen in unserer Praxis fest, dass die Unternehmen das Thema BI zunehmend strategisch angehen."

Wulf Maier, Beratungsleiter bei HP Enterprise Information Solutions, kommt zwar zu demselben Schluss wie Bange, beurteilt aber den Ausgangspunkt kritischer: "Wir sehen nur wenige Unternehmen mit einer konzernweiten BI-Strategie. Typischerweise spielt sich Business Intelligence fachbereichsweit oder in einzelnen Tochterunternehmen und Geschäftsfeldern ab. Eine konzernübergreifende umfassende Strategie von ganz oben ist aus unserer Sicht eher selten."

Den Grund für den von beiden unbestrittenen Erkenntnisgewinn sehen die Experten in der Einsicht der Unternehmen, bessere und verbindlichere Daten zu benötigen, um im scharfen Wettbewerb mithalten zu können. Aber was heißt in diesem Zusammenhang eigentlich "unternehmensweite BI"?

HP: Mit dem Masterplan zum BI-Master

Wie unternehmensweite BI-Projekte konkret aussehen können, skizziert HP in einem „BI-Masterplan“.

Geschäftstreiber definieren und transparent machen

Um die Treiber für BI zu definieren, hat HP einen mehrstufigen Prozess entwickelt, der die geschäftliche und technische Seite zunächst getrennt voneinander betrachtet. Das Projekt beginnt damit, dass die Unternehmensleitung im Beratungsprozess Geschäftsanforderungen, Unternehmensziele und deren wichtigste Treiber kommuniziert - etwa mehr Kundenzufriedenheit, weniger Kündigungen oder eine geringere Wartungs- und Reparaturquote. Außerdem muss geklärt werden, wie die Treiber bisher gemessen wurden.

Anschließend gilt es, die Treiber für die geplante BI-Umgebung neu zu operationalisieren: Welche Daten braucht man, wie sind sie zu verbinden, um jeden Treiber in möglichst klaren, eindeutigen Kennzahlen darzustellen? Erfahrungsgemäß stehen die nötigen Daten oft nicht oder nicht in ausreichender Qualität zur Verfügung. Sind keine ausreichenden Datenquellen vorhanden, müssen sie erst einmal geschaffen werden. Erst wenn Treiber und Operatoren definiert und detailliert dokumentiert wurden, ist der rein geschäftliche Teil der BI-Planung abgeschlossen.

Von der Lückenanalyse zum BI-Bebauungsplan

Auf der technischen Seite wird die vorhandene Infrastruktur analysiert. Hier geht es um die vorhandenen Quellsysteme (Hard- und Software), ihre Durchgängigkeit zueinander, um Kommunikationsmechanismen wie SOA-Busse und das IT-Management. Die Ergebnisse werden in einem Report zum Current State Environment zusammengefasst und anschließend in Relation zu funktionalen Anforderungen, Best Practices, Kundenerfahrungen und Industrietrends gesetzt. Das Ergebnis ist eine Lückenanalyse, die darstellt, wo und um was die bestehende Infrastruktur ergänzt werden müsste, um aktuellen BI-Anforderungen zu genügen.

Schließlich fließen alle bisherigen Ergebnisse aus geschäftlicher und technischer Analyse in einer ersten Vision der angestrebten BI-Zielarchitektur zusammen, der so genannten Strawman Vision. Dieser IT-Bebauungsplan dient als Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensführung und alle anderen Zuständigen. Erst nach der Zustimmung aller werden konkrete Einzelschritte und Umsetzungsprojekte meist über eine Dauer von mehreren Jahren geplant. Ziel ist, den vom Unternehmen gewünschten BI-Reifegrad zu erreichen.

Die Investition in den Masterplan-Prozess amortisiert sich meist schnell durch verbesserte analytische Prozesse und dadurch bedingte bessere Entscheidungen. Am Ende profitiert das Unternehmen durch erhebliche Wettbewerbsvorteile, schon allein, weil es seine Ziele, die damit verbundenen Operatoren und Prozesse nun klarer sieht und vielleicht zum ersten Mal messbar operationalisiert hat. So lassen sich oft Millionen einsparen.

Maier versteht unter dem Begriff "auch, aber nicht ausschließlich konsolidierte Kennzahlen, die für dieses eine Unternehmen spezifisch, aber innerhalb der Firma für alle Bereiche gleich und verbindlich sind. Dazu gehört für ihn zudem eine auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Architektur sowie Prozesse, die die Balance zwischen Homogenität und Zentralisierung auf der einen Seite und Flexibilität auf der andere Seite sicherstellen. Das sorge für eine Vergleichbarkeit von Daten innerhalb einer Organisation, schließe aber individuelle Reports einzelner Abteilungen oder Unternehmenseinheiten nicht aus, so Maier.